Eine Gruppe Kleinkinder stiebt kreischend auseinander. Aus der Ecke bewegt sich murrend eine in farbige Tücher gehüllte Gestalt auf sie zu. Wenig später zieht Lea sich die Verkleidung vom Kopf, sie schmunzelt. Die Kleinen drehen sich um und fangen an zu lachen. «Das Geisterspiel ist sehr beliebt», sagt die zehnjährige Lea. Es gehe darum, die anderen Kinder zu erschrecken und zu fangen. Lea ist einige Jahre älter als der Rest der Bande. Sie ist mit ihrer Mutter Rebecca Piperio gekommen. Piperio arbeitet als Kinderhüterin bei der reformierten Kirche Dietikon.

«In diesem Alter passiert unglaublich viel mit den Kindern», sagt Piperio. «Sie lernen, sich sozial zu verhalten und sich feinmotorisch auszudrücken.» Auf einem Tisch liegen Stift und Papier, Schere und Leim. «Die Kinder müssen bei uns nicht zeichnen oder basteln, aber alles ist da», sagt die Dietikerin. Es sei wichtig, die Kinder Kinder sein zu lassen. Denn: Sie lernen eigentlich immer, auch im Spiel, auch aus Spass. «Als Kind ist Lernen gratis», so die 46-Jährige.

Geschrei. Zwei Knaben streiten sich um den roten Bobby-Car. Piperio reagiert schnell. Sie bläst zwei bunte Ballone auf und wirft sie in die Luft. Einer der Knaben springt nun einem Ballon hinterher. «Wenn sie wild werden, hole ich Ballone hervor», sagt sie. Das lenke ab. Im Raum stehen vier weitere Bobby-Cars. «Es wollen immer alle den roten», sagt Lea dazu. «Es geht auch ums Streiten», fügt Piperio an. Was ist meins, was ist deins, das sei ein wichtiges Thema in diesem Alter.

Alle Hände voll zu tun

Kinderhüten ist intensiv. «Gerade die Kleinen sind stark auf die Erwachsenen fokussiert», sagt Piperio. Sie beobachtet, dass Kinder erst im Alter von etwa drei Jahren miteinander zu spielen beginnen. Zudem seien die Kleinen in der Kinderhüeti ja nicht in Watte gepackt. Schnell fliegt eines um und weint. Deshalb erhält Piperio tatkräftige Unterstützung von der freiwilligen Mitarbeiterin Kathrin Pusunch. Dank ihr kann der Kinderhort doppelt so viele Kinder aufnehmen, nämlich etwa zehn. Das Angebot richtet sich an Mütter mit Kindern zwischen 1½ und 4 Jahren, die einmal die Woche Zeit für sich oder ihre Besorgungen brauchen. Also steht Piperio jeden Dienstagnachmittag von 14 bis 17 im Muki-Raum des reformierten Kirchgemeindehauses und kümmert sich.

«Laufen müssen sie aber schon können, wenn sie in die Kinderhüeti kommen», sagt Piperio. Zudem sei es wichtig, darauf zu achten, wie die Kinder bei der Trennung von ihrer Mutter reagieren. «Wenn sie nicht aufhören zu weinen, ist das kein gutes Zeichen», sagt sie. Andere Kinder würden ihre Eltern zum Abschied mit keinem Blick würdigen. Es gebe die schüchternen, die frechen, die einfachen und die schwierigen, es gebe alle Sorten von Kindern.

Viele Highlights

Piperio erlebt viele persönliche Highlights in der Kinderhüeti. «Etwa wenn ein Kind, das noch nie geredet hat, einen plötzlich beim Namen nennt», sagt sie. Das sei «uh schön». Oder wenn die Grösseren merken, dass die Kleineren Mühe haben und ihnen helfen. Das Wichtigste ist für Piperio aber, Kinder gerne zu haben. Und: Man müsse sie dort abholen, wo sie sind, damit sie Vertrauen schöpfen. Ob die Kinder denn in einer anderen Welt lebten? «Ja, wenn sie schlafen», wirft Lea ein.

Piperio ist ursprünglich gelernte Gärtnerin, ein Beruf, den sie weiterhin gerne ausübt. Zudem ist sie als Hilfssiegrist tätig. Und: «Lea ist mein Hilfs-Hilfs-Siegrist», sagt sie stolz. Man merkt aber, dass ihr die Arbeit mit den Kindern besonders am Herzen liegt. «Es ist schön und positiv, die Entwicklung der Kleinen verfolgen zu können» sagt sie. Auch wenn es einen zu 100 Prozent brauche.