Interview
Regierungsrat Ernst Stocker: «Ich bin nicht der Einzige, der die Geduld verliert»

Der Kanton drängt auf einen raschen Ausbau des Gubrist-Tunnels. Eine Verlegung des Halbanschlusses sowie eine Aufhebung sollen ausserdem überprüft werden. Regierungsrat Ernst Stocker nimmt Stellung zu diesen jüngsten Entscheidungen.

Bettina Hamilton-Irvine
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Der Vorsteher der Zürcher Volkswirtschaftsdirektion ist seit 2010 Mitglied des Regierungsrats.

Der Vorsteher der Zürcher Volkswirtschaftsdirektion ist seit 2010 Mitglied des Regierungsrats.

zvg

Herr Stocker, wieso drängt der Kanton gerade jetzt wieder auf einen raschen Ausbau der Nordumfahrung?

Ernst Stocker: Weil das Bundesgericht den Halbanschluss Weiningen plötzlich generell infrage stellt. Davon ist der Kanton Zürich direkt betroffen. Denn eine Aufhebung des Anschlusses würde den Ausbau der Nordumfahrung weiter verzögern und zu einer massiven Verkehrsverlagerung in die Dörfer des Limmattals und nach Zürich führen. Das ist inakzeptabel.

Aber es will ja gar niemand auf den Autobahnanschluss verzichten. Ist eine Aufhebung nicht illusorisch?

Das Bundesgericht kam zum Schluss, dass man eine Aufhebung prüfen soll. Ich glaube aber nicht, dass er aufgehoben wird. Trotzdem liegt es mir am Herzen, dass sich der Kanton Zürich entschieden gegen eine Aufhebung stellt. Man muss sich nun endlich auf das Wesentliche konzentrieren und eine Lösung für die Probleme an diesem grössten Verkehrsknotenpunkt der Schweiz finden. Es fehlt mir das Verständnis dafür, dass das Bundesgericht nun wieder neue verkehrspolitische Optionen ins Spiel bringt.

Sie schlagen eine Etappierung der Ausbauarbeiten an der Nordumfahrung vor. Wie realistisch ist das?

Wir können es uns nicht mehr leisten, jahrelang auf den Ausbau zu warten und nach jeder kleinen Veränderung wieder von vorne anzufangen. Ich sehe nicht ein, wieso man nicht mit den Arbeiten am Tunnel beginnen kann. Das wäre ein Signal: Jetzt geht hier endlich etwas.

Das Astra sagt, man könne nicht anfangen, einen Tunnel zu bauen, bevor die Anschlüsse gesichert seien.

Als Zürcher Regierungsrat und Verkehrsminister fordere ich alle Beteiligten auf, endlich lösungsorientiert zu arbeiten und eine gewisse Flexibilität zu zeigen.

Wenn man nun anfängt, den Tunnel zu bauen, bevor alle Details geklärt sind: Gefährdet man damit nicht die Portalüberdeckung?

Die Überdeckung ist gar nicht mehr Thema, da haben wir – Bund, Kanton, Gemeinde – ja eine Lösung gefunden.

Aber das Bundesgericht lässt wieder eine Diskussion über die Länge der Überdeckung zu.

Ich kann nicht nachvollziehen, dass man auch hier wieder neue Fragen ins Spiel bringt und Verzögerungen riskiert, nachdem man jahrelang um eine Lösung gerungen hat. Das geht einfach nicht.

Sie verlieren langsam die Geduld?

Da bin ich nicht der Einzige. Der ganze Kanton und alle, die täglich unter dem Stau am Gubrist leiden, verlieren die Geduld.

Wann soll die Nordumfahrung spätestens ausgebaut sein?

Es darf nicht länger dauern als jetzt geplant, also etwa 2022 oder 2024 – was bereits deutlich später als ursprünglich geplant ist. Dass es noch zehn Jahre dauern soll, kann man der Bevölkerung schon jetzt kaum mehr erklären. Weitere Verzögerungen wird niemand mehr verstehen.