Bergdietikon

Raum schaffen und Asbest beseitigen: Das Schulhaus steht vor seiner fünften Sanierung

Durch Umbaumassnahmen im Innern wird der Nutzungsbereich des Gebäudes vergrössert. zvg

Durch Umbaumassnahmen im Innern wird der Nutzungsbereich des Gebäudes vergrössert. zvg

Für Sanierung und Umbau benötigt die Gemeinde einen Kredit von 4,3 Millionen Franken

Das Bergdietiker Schulhaus 2 ist in die Jahre gekommen. Das Gebäude von 1972 hat schon vier Sanierungen erlebt. 1994/95 wurden die Teppichbeläge erneuert, 1997 die Heizung ersetzt und eine Dach- und Betonsanierung durchgeführt, 2003 gab es eine neue Beleuchtung und 2010 einen modernen Heizkessel. Aber jetzt ist es mit einzelnen Ersatz- und Erneuerungsarbeiten nicht mehr getan. Eine umfangreiche Generalüberholung steht an. Bereits 2010 wurde bei einer Analyse festgestellt, dass nicht nur die Gebäudehülle nicht den heutigen Wärmeschutz- und Komfortanforderungen entspricht, sondern dass auch das Flachdach das Ende seiner Lebensdauer erreicht hat.

Gleichzeitig muss Bergdietikon auch seine Schulraumplanung im Blick behalten. Das Bevölkerungswachstum und die demografische Entwicklung haben zur Folge, dass für das Schuljahr 2020/21 mit rund 270 Schülerinnen und Schülern gerechnet wird, die in Bergdietikon die Primarschulklassen und den Kindergarten besuchen werden. Daher sollen im Zuge der Sanierung durch einen Umbau gleich auch noch zusätzlicher Schulraum geschaffen und die räumlichen Bedingungen optimiert werden, wie es in der Gemeinde-Info zur Versammlung heisst. Im Juni 2015 genehmigten die Bergdietiker bereits einen Kredit in Höhe von 220 000 Franken für die Projektierung der anstehenden Arbeiten. An einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung am Montag geht es nun um den Baukredit in Höhe von knapp 4,3 Millionen Franken.

Ein Lift wird eingebaut

Das Bauvorhaben umfasst mehrere grosse Brocken. Nicht nur soll das Gebäude erdbebensicherer gemacht, es ist auch eine Schadstoffsanierung geplant. Bei Gebäudeuntersuchungen wurden asbesthaltige Materialien wie Fensterkitt, Fliesenkleber, Asbestzement-Produkte und Flanschdichtungen entdeckt sowie Fugendichtungsmasse und Farbanstriche, die polychlorierte Biphenyle (PCB) enthalten. Die Gemeinde versichert, dass keine direkte Gefährdung durch Freisetzung der Asbestfasern oder der PCB besteht. Die Materialien müssen aber vor den Bauarbeiten fachgerecht entfernt werden. Auch den heutigen Brandschutzvorgaben wird bei der Sanierung entsprochen.

Ein teurer Posten ist der Einbau eines behindertengerechten Lifts: 53 000 Franken wird er die Gemeinde kosten. Das Lehrer-WC im Erdgeschoss wird rollstuhlgängig ausgebaut, sämtliche Kalt- und Warmwasserleitungen werden erneuert, die Schmutzwasserleitungen auf ihre Dichtigkeit überprüft und gegebenenfalls saniert.

Aufwendig wird vor allem auch die energetische Sanierung des Gebäudes. Neben der neuen Isolierung und Begrünung des Daches, werden vorhandene Lichtkuppeln ausgebaut, um Wärmebrücken im Dachbereich aufzuheben. Die komplette Metallfassade wird entfernt und eine Aussendämmung angebracht. Alle Fenster werden durch dreifach verglaste Fenster ersetzt; auch neue Eingangstüren mit energetisch günstigerem Windfang wird es im sanierten Schulhaus geben. Die Heizungsanlage wurde einer Prüfung unterzogen und untere anderem auch eine Pelletfeuerungsanlage sowie eine Luft/Wasser-Wärmepumpe in Erwägung gezogen. Letztlich kam der Gemeinderat aber zum Schluss, dass eine Brennwert-Ölheizkessel-Anlage am ökonomischsten ist und die tiefsten Investitionskosten erfordert.

