Bezirksgericht
Rechtsberater nutzte verschuldete Wirte aus und bedrohte sie

Ein Limmattaler Rechtsberater verlangte auf Darlehen Zinsen von bis zu 20 Prozent. Ausserdem bedrohte er seine Schuldner. Das Bezirksgericht Dietikon sprach ihn schuldig.

Attila Szenogrady
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Der zuständige Staatsanwalt Bruno Meier ging davon aus, dass der Beschuldigte bis zu seiner Festnahme im Frühjahr 2009 von drei Opfern rund eine halbe Million Franken eintreiben konnte.

Der zuständige Staatsanwalt Bruno Meier ging davon aus, dass der Beschuldigte bis zu seiner Festnahme im Frühjahr 2009 von drei Opfern rund eine halbe Million Franken eintreiben konnte.

Keystone/CHRISTIAN BEUTLER

Der heute 52-jährige Beschuldigte sprach noch im letzten November am Bezirksgericht Dietikon von «Fantasien» und «Illusionen», als er auf die happigen Vorwürfe der Staatsanwaltschaft angesprochen worden war.

Demnach hatte der im Limmattal wohnhafte Rechtsberater kosovarischer Herkunft vor zehn Jahren begonnen, mehreren verschuldeten Personen aus seiner alten Heimat Darlehen zu gewähren. Allerdings nur, um danach von ihnen Wucherzinsen bis zu 20 Prozent zu verlangen.

Drohkulisse mit Schlägertypen

Der beschuldigte Schweizer Staatsangehörige, der sich vor Gericht über einen Dolmetscher für Albanisch verständigte, gab sich laut Anklage zunächst grosszügig, zeigte sich aber unnachgiebig, wenn es um die Rückzahlungen ging.

Bei den Opfern handelte es sich vorwiegend um Gastronomen, die sich massiv verschuldet und sich deshalb in die Abhängigkeit des kosovarisch-muslimischen Patrons begeben hatten.

Die Anklage schilderte, dass der Rechtsberater zwecks Eintreibung von ausstehenden Geldern schon bald eine Drohkulisse aufbaute, indem er wiederholt unangemeldet in den Restaurants seiner Schuldner auftauchte oder grimmige Schlägertypen vorbeischickte. In einem Fall soll er einen Geschädigten gar mit einer Pistole bedroht haben.

Der zuständige Staatsanwalt Bruno Meier ging davon aus, dass der Beschuldigte bis zu seiner Festnahme im Frühjahr 2009 von drei Opfern rund eine halbe Million Franken eintreiben konnte.

Meier sprach von einer Parallelgesellschaft mit eigenen Gesetzen und forderte für den Rechtsberater eine unbedingte Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren. Abzüglich 181 Tagen, die er bereits in Untersuchungshaft verbüsst hatte.

Der gesundheitlich angeschlagene IV-Rentner wies die Anklage zurück und sprach von einem Komplott eifersüchtiger Ex-Landsleute. Auch die Verteidigung verlangte mangels Beweisen Freisprüche.

Das Bezirksgericht Dietikon kam nun in gewichtigen Punkten bei zwei Opfern zu Schuldsprüchen. So wegen Wuchers, versuchten Wuchers, versuchter Erpressung sowie wegen Urkundenfälschung.

Was zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten führte, bei einer Probezeit von drei Jahren. Bei einer dritten Privatklägerin kam das Gericht zu Freisprüchen.

Über die finanziellen Forderungen der beiden Geschädigten soll ein Zivilrichter entscheiden. Das Gericht liess über 338 800 sichergestellte Franken des Beschuldigten einziehen.

Diese sollen zur Deckung der Verfahrenskosten sowie für die Prozessentschädigung für zwei Geschädigte sowie für das kantonale Steueramt verwendet werden.

Von einer von der Anklage verlangten Ersatzforderung von 100 000 Franken sahen die Dietiker Richter allerdings ab. Eine schriftliche Begründung des Urteils liegt noch nicht vor. Der Beschuldigte kann jedenfalls den Entscheid vor Obergericht anfechten.