Uitikon
Regisseur inszeniert im Theater die Stadt Zürich im Jahre 1890

Die Waldegg-Bühne in Uitikon führte die Zuschauer mit Harry Sturzeneggers Interpretation vom Theaterstück «Pension Schöller» in die Vergangenheit. Der Innerschweizer Regisseur habe bewusst nach einem Klassiker gesucht.

Anina Gepp (Text und Foto)
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Waldegg-Bühne: Souveränes Spiel in historischen Kleidern.

Waldegg-Bühne: Souveränes Spiel in historischen Kleidern.

Anina Gepp

Aus eigener Erinnerung weiss heute niemand mehr, wie es sich in Zürich im Jahre 1890 lebte. Das Theaterstück «Pension Schöller» spielt zur Jahrhundertwende und gewährt einen Einblick in diese Zeit. Einst von Carl Laufs und Wilhelm Jaboby geschrieben, interpretiert Harry Sturzenegger das Stück für die Waldegg-Bühne Uitikon neu. Der Innerschweizer Regisseur arbeitet dieses Jahr das erste Mal mit der Theatergruppe zusammen. Am Samstagabend fand nach intensiver Probezeit die Premiere des Lustspiels «Pension Schöller» im Üdikerhuus statt.

Das Stück dreht sich um Philipp Klapproth, einen Gutsbesitzer aus Uitikon, der von Walter Müller gespielt wird. Er ist auf der Suche nach einem speziellen Erlebnis, mit dem er am Stammtisch angeben kann. So geht er nach Zürich und bittet seinen Neffen Alfred, ihm eine Heilanstalt für Geisteskranke von innen zu zeigen.

Da es in Zürich aber keine Irrenanstalt gibt, lässt sich Alfred sich eine Notlüge einfallen. Er führt seinen Onkel zu einem Gesellschaftsabend in der Pension Schöller. Da Philipp mit Vorurteilen anreist, sieht er in jedem normalen Bewohner einen Irren. Der Plan scheint gut zu laufen, bis die vermeintlichen Irren Philipp zu Hause besuchen.

Lange Suche nach Kostümen

Die perfekte Inszenierung der damaligen Zeit war Sturzenegger für die Aufführung mindestens so wichtig wie die Dialoge selbst. Deshalb beschäftigte sich der Regisseur auch ausgiebig mit der Mode des 19. Jahrhunderts. Bodenlange Kleider mit ausgestellten Unterröcken und aufwendige Hochsteckfrisuren trugen die Frauen. Die Männermode hingegen gab knielange Jacketts und zylinderförmige Hüte vor.

Getreu dieser Mode schlüpften die elf Schauspieler der Waldegg-Bühne für die Theateraufführung in solche Kostüme. Die Suche nach ihnen gestaltete sich aufwendig. «Wir reisten nach Luzern und Winterthur und durchstöberten stundenlang Kleiderstangen um Kleiderstangen der Theaterfundus», sagt Sturzenegger.

Das Resultat überzeugte. Kaum ging der Vorhang auf, wähnten sich die Zuschauer in einer längst vergangenen Zeit.

Nie unter der Gürtellinie

«Die Zusammenarbeit mit der Waldegg-Bühne hat von Beginn an harmoniert», sagt Sturzenegger. Er liebe dieses Stück, da man mit Niveau lachen könne. Auch für Schauspieler und Präsident der Waldegg-Bühne Walter Müller, würde ein Theater unter der Gürtellinie nicht infrage kommen. «Wir haben bewusst nach einem Klassiker gesucht», sagt er. Selten habe er wie an diesem Abend erlebt, dass die Lacher im Publikum die Stimmen der Schauspieler übertönten, sagt Müller.

Die 85-jährige Mari Schrutt aus Uitikon ist der Meinung, die Schauspieler hätten souverän gespielt. «Ich bin jedoch etwas verwöhnt von den Theatern im bayerischen Fernsehen und finde die Darbietung dort noch einen Tick besser», sagt sie.

Weitere Aufführungen am 11., 14., 15., 19. und 22. März, 20 Uhr, Üdiker-Huus.