Ein weiterer Klassenraum

Gleichzeitig mit der Sanierung will die Gemeinde aber auch mehr Raum schaffen. Durch Umbaumassnahmen entstehen so im Untergeschoss nicht nur ein zusätzlicher Klassenraum, sondern auch Räume für die Bibliothek, die Logopädie und die schulische Heilpädagogik. Im Erdgeschoss wird ein Lehreraufenthalts- und -arbeitsbereich geschaffen, und Schulleitung und Schulverwaltung können räumlich getrennt werden. Ein zusätzlicher Gruppenraum und Arbeitsnischen sollen im Obergeschoss entstehen. Der gedeckte Aussenbereich wird vergrössert und ein gedeckter Velounter-stand für 34 Fahrräder entstehen. Die feuerpolizeilichen Verhältnisse im gesamten Schulhaus sowie die Akustik in den Gängen werden verbessert. Geplant sind auch Investitionen in die Innenausstattung. Neue Garderobeneinrichtungen, Einbauschränke in den Klassenzimmern, neue Tische, Stühle und Pulte, sechs interaktive Wandtafeln und neue Bücherregale werden angeschafft.

Die Schulpflege ist überzeugt von den Planungen und empfiehlt den Bürgern folgerichtig die Genehmigung des Kredits. «Mit dem Ausbau des heute schlecht genutzten Untergeschosses können wir mit gleichbleibendem Bauvolumen eine grössere Ausnutzung erreichen», schreibt sie in der Gemeinde-Info. Die Berechnungen bis ins Jahr 2022/23 zeigen auf, dass durchschnittlich elf Primarklassenzimmer benötigt werden. Bei Doppelführung aller Klassen wären zwölf Klassenzimmer nötig. Mit dem vorliegenden Projekt erhält Bergdietikon insgesamt mit Schulhaus 1 und 2 zwölf Räume in Klassenzimmergrösse sowie ein Zeichnungszimmer, das ebenfalls als Klassenzimmer umgenutzt werden könnte, wenn dies nötig werden sollte.

Im Sommer 2018 abgeschlossen

Bei einem Baubeginn im Oktober 2017 sollen bis Mitte Juli 2018 die Arbeiten abgeschlossen sein. Der Schulbetrieb könnte nach den Sommerferien 2018 wieder aufgenommen werden. Obwohl ein Grossteil der Umbau- und Sanierungsmassnahmen während der Schulferien ausgeführt werden sollen, müssten dennoch gewisse Arbeiten auch während der Unterrichtszeit stattfinden. Zu diesem Zweck wird die Gemeinde vier Klassenzimmer als Containerprovisorium für die Dauer von neun Monaten mieten.

Die Gemeinde, die sich Jahr für Jahr über satte Ertragsüberschüsse freuen kann, will Sanierung und Umbau durch eigene Mittel finanzieren. Aufgrund des Finanzplanes geht sie jedoch davon aus, dass sie langfristig Fremdmittel aufnehmen muss. Der Bau wird somit indirekt in ein bis drei Jahren Zinskosten nach sich ziehen. Der grösste Posten des Bauvorhabens, mit dessen Planung die Zofinger Firma Batimo AG Architekten SIA beauftragt wurde, sind mit 3,4 Millionen Franken die Baumassnahmen am Gebäude. Die Ausstattung schlägt mit knapp 250 000 Franken zu Buche. Ein Neubau rechnet sich laut Gemeinde nicht. Eine in Auftrag gegebene Schätzung kommt für einen Neubau im selben Umfang auf rund 7,2 Millionen Franken. Auch die Finanzkommission steht hinter dem Bauvorhaben und zieht in der Gemeinde-Info das Fazit: eine optimale Lösung für die unausweichliche Sanierung des Schulhauses 2 – und sparsam obendrein.

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