Noch ist es möglich, dass – wie es der Stadtrat im März ankündigt hat – bereits im Herbst mit den Bauarbeiten am Schlieremer Bahnhofplatz begonnen werden kann. Das sagt zumindest Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) auf Anfrage. Insgesamt seien acht Einwendungen gegen die geplante Begegnungszone eingegangen. Anfang Juli lief die Frist ab. Nun wird der Stadtrat bis Mitte August Stellung zu den eingegangenen Einwendungen beziehen, sie entweder ins Projekt einfliessen lassen oder nicht und dann anschliessend das Bauprojekt öffentlich auflegen, gegen welches rekurriert werden kann.

Noch bevor überhaupt feststand, dass die Stadt direkt vor dem Bahnhof auf der Güterstrasse zwischen Unterführung West und Engstringerbrücke eine Tempo-20-Zone – auch genannt Begegnungszone – erstellen will, war der Widerstand schon gross. Die Bahnhofanfahrt werde für Automobilisten aufgrund des Fussgängervortritts zum Spiessrutenlauf und das Gewerbegebiet Grabenstrasse weitgehend vom Verkehr abgeschnitten, monierten verschiedene Schlieremer Verbände. Zum Widerstand will sich Bärtschiger nicht äussern. Doch er sei optimistisch, was den weiteren Verlauf angehe, sagt er.

Widerstand ist ungebrochen

Wie sich nun zeigt, ist der Widerstand gegen eine Begegnungszone beim Bahnhof ungebrochen. Eine der acht Einwendungen dagegen reichte Philipp Locher, Präsident der Detaillistenvereinigung Pro Schlieren, gemeinsam mit dem Schlieremer Hauseigentümerverband, der Wirtschaftskammer und dem Gewerbeverein ein. Darin wird die Tempo-20-Zone als Gesamtes kritisiert. «Wir hoffen, dass der Stadtrat seine Kompetenzen abgibt und den Gemeinderat oder gar die Stimmbürger über das Regime am neuen Bahnhofsplatz bestimmen lässt», sagt Locher.

Beharre die Exekutive auf dem heutigen Projekt, werde man dagegen rekurrieren, kündigt Locher bereits jetzt an. Denn es handle sich schlichtweg um das falsche Projekt: «Nicht zuletzt, weil Gerüchte die Runde machen, dass die Post von der Uitikonerstrasse hinunter an die Güterstrasse in eines der beiden geplanten SBB-Gebäude ziehen will», sagt Locher. Geschehe dies tatsächlich, werde der Verkehr sicher zunehmen. Eine Begegnungszone sei deshalb ungeeignet.

Post-Sprecher Markus Flückiger bestätigt auf Anfrage der Limmattaler Zeitung, dass die Absicht bestehe, eine Lokalität an der Güterstrasse 10 zu beziehen. «Derzeit laufen diesbezüglich Abklärungen», sagt er.

Dabei verwies Bauvorstand Markus Bärtschiger stets darauf, dass im Zusammenhang mit den beiden SBB-Gebäuden ein gewisser Zeitdruck bestehe. Denn der Schlieremer Bahnhofsplatz gehört zu ähnlich grossen Teilen den SBB und der Stadt. Da die SBB bald mit den Umgebungsarbeiten rund um ihre beiden geplanten Neubauten starten wollen, muss auch die Stadt mit den Arbeiten beginnen. Zuerst müssen jedoch die gesetzlichen Rahmenbedingungen festgelegt werden. Denn die Entscheidung, welches Verkehrsregime später vorherrschen wird, hat auch bauliche Konsequenzen. Eine Begegnungszone verfügt beispielsweise über kein Trottoir und keine Fussgängerstreifen, da Fussgänger sowieso Vortritt haben.

Locher sagt: «Ich glaube nicht, dass der Zeitdruck derart gross ist.» Es sei besser, wenn die Gestaltung des Platzes zuerst demokratisch legitimiert sei.

Was geschieht mit den Taxis?

Etwas anderes kritisiert die SP-Gemeinderätin Jolanda Lionello. In einer kleinen Anfrage an den Stadtrat stellt sie fest, dass die Taxistandplätze am Bahnhof aufgehoben werden sollen. «Dies würde zu einer erheblichen Verschlechterung der Dienstleistung an älteren Menschen in Schlieren führen», schreibt sie und fordert, dass der Stadtrat eine gangbare Lösung präsentiert.