Malen die Kritiker der Reorganisation der Physiotherapie-Abteilung des Spitals Limmattal schwarz oder spielen die Verantwortlichen die Probleme herunter? Fest steht, dass die Pläne der Spitalleitung auf Widerstand stossen. Nun wird bekannt, dass der Dietiker AL-Gemeinderat Ernst Joss Anfang März eine Aufsichtsbeschwerde gegen die geplante Auslagerung der Physiotherapie-Abteilung einreichte.

Doch handle es sich noch nicht mal um eine Auslagerung, heisst es vonseiten des Spitals – zumindest nicht um eine im klassischen Sinn. «Alle 35 Angestellten der heutigen Abteilung Therapien sollen in eine neue Organisationseinheit überführt werden», wie Spitaldirektor Thomas Brack auf Anfrage erklärt. Diese neue Einheit wird gemeinsam mit der RehaClinic Zürich geführt und übernimmt die therapeutischen Leistungen für das Akutspital, das Pflegezentrum, den ambulanten Bereich und voraussichtlich ab 2019 auch für den stationären Bereich der RehaClinic Zürich AG. Diese plant, ab dann eine Einheit mit 36 Betten im Neubau «LimmiViva» zu betreiben. Bereits in diesem Jahr sollen die heutigen Therapien des Spitals in die neue Firma überführt werden.

Sorge um Bedingungen

Bereits nach Bekanntwerden dieser Pläne im vergangenen Jahr zeigten sich gewisse Politiker besorgt. Der Schlieremer GLP-Gemeinderat Andreas Kriesi thematisierte in einer kleinen Anfrage an den Schlieremer Stadtrat die «Auslagerungspläne». So könne mit diesem Schritt nicht nur die Qualität der Therapie, sondern auch die Anstellungsbedingungen für die Physiotherapeuten in Mitleidenschaft gezogen werden. In der beim Dietiker Bezirksrat eingereichte Aufsichtsbeschwerde hegt Joss dieselbe Vermutung. Für ihn steht fest, dass das «Limmi» mit dieser neuen Organisationsform die Leistungen einkaufen würde.

«Die Physiotherapeuten arbeiten weiterhin für das Spital Limmattal in dessen Räumen, allerdings sind sie beim neuen Rehabilitationszentrum zu dessen Anstellungsbedingungen angestellt.» Dieser Schritt sei aus juristischer Sicht fragwürdig. «Verschlechtern sich die Bedingungen der Angestellten, wäre diese Auslagerung untragbar», sagt er. Der Spitalverband Limmattal bildet die Trägerschaft des «Limmi» und ist ein öffentlich rechtliches Organ. Darin sitzen Vertreter der Gemeinden des Bezirks Dietikon – ausser Uitikon – sowie Dänikon.

Joss’ Bedenken bezüglich der Anstellungsbedingungen teilt die Spitalleitung nicht. «Die Mitarbeitenden werden die nahezu gleichen Bedingungen zu denselben Konditionen haben wie heute im Spital», so Brack. Viel eher werde die Anstellung als Physiotherapeut attraktiver. So biete sich für sie die Möglichkeit, in einem Unternehmen zu arbeiten, welches das ganze Spektrum der Therapien anbietet. Die neue stationäre Rehabilitation biete zudem für die Patienten Vorteile. «Die Ergänzung des Angebots unseres Spitals um eine Rehabilitation entspricht einer gelebten, integrierten Versorgung – ambulant, akutstationär, rehabilitativ. Alles aus einer Hand und an einem Ort», sagt der Spitaldirektor.

Relevanz der Mehrheitsverhältnisse

Joss hat daran jedoch seine Zweifel. Denn: «Hält das Spital Limmattal nicht die Mehrheit an dieser neuen Aktiengesellschaft, können die Anstellungsbedingungen in Zukunft geändert werden», sagt er. Dem «Limmi» wären dann die Hände gebunden und genau dies mache den angestellten Physiotherapeuten derzeit Angst und verursache Verunsicherung. «Wie man hört, kam es seit der Bekanntgabe dieser Pläne in dieser Abteilung zu einer erhöhten Personalfluktuation. Diese kommt nicht von ungefähr.»

In der Tat steht noch nicht fest, wie die Anteile der AG verteilt werden sollen, da dies Bestandteil der derzeitigen Abklärungen sei, wie Brack sagt. Ziel sei es jedoch, zwischen der RehaClinic Zürich AG und dem «Limmi» eine möglichst gleiche Aufteilung zu erreichen. Dies spiele aber eine untergeordnete Rolle. So seien die Anstellungsbedingungen nicht von der Beteiligungshöhe abhängig, sondern von der Geschäftsleitung und dem Verwaltungsrat.

Für diese beiden Gremien sei eine gleich hohe Sitzzahl für beide Unternehmen geplant. «Veränderungen von Anstellungsbedingungen können also nur erfolgen, wenn beide Beteiligten damit einverstanden sind», so Brack. Bereits heute erbringe die Physiotherapie-Abteilung ihre Leistungen kosteneffizient und Einsparungen seien nicht das Ziel dieser Reorganisierung. Doch bestätigt Brack den regen Personalwechsel in der Physiotherapie-Abteilung von 2015 und Anfang 2016. Neben persönlichen Gründen habe das Projekt aufgrund der «natürlicherweise hervorgerufenen Unsicherheit» ebenfalls dazu beigetragen. «Seit die Eckpunkte bezüglich der künftigen Arbeitsbedingungen klar sind, bewegt sich der Wechsel bei Angestellten jedoch im normalen Rahmen.»

Auch der Kanton klärt ab

Doch nicht nur die Anschlussgemeinden des Zweckverbands haben offene Fragen. Auch der Kanton tätigt derzeit Abklärungen. Dabei steht der Leistungsauftrag für die stationäre Rehabilitation im Zentrum. Denn grundsätzlich müssen Spitäler die in diesen Aufträgen vereinbarten Angebote selber erbringen – ein Delegieren an Dritte ist nur bei Nebenleistungen möglich. «Zurzeit klären wir ab, ob die unmittelbar nach einer Operation einsetzende Physiotherapie zu den Nebenleistungen oder zu den nicht delegierbaren Kernleistungen eines Akutspitals gehört», sagt Daniel Winter, Sprecher der Gesundheitsdirektion, auf Anfrage. Zwar sei man beim Kanton grundsätzlich offen für die Entwicklung neuer, zeitgemässer Versorgungsmodelle. Doch: «Die Kernleistungen eines Spitals sollen in der ausschliesslichen Verantwortung des Spitals liegen», so Winter. Ähnliche Modelle wie jenes des Spitals Limmattal seien im Kanton Zürich aktuell keine bekannt.