Unter den rentabelsten 40 Linien des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) führen gleich deren fünf durch das Limmattal. Dies zeigt eine detaillierte Auflistung des Kostendeckungsrads aller öV-Linien auf ZVV-Gebiet, die der Kanton gestern veröffentlichte. Darin finden sich alle rund 400 öV-Verbindungen.

Mit einem Kostendeckungsgrad von knapp 176 Prozent ist die N2 die rentabelste Verbindung der Region und kommt auf dem gesamten ZVV-Netz auf den siebten Rang. Die Nachtlinie führt an Wochenenden vom Stadtzürcher Bellevue zum Schlieremer Zentrum.

ZVV Bus S-Bahn

Die Kosten für den Betrieb in der Höhe von 138 000 Franken werden von einem Ertrag in der Höhe von 243 000 Franken überflügelt. Den achten Platz im ZVV-Netz und dem zweiten Platz der Region bekleidet die Linie N4. Sie ist ebenfalls eine Nachtlinie und fährt vom Bellevue nach Unterengstringen Sennebüel. Nummer eins des ganzen ZVV-Gebiets ist die N68 zwischen Winterthur und Wila. Sie erreicht einen Deckungsgrad von 290 Prozent.

Die Nachtlinien weisen die höchste Rentabilität des ZVV-Netzes auf, weil sie per Gesetz nicht defizitär geführt werden dürfen. Ihre Nutzung erfordert zum Fahrticketpreis daher auch einen Nachtzuschlag von fünf Franken. Unter den 20 erfolgreichsten Linien sind deren 17 Nachtlinien, die jeweils von Freitagen auf Samstage und von Samstagen auf Sonntage unterwegs sind.

Die S12, die zwischen Winterthur Seen und dem Hauptbahnhof Zürich verkehrt, ist die einträglichste S-Bahn-Linie des ZVV. Mit totalen Kosten von gut 30,5 Millionen Franken und Erträgen von 35,8 Millionen Franken ergibt sich ein Deckungsgrad von 118 Prozent – Platz 16 auf dem gesamten Netz.

Die Buslinie 31 zwischen Schlieren und Hegibachplatz ist die meistgenutzte Buslinie der Region: Sie kommt auf einen Wert von 89 Prozent. Lediglich zu knapp 20 Prozent kann sich die Buslinie 307, die den Schlieremer und den Altstetter Bahnhof via Gaswerk verbindet, selber finanzieren.

Bei Kosten von gut 690 000 Franken spült sie einen Ertrag von gut 138 000 Franken in die Kassen, was zu einem Minus von knapp 560 000 Franken führt. Knapp erfolgreicher ist die Buslinie 201 zwischen Uitikon Waldegg und Uitikon Wängi: Sie weist mit Kosten von 660 000 Franken und einem Ertrag von knapp 180 000 Franken einen Deckungsgrad in der Höhe von 27,4 Prozent auf.

Immerhin auf einen Deckungsgrad von genau 30 Prozent schafft es die drittunrentabelste Linie der Region – die Buslinie 305. Sie verkehrt zwischen dem Dietiker Bahnhof und Bergdietikon.

Es sollten 65 Prozent sein

Grund für die Auflistung ist eine dringliche Anfrage der Kantonsräte Ruedi Lais (SP/Wallisellen), Robert Brunner (Grüne/Steinmaur) und Barbara Schaffner (GLP/Otelfingen). Sie begründeten dies mit der ZVV-Strategie 2018 bis 2021 sowie mit der Leistungsüberprüfung 2016. Bei beiden Geschäften diene der Kostendeckungsgrad als wichtige Entscheidungsgrundlage. In der gestern veröffentlichten Liste bedient sich der Regierungsrat der Zahlen aus dem Betriebsjahr 2013.

Erst im vergangenen Juli liess der Regierungsrat verlauten, dass das ZVV-Defizit für die Jahre 2016 und 2017 stabil bleibe. So wird für 2016 ein Minus von 353 Millionen Franken und für das kommende Jahr eines in der Höhe von 359 Millionen Franken erwartet. Dieses Minus wird je zur Hälfte vom Kanton und von den Gemeinden getragen.

Müssen sich die Nutzer der Linien mit geringem Deckungsgrad nun sorgen, dass ihr Bus oder ihre S-Bahn dereinst verschwindet? «Ja, das müssen sie», sagt Anfragesteller Lais. «Im Rahmen der Leistungsüberprüfung des Kantons sollen beim öffentlichen Verkehr ab 2019 jährlich 134 Millionen Franken gespart werden.

Mit der Anfrage ist nun klar, dass Abstriche im ländlichen Raum gemacht werden müssten, wo der angestrebte kantonale Wert von 65 Prozent bei weitem nicht erreicht werden kann. Die SP will das nicht. Die Befürworter der Sparpläne müssen dies jedoch ihren Wählern erklären.»