Pilzliebhaber dürfen auch künftig vom ersten bis zum zehnten Tag des Monats nicht durch die Wälder streifen, um ihre Körbe zu füllen. Der Zürcher Regierungsrat setzt beim Pilzschutz weiterhin auf Schontage und will nicht auf Biotopschutzmassnahmen in Waldgebieten umsatteln, wie dies der Dietiker Kantonsrat Andreas Wolf (Grüne) und zwei Mitunterzeichnende in einem Postulat forderten (siehe Ausgabe vom 15. Oktober). Der Biotopschutz würde das Sammeln in als schützenswert eingestuften Gebieten verbieten.

Wolf, der auch Präsident des Pilzvereins Dietikon ist, begründete seine Forderung damit, dass «mehrere repräsentative wissenschaftliche Studien» zum Schluss gekommen seien, dass solche Schutzmassnahmen «für Pilze wirksamer sind, als das Festlegen von Schontagen». Vor allem zum Erhalt der Pilzbiodiversität sei der Biotopschutz von besonderer Bedeutung. Die Mengenbeschränkung von einem Kilogramm pro Tag und Person sei «aufgrund des hohen Sammeldrucks in den Städten und Agglomerationen» aber beizubehalten.

«Schonzeit ist zweckmässig»

Der Regierungsrat stellt sich in seiner Antwort auf den Standpunkt, dass im Ballungsraum Zürich eine «Beschränkung der Sammelzeit zur Schonung von Flora und Fauna zweckmässig» sei. Bereits heute seien im Kanton ausserhalb des Waldes viele besonders artenreiche Lebensräume, wie Hochmoore oder Magerwiesen als Naturschutzgebiete bezeichnet und mit einem Betretverbot belegt.

Von flächendeckenden Biotopschutzmassnahmen in den Zürcher Wäldern will der Regierungsrat aber absehen. Es erscheine fraglich, ob im ganzen Kanton die nötigen Kenntnisse über «die Artverbreitung und die ökologischen Ansprüche gefährdeter Pilzarten für die sachgerechte Bezeichnung solcher Gebiete ausreichend vorhanden» seien, schreibt der Regierungsrat: «Zudem wären für die Umsetzung entsprechender Massnahmen zusätzliche finanzielle und personelle Mittel nötig.» In ihrer Begründung verweist die Kantonsregierung auch auf ein Merkblatt zum Pilzschutz, dass die Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) mit Sitz in Birmensdorf 2012 publiziert hat. Darin hielten die Autoren fest, dass Schontage «aus naturschützerischer Sicht sehr wohl zu begründen» seien.

Experten setzen auf Biotopschutz

WSL-Pilzexperte Simon Egli bestätigt zwar auf Anfrage, dass Schontage aus Überlegungen des allgemeinen Naturschutzes Sinn machen, auf die Pilze bezogen würden sie aber wenig bringen: «Die wissenschaftliche Forschung zeigt, dass man alle Pilze in einem bestimmten Gebiet über Jahrzehnte vollständig einsammeln kann und der Pilzbestand deswegen nicht abnimmt.» Viel drastischer seien aus Sicht der Pilze hingegen biotopische Störungen, so Egli: «Wenn ein Wachstumsgebiet etwa wegfällt, so verschwinden mit ihm auch einzelne Pilzarten.»

Die Wissenschaft erachtet daher Biotopschutzmassnahmen als die geeignetere Möglichkeit, Pilze wirksam zu schützen. Gewichtsbedingte Sammelbeschränkungen helfen dabei laut Egli nichts: «Sinnvoll sind solche Beschränkungen lediglich deshalb, weil die Gesamtmenge der vorhandenen Pilze auf mehr Sammler verteilt wird.»

Dem Argument der Regierung, es sei zu wenig Wissen, Personal und Zeit vorhanden, um im ganzen Kanton Biotopschutzmassnahmen umzusetzen, pflichtet Egli teilweise bei: «Man weiss im Kanton Zürich relativ wenig über die Verbreitung der Pilze.» In Zusammenarbeit mit Pilzvereinen liessen sich schützenswerte Biotope inventarisieren und solche Massnahmen umsetzen, glaubt er. «Nur ist dazu Zeit und Arbeit nötig.» Postulant Wolf war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.