Zürich
Rekurs bremst neue Gymi-Prüfung: es bleiben die alten Regeln

Die Harmonisierung der Übertritte an die Zürcher Maturitätsschulen verzögert sich erneut.

Matthias Scharrer
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Alle Aufnahmeprüfungen finden im Schuljahr 2020/21 nach dem bisher geltenden Recht statt.

Alle Aufnahmeprüfungen finden im Schuljahr 2020/21 nach dem bisher geltenden Recht statt.

Keystone

Der Streit darum, wer zu welchen Bedingungen aufs Gymnasium darf, geht weiter: Eine ­Beschwerde beim Zürcher Ver­waltungsgericht bremst die geplante Vereinheitlichung der Aufnahmeprüfungen, wie die kantonale Bildungsdirektion am Dienstag mitteilte. Daher finden alle Aufnahmeprüfungen im Schuljahr 2020/21 nach dem bisher geltenden Recht statt, wie es weiter in der Mitteilung heisst.

Die vom Zürcher Kantonsrat vor fünf Jahren ausgelöste Reform der Gymi-Aufnahmeprüfung verzögert sich somit einmal mehr. Ursprünglich hatte das Parlament gefordert, dass für die Aufnahme ans Kurzgymnasium die Vornoten wieder zählen sollten. Der Regierungsrat machte daraus eine umfassende Reform der Aufnahmeprüfung.

«Bislang musste man je nach Schule wieder ein anderes Re­glement hervorholen. Künftig soll alles aus einem Guss sein», erklärt Niklaus Schatzmann, Chef des kantonalen Mittelschul- und Berufsschulamts, die Stoss­richtung.

Ob fürs Lang- oder Kurzgymnasium, die Fach-, Handels- oder Informatikmittelschule oder die Berufsmaturitätsschule – neu will der Regierungsrat überall Aufnahmeprüfungen nach weitgehend gleichen Regeln: Zur einen Hälfte würden die Vornoten und zur anderen Hälfte die Aufnahmeprüfung in Deutsch und Mathematik zählen. Doch schon in der Vernehmlassung zeigte sich: Der Teufel steckt im Detail. Die neue Aufnahmeprüfungsverordnung wurde in mehreren Punkten überarbeitet, was ihre Einführung laut Schatzmann schon einmal verzögerte.

«Das Potenzial ist wahrscheinlich erschöpft»

Bildung Tausende Schülerinnen und Schüler befinden sich im Endspurt der Gymi-Vorbereitung: Am 10. Februar ist Anmeldeschluss für die Zentrale Aufnahmeprüfung, am 9. März findet sie fürs Langzeitgymnasium statt, am 9. und 10. März fürs Kurzzeitgymi. Letztes Jahr nahmen im Kanton Zürich rund 7700 Schülerinnen und Schüler an den Aufnahmeprüfungen teil; 3500 bestanden sie. Ob diesmal mehr den Sprung ans Gymi wagen, ist laut Niklaus Schatzmann, Amtschef des kantonalen Mittelschul- und Berufsbildungsamts, noch offen. Es gelte, die definitiven Anmeldezahlen abzuwarten.

Insgesamt sei die Gymnasialquote im Kanton Zürich mit knapp 20 Prozent seit rund eineinhalb Jahrzehnten konstant. Dies, nachdem sie in den 1970er-, 80er- und 90er-Jahren anstieg und auch nach der Jahrtausendwende der Andrang ans Gymnasium gross war.

«Das Potenzial ist wahrscheinlich erschöpft», sagt Schatzmann. Die Anforderungen an Gymnasiasten seien hoch, sodass die Gymnasialquote kaum noch steigen dürfte. Anders sieht es bei den Schülerzahlen insgesamt aus: Das Bevölkerungswachstum macht sich auch hier bemerkbar. Der Kanton Zürich erstellt deshalb neue Gymnasien in Wädenswil Au und Uetikon am See. Zudem erweitert er die Kantonsschule Limmattal. Bis 2040 rechnet der Regierungsrat mit über 5000 zusätzlichen Gymnasiastinnen und Gymnasiasten. Heute besuchen gut 17000 Schülerinnen und Schüler die öffentlichen Mittelschulen im Kanton Zürich sowie rund 3000 die privaten Mittelschulen. (mts)

Auswirkungen der Beschwerde unterschätzt

Nun kommt es wegen der bereits letzten Sommer eingetroffenen Beschwerde ans Verwaltungsgericht erneut zu einer Verzögerung. «Wir hatten die Auswirkungen der Beschwerde unterschätzt», räumt Schatzmann ein. «Es tut mir leid, dass einige Lehrpersonen nun wieder umdisponieren müssen.»

Die Zeit drängt: Im Februar starten die ersten Schülerinnen und Schüler in den Schulen mit der Vorbereitung für die Aufnahmeprüfungen der Informatikmittelschulen; diese finden im Herbst statt. Für sie wäre das neue Reglement schon zur ­Anwendung gekommen. Doch angesichts der anhaltenden Rechtsunsicherheit zog die Bildungsdirektion nun die Notbremse.

Worum es inhaltlich bei der hängigen Beschwerde geht und wer dahinter steckt, ist unklar. Er könne dazu wegen des laufenden Verfahrens nichts sagen, so Schatzmann.

Auch zur Frage, wann das neue Prüfungsreglement denn nun voraussichtlich eingeführt werden könne, wagt der Amtschef keine Prognose. «So schnell wie möglich», sagt Schatzmann.

Mit dem neuen Reglement würden Französisch und Englisch als Aufnahmeprüfungs­fächer mancher Schulen wegfallen, ebenso die mündlichen Prüfungen und zum Teil die Vornoten.

Streit gab es in der Vernehmlassung zum neuen Reglement um mehrere Punkte; beispielsweise um die Aufnahmeprüfungsgebühren, deren Abschaffung der Regierungsrat schliesslich zurücknahm.

Umstritten war ausserdem die Absicht, aus dem Arbeits- und Lernverhalten Vornoten für die Aufnahmeprüfung heranzuziehen. Hier krebste die Regierung zurück, um allfälligen Rekursen wegen womöglich willkürlicher Vornoten vorzu- beugen.