Dietikon
Regierungsrat setzt Ikea-Gestaltungsplan definitiv ausser Kraft

Der Dietiker Stadtrat hat alles daran gesetzt, im Entwicklungsgebiet Niderfeld Herr der Lage zu bleiben. Das ist ihm gelungen: Der Zürcher Regierungsrat hat die Aufhebung des Ikea-Gestaltungsplans Bodacher genehmigt.

Jürg Krebs
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Im Dietiker Bodacher entsteht (vorerst) kein Megacenter. jk

Im Dietiker Bodacher entsteht (vorerst) kein Megacenter. jk

Limmattaler Zeitung

Dies bestätigt Dietikons Stadtpräsident Otto Müller auf Anfrage. Es ist laut Müller ein bedeutender Entscheid, den die Kantonsregierung gefällt hat: Denn nun ist der Weg frei für eine eigentliche Entwicklungsstrategie für das gesamte Niderfeld.

Im letzten September hatte das Stadtparlament auf Antrag des Stadtrats den Gestaltungsplan Bodacher aufgehoben. Das Gebiet Bodacher liegt in der westlichen Ecke des 40 Hektaren grossen Niderfelds. Der Gestaltungsplan war im Juni 2002 vom Dietiker Stimmvolk angenommen worden. Er war auf die Bedürfnisse des Möbelhauses Ikea zugeschnitten, das damals seinen Hauptsitz von Spreitenbach nach Dietikon verlegen wollte.

Doch Ikea kam bekanntlich nicht, baute seinen Fachmarkt westlich der Mutschellenstrasse. Dietikons Stadtrat stand mit einem Gestaltungsplan da, der sich in der Folge als Erblast entpuppen sollte.

Projekt nicht willkommen

Im März 2009 nämlich wurde bekannt, dass der Migros-Genossenschaftsbund als neuer Miteigentümer des Gebiets zusammen mit Jelmoli und der Totalunternehmerin HRS im Bodacher ein Megaprojekt plant: Ein riesiges Einrichtungs- und Fachmarktcenter. Ein Komplex mit 80 000 Quadratmetern Nutz- und 60 000 Quadratmetern Verkaufsfläche sowie 800 Parkplätzen. Die Kosten: 250 Millionen Franken. Grundlage des Bauvorhabens war der Ikea-Gestaltungsplan.

Anders als damals bei Ikea erklärte der Stadtrat der Bauherrschaft, dass das Projekt in Dietikon nicht willkommen sei, dass die Stadt juristisch dagegen vorgehen werde, denn der Gestaltungsplan Bodacher sei allein für die Ikea gültig. Nicht einmal die angekündigten 1000 Arbeitsplätze stimmten den Stadtrat gnädig. Er hatte mittlerweile andere Pläne für den Bodacher, ja fürs ganze Niderfeld.

Seit 2002 ist nicht nur Zeit vergangen, der Stadtrat hat eine strategische Kehrtwende vollzogen. Die Ansiedlung der Ikea war das Prestigeprojekt der neu geschaffenen städtischen Wirtschaftsförderungsstelle und sollte nicht zuletzt zusätzliche Steuereinnahmen generieren. Inzwischen werden Projekte kritischer begutachtet, wenn sie viel Verkehr generieren. Denn der Stadtrat weiss: Zu viel (Strassen-)Verkehr gefährdet seine Pläne für das Niderfeld.

«Stadtteil mit Modellcharakter»

Ein moderner Stadtteil soll dort entstehen, mit Wohnungen für 2000 Menschen und Raum für 3000 qualitativ hochstehende Arbeitsplätze. Der Gestaltungsplan Ikea torpedierte diese Planung, wäre ein Fremdkörper in einem Gesamtkonzept. «Für etwas anderes geben wir keinen Quadratmeter», hatte Stadtpräsident Müller schon im September 2007 mit Blick auf den Stadtteil Niderfeld verlauten lassen.

Deshalb beantragte Müller dem Stadtparlament auch die Aufhebung des Ikea-Gestaltungsplans. Als der Entscheid im September 2010 gefallen war, wurde laut Müller kein Rechtsmittel gegen den Entscheid erhoben. Mit anderen Worten: Migros, Jelmoli und HRS lenkten ein.

Nun ist der Weg frei für eine Entwicklungsstrategie. Es wird neue Gestaltungs- und Quartierpläne geben.

Offen bleibt, ob Migros, Jelmoli und HRS im neuen Kontext ein anderes Projekt präsentieren wollen. Eine entsprechende Anfrage beim Migros-Genossenschaftsbund konnte gestern noch nicht beantwortet werden.

Stadtpräsident Otto Müller freut sich mit gutem Grund: Die Chancen für einen «Stadtteil mit Modellcharakter» im Niderfeld sind wieder intakt.