Schlieren
Reklamationen blieben nach Schalter-Umstellung aus

Seit Anfang September können Bahnkunden in Schlieren die bedienten Schalter nur noch von Montag bis Freitag nutzen. Am Wochenende bleiben sie geschlossen. Die Bilanz fällt durchzogen aus.

Florian Niedermann
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Zu wenige Passagiere nutzen heute noch die Billettschalter.fni

Zu wenige Passagiere nutzen heute noch die Billettschalter.fni

Als die SBB die Umstellung auf die Fünftagewoche kommunizierten, habe es vereinzelte negative Reaktionen gegeben, sagt Reto Schärli, Mediensprecher bei den SBB. «Sobald der Wechsel vollzogen war, erhielten wir keinerlei Reaktionen mehr.»

Grund für die Kürzung der Schalteröffnungszeiten war, dass der Bahnhof mit rund 10000 täglichen Ein- und Aussteigern nicht rentabel war. Dazu kommt, dass der Trend immer mehr in Richtung elektronischer Bezugsmöglichkeiten für Tickets geht. «Mehr als zwei Drittel der Reisenden lösen heute ihr Billett an einem Automaten, im Internet oder via Mobiltelefon. Das führt dazu, dass die Wirtschaftlichkeit der Verkaufsstellen sinkt», sagt Schärli. Mit der Schliessung der Schalter am Samstag können die SBB zwei Arbeitsschichten pro Woche einsparen. Im als Lehrlingsbetrieb deklarierten Bahnhof Schlieren war jeweils eine Lehrperson zusammen mit einem Coach im Einsatz.

Fast gleichzeitig mit der Ankündigung, dass die Schalteröffnungszeiten gekürzt werden, präsentierten die SBB im vergangenen Juli das Siegerprojekt eines Architekturwettbewerbs für die Arealentwicklung rund um den bestehenden Bahnhof. In den nächsten Jahren würden die Passagierströme in der Stadt ansteigen, erklärten die SBB damals. Deshalb glaube man an diesen Standort und würde ihn weiterentwickeln (Ausgabe vom 4. Juli). Dass die Pendlerströme wachsen, bedeute nicht zwingend, dass die Schalter künftig wieder am Wochenende geöffnet haben werden, so Schärli: «Sollte sich in Schlieren aufgrund des Bevölkerungswachstums der Trend aber wieder hin zum Schalter bewegen, würde die SBB die Situation genau prüfen.»

Eine kurze Umfrage am Bahnhof Schlieren zu den Vor- und Nachteilen von Automaten und bedienten Schaltern ergibt eine durchzogene Bilanz. «An den Automaten erhält man ein Billett auf dem schnellsten Weg», sagt etwa der in Urdorf wohnhafte Kellner Pilaj Raj. Auch Claudia Calbucci, Hausfrau aus Unterengstringen, stört die Umstellung auf die Fünftagewoche beim Bahnhof Schlieren nicht: «Ich erhalte alle Tickets, die ich brauche, auch auf dem elektronischen Weg.» Allerdings könne sie verstehen, dass ältere Leute die bedienten Schalter bevorzugen.

Ticket schon im Voraus kaufen

Dies bestätigt die 79-jährige Schlieremerin Annelise Waldstein: «Man muss regelmässig üben, um am Automaten ein Ticket innert nützlicher Frist kaufen zu können. Meist kaufe ich es im Voraus am Schalter, damit ich keinen Stress kriege.» Die 21-jährige Dietikerin Eliane Wigger sieht bei den Automaten ebenso Nachteile: «Auf vergünstigte Angebote wird man nur am Schalter hingewiesen. Am Automaten lösen viele Leute falsche Tickets. So etwa für Kinder, für die es ja eigene Billette gäbe.» Sie sei erst erschrocken, als sie von der Anpassung der Öffnungszeiten in Schlieren gehört habe. «Diese Strategie wird sich aber wohl längerfristig durchsetzen», so Wigger.