Ein Rebmesser und eine Pflugschar im Gemeindewappen, aber keinen Rebhang mehr im Dorf – in Oberengstringen wurden in den 1950er-Jahren die letzten beiden Rebberge aufgehoben. Noch 100 Jahre zuvor befanden sich 19 Trotten in der Gemeinde. Oberengstringen war ein Rebbaudorf. Um an diese Tradition zu erinnern, bewilligte die Gemeindeversammlung 1969 den Bau eines Rebhangs am Kirchweg. Aus dem Verkauf des Weines an die Bevölkerung, der 1976 begann, entstand ab 1982 das Weinfest. Seither wird dieses jährlich am letzten Augustwochenende begangen. Nächsten Freitag wäre es wieder so weit. Doch wegen des Schlierenfäschsts fällt der Anlass dieses Jahr aus.

Grund genug den Rebensaft zu feiern, gäbe es auch in allen anderen Limmattaler Gemeinden. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein dominierten Weinberge die Landschaft. Heute ist diese Vergangenheit nur noch in Weiningen, dem einzig verbliebenen Weinbaudorf im Bezirk Dietikon, sichtbar. In den anderen Gemeinden mussten die Rebhänge Überbauungen weichen. Etwa in Oetwil, wo das einst zusammenhängende Rebgelände sich längs des Südhanges von der östlichen bis zur westlichen Gemeindegrenze ausdehnte. Ein weiterer Rebhang befand sich südlich des Dorfes an der Halde. Wie Rolf Buck im Dietiker Neujahrsblatt von 1959 schreibt, waren um 1900 noch rund 30 Hektaren des Gemeindegebietes mit Reben bepflanzt.

Mitte des 18. Jahrhunderts dürften die Oetwiler Rebhänge noch die erträglichste Einkommensquelle der Bauern gewesen sein. Allerdings befanden sich nur die wenigsten im Besitz der Einheimischen. Gemäss Buck sollen noch um 1900 rund 40 Besitzer an den Reben beteiligt gewesen sein. Sie kamen aus Würenlos, Dietikon und Hüttikon. Überdies waren in früheren Jahrhunderten die Bauern im Unteroetwil noch dem Kloster Wettingen zinspflichtig. Alljährlich mussten sie dort den Zehnten abliefern. Anders sah es bei den Bauern im Oberdorf aus. Sie waren meist frei und deshalb nicht zinspflichtig. Laut Buck gab es jedoch Zeiten, als das Alte Spital Zürich in Oberoetwil viele Rechte besass. Deshalb wird angenommen, dass auch Oetwiler Zehntenwein nach Zürich gebracht wurde. Insgesamt befanden sich zwölf Trotten auf dem Gemeindegebiet.

Ein Kaufbrief aus dem Jahr 1733 zeigt, dass auch in Geroldswil der Weinbau gepflegt wurde. Wiederum war es das Kloster Wettingen, das den Rebbau förderte. Auch in Geroldswil waren viele Bauern zehntenpflichtig.
Lange prägten Rebhänge auch das Bild von Unterengstringen. Wie in vielen anderen Dörfern bewirtschafteten die Bauern in den vergangenen Jahrhunderten lediglich Kleinstparzellen. Ihren Lebensunterhalt bestritten sie mit der Arbeit in den Reben der grossen Weingüter, mit Ackerbau für den Eigenbedarf sowie mit Nebenberufen. Eines dieser Güter in Unterengstringen war der Sparrenberg. Im Neujahrsblatt über den altzürcherischen Familiensitz widmet sich Jakob Meier unter anderem dem Rebbau. So existiert noch ein Ertragsverzeichnis für die Jahre 1771 bis 1836. Daraus geht hervor, dass 1836 ganze 37 180 Liter Wein gekeltert wurden. Bei einer Gesamtfläche von 40 500 Quadratmetern entspricht dies knapp einem Liter pro Quadratmeter, eine enorme Menge . Über die Qualität des Weins können heute jedoch keine Auskünfte gemacht werden. Laut Meier zählte der Sparrenberger aber zu den besten Limmattaler-Weinen.

Im Unterengstringer Neujahrsblatt finden sich auch Berichte über die Arbeiten im Rebhang. Ein besonderer Anlass war für die Unterengstringer der Wümmet. Einerseits war er eine willkommene Nebenbeschäftigung. Für den Wümmet zeichneten sich vor allem die Frauen verantwortlich. Die Männer fungierten als Träger. Andererseits waren die Tage der Traubenlese auch ein gesellschaftliches Ereignis.

Besonders am «Chrähahn», dem Fest zum Abschluss des Wümmet, ging es hoch zu und her. Denn während der Traubenlese war die Verköstigung der Wümmer eher karg, am «Chrähahn» hingegen gab es alles, was das Herz begehrte. Zudem wurde getanzt und musiziert. Nach 1799 verkleideten sich die Wümmer in Unterengstringen zudem mit französischen und russischen Uniformteilen, die aus der Zeit der Schlacht bei Zürich stammten. Auch Buck berichtet von ausgelassenen Feiern zum Ende des Wümmet. Bis spät in die Nacht hinein habe man gefeiert. Grosser Beliebtheit erfreuten sich Spiele wie «Zaine-Riite», «Sterneguggis» oder «Chellechrieg».

Auf eine lange Weinbautradition blickt man auch in Höngg zurück. Das heutige Zürcher Stadtquartier war bis zur Eingemeindung 1934 eine eigenständige Gemeinde. Bis heute sind die Zeugen des Rebbaus sichtbar. Unter anderem existiert ein Weinweg durch das Quartier. Dort erfährt man unter anderem, dass der Rebbau in Höngg 1312 erstmals urkundlich belegt ist. Oder, dass das Dorf 1828 nicht weniger als 76 Baumtrotten zählte. Zudem war Höngg Ende des 19. Jahrhunderts mit rund 130 Hektaren Rebfläche sogar die drittgrösste Rebgemeinde im Kanton.

Doch nicht nur auf der Sonnenseite der Limmat wurden in früheren Jahren Reben angepflanzt. Auch in Dietikon wurde Weinbau betrieben. Allerdings, so Buck, war der Wein dort von eher minderer Qualität. Das lag wohl auch daran, dass die Weinstöcke zu nahe beinander angepflanzt wurden und die Pflanzen dadurch nicht genügend Licht erhielten. Laut Buck war man in Dietikon aber ohnehin eher auf Quantität denn auf Qualität aus. Angesichts der Tatsache, dass der grösste Teil des Weins vom Produzenten selber getrunken wurde, ist dies jedoch wenig verwunderlich. Es sei aber auch vorgekommen, dass der gute «Dietiker» an die Wirtschaften verkauft wurde. Der grösste Dietiker Rebberg befand sich in der «Rüttenen». Die dortigen Landparzellen wurden von der Gemeinde zur Nutzung an die Bürger von Dietikon abgegeben. In guten Jahren hatten diese die Möglichkeit bis zu 600 Liter Wein zu keltern.