Trockenheit
Regionale Bauern dürfen Wasser aus der Limmat entnehmen

Fällt am Wochenende kein Regen, werden einige Bauern die kommunale Wasserversorgung anzapfen müssen. Dass der Kanton den Zugang zum Limmatwasser vereinfacht, stösst bislang aber auf wenig Resonanz.

Alex Rudolf
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Bei langer Trockenzeit müssen erst Kartoffel- und Gemüsefelder bewässert werden. Zuckerrüben kommen länger ohne Wasser aus.

Bei langer Trockenzeit müssen erst Kartoffel- und Gemüsefelder bewässert werden. Zuckerrüben kommen länger ohne Wasser aus.

Walter Schwager

Seit Donnerstag dürfen Zürcher Gemeinden landwirtschaftlichen Betrieben erlauben, Wasser aus grossen Gewässern zu entnehmen. Dies teilte das Awel, das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft, mit. Die anhaltendende Trockenperiode habe zu einer steigenden Zahl von Gesuchen für die Bewässerung von landwirtschaftlichen Kulturen geführt, heisst es in der Mitteilung weiter. Damit diese so rasch wie möglich behandelt werden können, können nun die Gemeinden die Wasserentnahmen bei sogenannten leistungsstarken Gewässern bewilligen. Dabei handelt es sich um den Zürich-, den Greifen- und den Pfäffikersee, sowie den Rhein, die Thur, die Sihl, die Reuss, die Glatt, Teile der Töss – und die Limmat.

Kanton sieht noch kein Feuerverbot vor

Wegen der ungewöhnlichen Trockenheit ist besondere Vorsicht geboten beim Feuern im Freien. Ein Feuerverbot ist im Kanton Zürich jedoch zurzeit nicht vorgesehen. Die Gefahr von Flur- oder Waldbränden ist besonders gross an sonnigen Waldrändern, an lichten Stellen im Wald sowie an Südhängen und windexponierten Lagen. Trockene Gräser und Laub können schnell in Brand geraten. Daher sollten Feuer nur in befestigten Feuerstellen entfacht, gut überwacht und anschliessend mit Wasser gelöscht werden, wie die kantonale Baudirektion gestern mitteilte. Raucherwaren und Zündhölzer dürfen nicht weggeworfen werden. (SDA)

Zehn bis zwanzig Gesuche

Bislang bedient sich nur ein Bruchteil der Zürcher Landwirte am Wasser der genannten Flüsse und Seen. Gerhard Stutz, Leiter Wasserbau beim Awel, weiss aus Erfahrung, dass in den Gemeinden lediglich zehn bis zwanzig temporäre Konzessionen erteilt wurden. Bei kleineren Gewässern würden einige feste Konzessionen zur Wassernutzung vergeben, weitere seien jedoch nicht vorgesehen. Im Kanton Aargau teilte das Departement Bau, Verkehr und Umwelt gestern mit, dass aufgrund der Trockenheit die Wasserentnahme aus kleineren und mittelgrossen Bächen verboten wurde. Ohne Niederschläge in den kommenden Tagen müsse dieses Verbot auch auf grosse Bäche ausgeweitet werden. Sonst würden die Lebewesen in den Gewässern gefährdet. Für Zürcher Kleingewässer ist laut Stutz kein gänzliches Verbot geplant.

Kein Gesuch aus dem Bezirk

Wie die Nachfrage bei Limmattaler Gemeinde- und Stadtverwaltungen ergeben hat, ist bislang noch kein Gesuch für die Entnahme von Limmatwasser eingegangen. Der Ackerbaustellenleiter für Dietikon, Geroldswil und Oetwil, Erich Keller, hält die vorliegende Massnahme des Awels aber für gut. «Wir haben derzeit eine absolute Trockenperiode. Bewässern wir die Felder nicht bald, dann wird die Situation prekär», sagt er. Am dringendsten müssten die Kartoffel- und Gemüsekulturen bewässert werden. Zuckerrüben und Mais würden hingegen längere Zeitperioden ohne Wasser auskommen.

Das Abzapfen der Limmat bringe den meisten Dietiker Bauern jedoch wenig. «Da wir durch den Güterbahnhof von der Limmat abgeschottet sind, müssen wir bei grosser Trockenheit auf die städtischen Wasserreserven zurückgreifen.» Eine Wasserleitung unter dem Gleisfeld hindurch fehle für die Landwirte bisher. Bringe das kommende Wochenende keine Regenfälle, dann würden die ersten Bauern bei der Stadt ein Bewässerungsgesuch stellen, ergänzt Keller. Werner von Holzen, Leiter der Dietiker Wasserwerke, ist auf den Eingang der Gesuche vorbereitet, wie er auf Anfrage sagt.

Regen am Wochenende

Armin Troxler bewirtschaftet die Landwirtschaftsfläche zwischen Mutschellenstrasse und Limmat an der Dietiker Grenze zu Oetwil. Er hat bereits ein noch vom Kanton ausgestelltes Wasserentnahmepatent. «Dieses habe ich während der aktuellen Trockenperiode noch nicht in Anspruch genommen», so Troxler. Doch werde er in den kommenden Wochen Gemüse anbauen und dieses mit Limmatwasser bewässern.

Möglich, dass Troxler ab dem kommenden Wochenende auf das Limmatwasser verzichten kann. Laut Meteo Schweiz sollen im Kanton Zürich vermehrt Regenschauer auftreten. Gerhard Stutz vom Awel zweifelt jedoch daran, ob dies die Lage nachhaltig zu entspannen vermag.