Mein Ding
Reparieren im Chrüzacher: Aufschrauben statt wegwerfen

Lydia Lippuner
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Urs Kloter in seinem Repair-Café im Dietiker Chrüzacher.

Urs Kloter in seinem Repair-Café im Dietiker Chrüzacher.

Limmattaler Zeitung

Sein Ruf eilt ihm voraus: «De Urs cha alles flicke.» Das sagen Freunde und Verwandten über Urs Kloter. Er arbeitete 19 Jahre lang als Mechaniker im Forschungslabor der IBM. Heute, nach seiner Pension, arbeitet er tiefprozentig weiter. Doch er hätte sich auch anders beschäftigen können: Denn die Hobbys gehen dem Dietiker so bald nicht aus. Motorradfahren, Dampfmaschinen bauen und verschiedenste grössere und kleinere Geräte flicken. Kloter hat meist alle Hände voll zu tun. «Ich muss eher schauen, dass ich mir nicht zu viel aufhalse», sagt er. Doch streichen wolle er nichts, «ich sollte einfach nicht noch mehr annehmen», lacht er.

Im Repair-Café nimmt er derweil die verschiedensten Geräte an. Das Angebot des Gratis-Reparaturdiensts im Dietiker Chrüzacher ist so vielfältig wie die Fähigkeiten der freiwilligen Helfer: Von Kaffeemaschinen über Fahrräder bis zu kaputten Stühlen wird alles geflickt. Kloter hat sich auf die Mechanikarbeiten spezialisiert. «Das Einzige, was ich nicht mehr gerne mache, sind Nähmaschinen», sagt er. Da habe er bereits viele Stunden mit Auseinanderschrauben und noch mehr mit Zusammensetzen verbracht.

Doch bei den meisten Maschinen sagt Kloter nicht Nein. Denn das Reparieren ist für ihn mehr als ein Hobby. «Ich möchte aus Überzeugung dieser Wegwerfgesellschaft entgegenhalten», sagt er. Er sei sich bewusst, dass er die Entwicklung nicht aufhalten könne. Doch seinen Teil könne er tun. Deshalb kauft er für sich selbst auch lieber eine etwas teurere Maschine, die dafür ein wenig länger hält. Eine Kaffeemaschine für 70 Franken sei nicht dafür gemacht, lange zu halten, besonders da viele Teile aus Plastik sind. Zudem weiss Kloter aus Erfahrung, dass die Produzenten oft gar nicht wollen, dass ihre Geräte repariert werden. «Vieles ist nicht aus Metall oder hat Schrauben, die man gar nicht lösen kann», sagt er. Um diesem Problem zu begegnen, hat er sich schon diverse Schraubenschlüssel selbst angefertigt.

Aufgemotzte Handstaubsauger

Nicht reparierbare Geräte gibt es für Kloter kaum: «Das Problem sind mehr die Ersatzteile», sagt er. Wenn diese nicht mehr vorhanden sind, ist es schwierig, ein Gerät wieder flott zu machen. Gelingt es aber, ein Gerät zu flicken, seien seine Geräte danach oft noch besser als zuvor. Das zeigen zum Beispiel die Handstaubsauger. Bei diesen ist der Akku so billig, dass die Leute nach der Reparatur ein besseres Gerät nach Hause tragen, als sie brachten. Trotz allen Möglichkeiten und aller Geduld mit den komplizierten Geräten: Wenn Kloter sieht, wie wenig Verständnis manche Leute für Technik aufbringen, bleibt ihm manchmal nur ein Kopfschütteln. «Ich finde es schlecht, wenn Kaffeemaschinen statt entkalkt einfach fortgeworfen werden», sagt er.

Dampfmaschine und Vergaser

In seinen übrigen Hobbys geht es Kloter ebenfalls darum, Dinge zu erhalten und nicht fortzuwerfen. Seit seiner Kindheit befasste er sich mit Dampfmaschinen. Nun ist er Vizepräsident eines Vereins, der eine grosse Sulzer-Dampfmaschine im Gasimuseum in Schlieren am Laufen hält. Früher produzierte diese Strom für das ganze Werk, heute ist sie dazu da, den Leuten zu zeigen, dass der Strom nicht einfach aus der weissen Steckdose an der Wand kommt, sondern aufwendig produziert werden muss.
Ob auf dem Arbeitsweg oder in den Ferien: Kloter ist oft mit dem Motorrad unterwegs. Wie man schnell erahnen kann, besitzt er nicht ein x-beliebiges Modell. Er fährt einen längst
«ausgestorbenen» englischen Töff der Marke Royal Enfield. «Wenn dieser defekt ist, repariere ich ihn natürlich selbst», sagt er.

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