Kirche
Reformierte von Oberengstringen müssen sich entscheiden

Anfang 2019 werden sich die reformierten Kirchgemeinden der Stadt Zürich zu einer einzigen vereinen. Am 25. Oktober stimmen die Oberengstringer Reformierten über ein Beitrittsgesuch ab.

David Hunziker
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Ohne Geld aus dem Zürcher Kirchgemeindeverband würde es sie nicht geben: Die reformierte Kirche von Oberengstringen.

Ohne Geld aus dem Zürcher Kirchgemeindeverband würde es sie nicht geben: Die reformierte Kirche von Oberengstringen.

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Seit ihrer Gründung ist die reformierte Kirchgemeinde von Oberengstringen ein Sonderfall. Jahrhundertelang pilgerten die Oberengstringer Reformierten nach Höngg in die Kirche – der Kirchweg erinnert heute noch daran. Als nach dem Zweiten Weltkrieg immer mehr Menschen nach Oberengstringen zogen, fand ein schrittweiser Ablösungsprozess von Höngg statt, das mittlerweile in die Stadt Zürich eingemeindet worden war: 1951 bekam die Limmattaler Gemeinde ein eigenes Kirchgemeindehaus und einen eigenen Pfarrer, 1977 entstand mit der Trennung von Höngg eine eigene Kirchgemeinde und 1984 wurde die eigene Kirche am Dorfplatz eingeweiht.

Nur teilweise autonom

Ganz löste sich Oberengstringen jedoch nie von Zürich, was den heutigen Sonderstatus der Kirchgemeinde erklärt. Bei der Trennung von Höngg im Jahr 1977 verblieb Oberengstringen als 34. Gemeinde und als einzige ausserhalb des Stadtgebiets im Zürcher Verband. Damit erhielt es als einziges Mitglied die Möglichkeit, zu einem späteren Zeitpunkt wieder auszutreten.

Diese Möglichkeit gibt in Oberengstringen nun wieder zu reden. Seit die Stadtzürcher Reformierten im Jahr 2014 beschlossen haben, den Stadtverband auf den 1. Januar 2019 durch eine einzige Kirchgemeinde zu ersetzen, stellt sich die Frage nach dem Verbleib bei den Zürchern. Weil Oberengstringen nicht auf dem Gebiet der Stadt liegt, verlangen die Zürcher einen Beschluss der Kirchgemeindeversammlung über den Beitritt zur neuen Einheitsgemeinde. Kommt dieser nicht zustande, steht Oberengstringen 2019 alleine da.

Claudia Trüb, Präsidentin der reformierten Kirchenpflege Oberengstringen, ist überzeugt, dass ein Alleingang der Oberengstringer Reformierten nicht mehr möglich wäre. Auch in Oberengstringen verliert die Kirche Mitglieder und damit Einnahmen aus der Kirchensteuer. Der Anteil der Reformierten an der Bevölkerung der Gemeinde ist von 46 Prozent im Jahr 1990 auf derzeit noch 26 Prozent gesunken. «Unter diesen finanziellen Bedingungen könnten wir die kirchgemeindliche Arbeit nicht im nötigen Rahmen aufrechterhalten», sagt Trüb. Der Stadtzürcher Kirchenverband funktioniere wie ein Finanzausgleich: Zwar müsse Geld für Investitionen jeweils beantragt werden, man habe sich bisher jedoch immer auf den Stadtzürcher Verband verlassen können. Als Beispiel nennt sie die 1984 erbaute Kirche am Dorfplatz, die ohne Gelder aus Zürich nicht hätte finanziert werden können.

Um über den anstehenden Entscheid zu informieren, hat Trüb Mitte September einen Brief an alle Mitglieder der Kirchgemeinde verschickt. Am nächsten Dienstag wird ausserdem eine
Infoveranstaltung stattfinden, bevor an der Kirchgemeindeversammlung vom 25. Oktober dann entschieden wird. Die Kirchenpflege empfiehlt den Mitgliedern den Beitritt zur neuen Kirchgemeinde der Stadt Zürich per 1. Januar 2019. Laut Trüb würden auch sämtliche Mitarbeitenden der Kirchgemeinde hinter einem Beitritt stehen.

Es sei sehr wichtig, dass alle Beteiligten genau über den Reformprozess
informiert seien, betont Trüb. «Wir stehen vor einer wichtigen Entscheidung.» Dass in Oberengstringen auch Unbehagen besteht, zeigte sich an der Abstimmung über die Vereinheitlichung der Stadtzürcher Gemeinden von 2014. Zusammen mit Witikon, einer weiteren Randgemeinde, entschied sich Oberengstringen für eine moderatere Reform, die die Anzahl der Kirchgemeinden statt auf eine auf etwa 17 reduziert hätte.

«Doch die Kirchenpflege steht nun vollkommen hinter dem gewählten Modell und befürchten auch nicht, dass Oberengstringen als Teil einer zukünftigen Kirchgemeinde Stadt Zürich unterzugehen droht», so Trüb. Umgekehrt ermögliche die Reform, dass Synergien mit anderen Kirchgemeinden genutzt und Verwaltungsaufgaben nach Zürich delegiert und damit optimiert werden könnten.

Eine Alternative zum Verbleib bei den Zürchern sieht Trüb derzeit nicht. Zwar seien Gespräche mit den Kirchgemeinden von Schlieren und Weiningen geführt worden, so Trüb, «eine reformierte Kirchgemeinde Limmattal wird es 2019 jedoch nicht geben».

Am Dienstag, 20. Oktober, findet
im reformierten Kirchgemeindehaus Oberengstringen eine Infoveranstaltung statt. An der Kirchgemeindeversammlung vom 25. Oktober fällt der Entscheid über den Beitritt zur neuen
Zürcher Einheitsgemeinde.