Ausstellung

«René Gubelmann und seine Kunst bedeuten viel für Dietikon»

René Gubelmann in seinem Atelier, das früher das Malergeschäft seines Vaters war.

René Gubelmann in seinem Atelier, das früher das Malergeschäft seines Vaters war.

Mit einer dreitägigen Ausstellung feiert René Gubelmann seinen 70. Geburtstag im Stadthaus.

René Gubelmann macht sich einen Spass daraus, wenn die Leute darüber rätseln, was «BPM70» bedeutet. Es ist der Titel seiner Ausstellung, die ab heute im Dietiker Stadthaus zu sehen ist. Die Zahl ist klar: Der Künstler feiert seinen runden Geburtstag. Bei «BPM» führt die naheliegende Erklärung jedoch auf die falsche Fährte: «Bilder, Plastiken und Musik sind damit nicht gemeint», sagt Gubelmann amüsiert. Die drei Buchstaben stehen für den Fachausdruck «Beats per minute»; die Masseinheit für Schläge in der Musik.

Gubelmann bestimmt den Takt seines Lebens. Es sind Rhythmen, die ihn als Schlagzeuger zur festen Grösse in der Musikszene machten. Sie eröffneten ihm aber auch die Möglichkeit, als Kunstmaler den Takt festzuhalten. «Früher stellte ich mir bisweilen die Frage: Bin ich Maler oder Schlagzeuger?» Das war einmal. Für Gubelmann sind beide Künste miteinander verbunden, stets blieb er ihnen treu. «Ich habe nie etwas anderes gemacht als Kunst.» Was in den 1960er-Jahren in der Kunstgewerbeschule und im Konservatorium Zürich begann, findet nun mit der Ausstellung einen neuen Höhepunkt.

Wildkatzen auf dem Kirchplatz

Rund siebzig Bilder und Plastiken von Gubelmann sind im Gemeinderatssaal zu sehen. Zu hören ist er selbstverständlich auch: Drei Konzerte mit seinen Formationen JazzQuadrat und Renés Trio stehen auf dem Programm. «Bei der Ausstellung handelt es sich aber um keine Retroperspektive, das kann man später machen, meinetwegen auch ohne mich.» Viel eher sieht er «BPM70» als Werkschau, die verschiedene Stationen seines Schaffens aufleben lässt. Drei seiner sogenannten «Spurenbilder» von 1991 sind auch zu sehen. Es handelt sich dabei um eine Zusammenarbeit mit dem Tierdompteur Jerry Wegmann sowie dessen Wildkatzen, die in einer aufsehenerregenden Aktion auf dem Dietiker Kirchplatz gipfelte: Die Raubtiere hinterliessen mit gefärbten Pfoten auf Leinwänden ihre Spuren. Diese interpretierte Gubelmann dann weiter.

Auf den ersten Blick haben diese Bilder wenig mit jenen Arbeiten gemein, für die Gubelmann heute bekannt ist. Diese Werke, seien es zwei- oder dreidimensionale, zeigen geometrische Formen in vielen Farben; es sind Abbilder seiner Musik, die die BPM-Frequenzen sichtbar machen. «Wenn ich Schlagzeug spiele, dann improvisiere ich, vergesse die Welt und es formieren sich Bilder in meinem Kopf.» Diese sind in seiner Vorstellung so deutlich, dass er penibel darauf achtet, dass die Umsetzung der Idee entspricht. Das funktioniert nicht immer: «Ich habe schon viel für den Papierkorb gearbeitet.» Die beiden Plastiken «Mezzoforte» und «Bossa Nova», beide im Jahr 2000 erstellt, durften bleiben. Ihr Name ist Programm: Sie machen Gubelmanns Arbeitsweise deutlich und werden ebenfalls ausgestellt.

Verbunden mit Dietikon

Die Kunst verführte Gubelmann nie dazu, Dietikon zu verlassen. «Natürlich bieten Städte wie Berlin, Paris oder nur schon Zürich einen idealeren Nährboden für Künstler», sagt er. Was sie aber nicht haben, ist sein Elternhaus, in dem er mit seiner Frau bis heute lebt. An der Vorstadtstrasse gelegen, führte sein Vater dort ein Malergeschäft. «Ich trommelte immer auf leeren Farbtöpfen herum. Meinen Eltern wurde also früh klar, welche Richtung ich einschlagen werde.»

Am selben Ort ist heute sein Atelier, das in den letzten Wochen zur Schaltzentrale wurde. «Die Ausstellung brachte viel Administration mit sich und die Kunst muss warten.» Ursprünglich wollte er seine Werke in den Reppischhallen zeigen, doch er entschied sich für den Gemeinderatssaal im Stadthaus, der kleiner und günstiger ist. Nicht zuletzt auch dank der Kulturkommission der Stadt, die auch Veranstalterin der Ausstellung ist und Gubelmann bereits vor zehn Jahren mit dem Kulturpreis bedachte.

«René Gubelmann und seine Kunst bedeuten viel für Dietikon», sagt Stadtrat Jean-Pierre Balbiani (SVP), der an der Vernissage das offizielle Grusswort hält. «Nicht nur, weil er hier viele Institutionen mit seiner Kunst bereicherte, wir konnten auch seine Entwicklung als Künstler in all den Jahren mitverfolgen.»

Eine Wertschätzung, die auch Ivo Frey teilt, ein enger Freund von Gubelmann, der die Rede halten wird. «René ist unheimlich vielseitig und die Ruhe und Präzision, mit der er arbeitet, ist faszinierend.» Persönlich schätzt er an seinem Freund auch dessen Selbstironie. «Es ist eine Art stiller Humor, die er aufblitzen lässt, wenn man länger mit ihm spricht.» Ein Charakterzug, den es an der Ausstellung in seiner Kunst zu entdecken gilt.

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