Dietikon

Rechtzeitig für den Winterschlaf: Kinder bauen Igelburgen im Chrüzacher

Der Igelbestand in der Schweiz nimmt stetig ab. Deshalb sensibilisiert die Stadt Dietikon Schulkinder für den Tierschutz.

In der Freizeitanlage Chrüzacher in Dietikon findet seit Dienstag ein von der Stadt organisierter Tierkurs für 8- bis 14-jährige Kinder statt. Im Mittelpunkt: der Igel. «Meistens organisiere ich Kurse zu den Haus- und Heimtieren, die hier im Chrüzacher leben», sagt Kursleiterin Mirjam Spring. «Dieses Mal wollte ich aber für lokale Wildtiere sensibilisieren.» Der Tierschutz müsse bei den Kindern beginnen, sagt Spring. «Wenn die Kinder begeistert sind, zuhause vom Kurs erzählen und ihre Eltern so auf den Tierschutz hinweisen, dann hat das einen viel grösseren Effekt, als wenn wir Erwachsene es tun würden.» Und der Igel sei nun mal ein geeignetes Tier, um den Kindern das Ökosystem altersgerecht erklären zu können.

2011 lebten in der Schweiz rund 8000 Igel, 2018 betrug der Bestand noch 6000, wie Spring erklärt. Da im Schnitt pro Sekunde ein Quadratmeter unberührter Boden verbaut wird, fehlt dem Igel immer mehr Lebensraum – vor allem in den Städten. So ist er zunehmend Gefahren ausgesetzt, die meist vom Menschen ausgehen. So werden hierzulande jährlich Zehntausende dieser Säugetiere überfahren. Strassen mit hoher Verkehrsdichte stellen fast unüberwindbare Hindernisse dar.

Die Gärten sind zu sauber

Aber auch vor natürlichen Feinden wie dem Fuchs, dem Dachs oder dem Uhu findet der Igel nicht genügend Schutz. Denn die Hausgärten sind meist zu organisiert und sauber, wie Spring sagt. «Der Igel braucht beispielsweise einen Laubhaufen, um sich darin verstecken zu können. Leider werden diese meist zusammengerecht und entsorgt.» Aus diesem Grund baut Spring mit den elf jungen Kursteilnehmern sogenannte Igelburgen: Schlupflöcher aus feinem Holz, Ästen und Laub, in denen sich der Igel für seinen Winterschlaf verkriechen kann und seine Nahrung findet.

 Da der Igel ein Fleischfresser ist, bietet sich auch Totholz für die Igelburgen an. Dieses liefert dem Igel tote Würmer oder Käfer. Auch Wasser sei wichtig, betont Spring. Sie verweist nochmals auf den Hausgarten: «Während den trockenen Sommertagen ist es für die Igel schwierig, Nahrung zu finden. Eine Wasserstelle in den Gärten würde helfen. Damit würden auch Insekten angelockt, die er essen kann.» Was Nahrung betrifft, kümmert sich Spring auch um Wildvögel. «Im Winter bauen wir Futterstellen und Nistkästen für sie auf.»

Bis am Freitagnachmittag bringt Spring den elf Schülern den Igel und seine Umwelt näher. Nebst dem Bauen der Igelburgen sind diverse weitere Aktivitäten auf dem Programm gestanden. So lernten die Kinder die Anatomie des Igels kennen und backten igelförmige Guetzli. Am Freitag besuchen sie die «Igelstation» in Zürich. Dort können sie mit Fachleuten über das Säugetier zu reden. Zudem wurden Info-Schilder für PET-Recycling-Stationen gebastelt. Diese sollen die Bevölkerung für den Umweltschutz sensibilisieren. «Wie gesagt: Das beginnt am besten schon bei den Kindern», so Spring.

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