Nun ist es endgültig: Der umstrittene kroatische Sänger Marko Perkovic alias «Thompson» darf nicht in Schlieren auftreten. Der Statthalter des Bezirks Dietikon hat einen Rekurs des Konzertveranstalters abgewiesen, wie die Stadt Schlieren gestern bekannt gab. Der Veranstalter «Cronight» hatte gegen das Konzertverbot, welches Schlieren verhängt hatte, Rekurs eingelegt. Der Widerstand gegen Thompson sei nicht nachvollziehbar und seine Texte, die teilweise als faschistisch kritisiert werden, müssten in einem «historischen Kontext» verstanden werden, lautete die Begründung des Veranstalters.

Der Schlieremer Sicherheitsvorsteher Pierre Dalcher (SVP) zeigte sich erleichtert über den Entscheid. «Ich bin froh, dass der Statthalter unserer Argumentation gefolgt ist und das öffentliche Interesse höher gewichtet hat als das private», sagte er auf Anfrage der Limmattaler Zeitung. «Das beruhigt mich sehr.» Die Stadt Schlieren hatte hauptsächlich damit argumentiert, dass das Konzert des Sängers, welches am 3. September in der Sporthalle Unterrohr hätte stattfinden sollen, eine Gefahr für die Sicherheit im öffentlichen Raum darstelle. Man wolle «die schöne Stimmung im multikulturellen Schlieren» nicht gefährden, so der Sicherheitsvorsteher. Ähnliche Befürchtungen hatten offensichtlich auch andere Schlieremer gehabt. «Es haben sich viele Leute bei uns gemeldet», so Dalcher. Sie hätten sich Sorgen gemacht, dass das Konzert für die Stadt einen Schaden anrichten könnte.

Juso gratulieren Schlieren

Auch die Jungsozialisten des Kantons Zürich reagierten erfreut. «Der Entscheid des Statthalters ist richtig», sagte Co-Präsidentin Nina Hüsser auf Anfrage. Es waren die Juso gewesen, die mit einem offenen Brief an den Schlieremer Stadtrat Mitte Juni das Thompson-Konzert erstmals in den medialen Fokus gebracht hatten. Darin hatten sie den Stadtrat aufgefordert, das Konzert abzusagen, weil es an Veranstaltungen des Sängers immer wieder zu faschistischen Manifestationen und Gewaltausschreitungen komme. «Wir haben ganz klar ein Problem mit den Botschaften, die Thompson verbreitet», so Hüsser. In einer gestern verschickten Medienmitteilung gratulieren die Zürcher Jungsozialisten der Stadt Schlieren «für ihren Mut, ein solches Konzert nicht zuzulassen». Die Juso seien «hocherfreut, dass nun definitiv klar ist, dass in unserer Gesellschaft rechtsextreme und gewaltverherrlichende Auftritte keinen Platz haben». Sie sei froh, sagte Hüsser, dass die Geschichte nun definitiv vom Tisch sei.

Dies stimmt zwar im Zusammenhang mit dem Konzert vom 3. September: Dieses ist mit dem abgewiesenen Rekurs endgültig abgesagt. Doch «Cronight» will den Entscheid des Statthalters trotzdem ans Verwaltungsgericht weiterziehen, wie ein Sprecher auf Anfrage bekannt gab. Notfalls sei man bereit, bis vor Bundesgericht zu gehen. «Es gibt keinen Grund, den Anlass zu verbieten», sagte er. «Wir haben genügend Beweise, dass Thompsons Konzerte harmlos sind und friedlich ablaufen.» Zuletzt habe man das im vergangenen Jahr in Freiburg erleben können, wo ein Auftritt des Sängers ohne jegliche Zwischenfälle über die Bühne gegangen sei.

Dass man nun Sicherheitsbedenken vorschiebe, sei «lächerlich», so der Veranstalter. «Wir konnten die Bedenken des Schlieremer Stadtrats in jedem einzelnen Punkt widerlegen.» Wieso das Konzert trotzdem verboten werde, sei nicht nachvollziehbar. «Cronight» will die Thompson-Fans heute auf Facebook darüber informieren, wie gekaufte Tickets für das Konzert vom 3. September zurückgegeben werden können. Man hoffe jedoch immer noch, dass die Veranstaltung zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden könne, so der Sprecher.

Zweiter Versuch gescheitert

Mit dem nun abgesagten Konzert ist bereits der zweite Versuch Thompsons gescheitert, im Limmattal aufzutreten. 2008 verbot der Dietiker Stadtrat einen Auftritt in der Stadthalle. Als der Sänger 2009 in Kriens singen wollte, verweigerte das Bundesamt für Polizei ihm gar die Einreise.