Limmattalbahn
Regierung soll Anbindung ans Tramnetz prüfen

Eine Diskussion für oder gegen die Limmattalbahn war sie nicht, die gestrige Debatte im Kantonsrat. Im Gegenteil: Von links bis rechts herrschte fast gespenstische Einigkeit darüber, dass das Bahnprojekt der Region einen grossen Nutzen bringen wird.

Michael Rüegg
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Tina Sturzenegger

Zu reden gab aber die künftige Schnittstelle zwischen der Limmattalbahn und dem städtischen öV-Netz.

«Etwas Gescheites machen»

Im Oktober 2010 hatten die CVP-Kantonsräte Christoph Holenstein (Zürich) und Josef Wiederkehr (Dietikon) ein Postulat eingereicht, das eine bessere Verknüpfung der Limmattalbahn mit dem VBZ-Netz verlangt. Gemäss der damaligen – und noch aktuellen Planung – sollte die Endhaltestelle der neuen Linie beim Bahnhof Altstetten liegen. Für Wiederkehr ist dieser als Umsteigeort nicht ideal: «Gebiete mit hohem Entwicklungspotenzial müssen durch die Limmattalbahn selber oder mittels optimaler Anbindung ans Tramnetz verknüpft werden», so der Dietiker Kantonsrat. «Die Limmat beginnt nicht in Altstetten, sondern in der Zürcher Innenstadt», hatte er in seiner Begründung des Vorstosses geschrieben.

Unterstützung erhielt das Anliegen von den Grünen und der SP. Andreas Wolf (Grüne, Dietikon) erinnerte daran, dass auch die Forchbahn bis Stadelhofen fährt und nicht am Stadtrand endet. Einer Verlängerung der Limmattalbahn bis in die Innenstadt wie bei der Linie 10 der Glattalbahn will zwar auch Wolf nicht unterstützen. «Aber eine Linienführung bis zum Hardplatz würde etwa die Anbindung ans 8er-Tram und somit an Zürich-West gewährleisten.»

Rosmarie Joss (SP, Dietikon) erinnerte daran, dass das Limmattal durch Auto-, Bahn- und Flugverkehr bereits stark belastet sei. «Die Limmattalbahn muss für die Limmattaler geplant werden, nicht zu ihren Lasten», sagte sie: «Wenn man eine Stange Geld ausgibt, sollte man damit etwas Gescheites machen.»

Andreas Geistlich (FDP, Schlieren) sprach von zahlreichen «Unannehmlichkeiten», die die Limmattalbahn mit sich bringen werde, etwa Land, das von privaten Besitzern beansprucht werde. «Wenn man diesen Nachteilen einen Nutzen gegenüberstellen will, ist die optimale Anbindung an den städtischen öV ein wichtiges Argument», so Geistlich.

Zu reden gaben die unlängst von der VBZ kommunizierten Pläne, die Tramlinie 2 künftig via Bahnhof Altstetten bis Schlieren zu führen. Geistlich kritisierte, dass dadurch eine neue Wendeschlaufe in Schlieren gebaut werden müsse. «Da wurde über unsere Köpfe hinweg ein Paket geschnürt», sagte er.

Die SVP wollte ihre Ablehnung von Wiederkehrs Postulat nicht als Votum gegen die Bahn verstanden haben. Hanspeter Haug (Weiningen) fand es etwa durchaus sinnvoll, wenn Limmattalbahn und Trams aufeinander abgestimmt seien. Roland Scheck (Zürich) ergänzte, dass mit dem Umsteigepunkt Altstetten genau dies erreicht werde: «Dort haben wir zwei Tramlinien, sechs Busse und die S-Bahn», so Scheck. Der Unterengstringer Willi Haderer attestierte dem Anliegen zwar, «nicht unvernünftig» zu sein. Es komme jedoch zum falschen Zeitpunkt.

Ausgangslage hat sich geändert

Grünliberale, EVP und EDU schlugen sich im Laufe der Debatte auf die Seite der Befürworter, die BDP signalisierte Ablehnung. Damit war die Schlacht gewonnen.

Der Regierungsrat hatte schon vor über zwei Jahren angedeutet, das Postulat annehmen zu wollen und Varianten zu prüfen. Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker (SVP) führte jedoch aus, dass sich seither die Ausgangslage verändert habe. «Die Linienführung ist geregelt», so Stocker. Endstation für Limmattaler sei der Bahnhof Altstetten, darauf habe er sich mit den Vertretern der Stadtzürcher Regierung geeinigt. Der Regierungsrat sei zwar nach wie vor bereit, das Postulat entgegenzunehmen, aber die Entscheide seien an sich gefällt worden.

Limmattal soll weniger stänkern

Aus dem Limmattal wünschte sich Stocker weniger Kritik am Bahnprojekt: «Dort stimmt es nicht, da stimmt es nicht – allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann», so der Zürcher Verkehrsminister. «Wir müssen jetzt vorwärtsmachen und beim Bund Konzessionsgesuche stellen», sonst fahre die Bahn 2020 nicht, so Stocker.

Mit 112 zu 57 Stimmen überwies der Rat den Vorstoss an die Regierung. Diese muss nun einen Bericht vorlegen, wie die Schnittstelle zwischen Limmattalbahn und VBZ-Netz aussehen könnte.