Rauchen
Rauchverbot und Kälte machen Wirte erfinderisch

Im Sommer war das Rauchen für Gastrobetriebe noch kein Problem. Nun richten sie für den Winter Zelte und Fumoirs her.

Bettina Hamilton-Irvine
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Limmattaler Zeitung

Mit der Kälte kommen die Probleme. Zumindest geht es den Rauchern so: Konnte man im Sommer das Rauchverbot noch leicht umgehen, indem man bei lieblichen Temperaturen auf der Terrasse oder dem Trottoir vor der Lieblingsbeiz qualmte, gestaltet sich die Situation im Winter um einiges schwieriger. Wo kein Fumoir vorhanden ist, heisst es: Ausrauchen oder warm einpacken und draussen der Kälte trotzen.

Ein Versprechen an die Raucher

Es sei denn, der Wirt ist erfinderisch. So befindet sich vor dem Dietiker City Café auf dem Kirchplatz, da wo im Sommer die Bistrotische stehen, seit einer guten Woche ein Zelt. «Schätzungsweise 80 Prozent unserer Gäste sind Raucher», sagt Geschäftsführer Fikret Hajdini, dessen Vater das Lokal gehört. So liege es auf der Hand, dass sich immer wieder Gäste über das Rauchverbot beschwert hätten. Er habe ausserdem bemerkt, so Hajdini, dass die rauchende Kundschaft zwar nach wie vor im City Café aufgetaucht, jedoch oft weniger lang geblieben sei. So sei es für ihn klar gewesen, dass er für den Winter eine Lösung finden musste. «Ich habe ihnen versprochen, etwas zu unternehmen», erzählt er.

Das Zelt, welches bald noch mit einer Heizung und einem Teppich ergänzt werden soll, kommt bei der Kundschaft ausgezeichnet an, wie Hajdini sagt. «Die Leute sind froh.» Ob das Zelt auch einen Einfluss auf die Konsumationen haben wird, kann er nicht sagen. Doch: «Ich mache es nicht wegen des Umsatzes, sondern damit sich die Gäste wohl fühlen», betont der junge Geschäftsführer.

Keine Sonderregelung für Zelte

Für die Bewilligung des Zelts, die Hajdini eingeholt hat, ist nicht der Kanton, sondern die Stadt zuständig. Wie Erich Wenzinger von der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zürich sagt, sieht die Gesetzgebung zum Schutz vor Passivrauchen «keine speziellen Bestimmungen für Zelte oder dergleichen» vor. Doch das Rauchverbot gelte in geschlossenen Räumen – so auch für Zelte mit textilen Wänden, sagt Wenzinger. Wird ein Fumoir in Zeltform errichtet, so gebe es keine Sonderbestimmungen. Es gelten die generellen Regeln zur Einrichtung und Bedienung. Eine Bewilligung des Kantons sei für derartige Zelte nicht vorgesehen. «Allerdings könnten sich andere Bewilligungen der entsprechenden Gemeinde aufdrängen», so Wenzinger.

Wie der Dietiker Stadtpräsident Otto Müller bestätigt, ist auch für Provisorien wie Zelte eine Baubewilligung nötig, falls sie länger als zwei Monate stehen bleiben – und eine Bewilligung der Stadt, falls sie auf öffentlichem Grund stehen.

Er verstehe, dass die Wirte etwas für ihre Gäste tun wollten, sagt der Stadtpräsident: «Dass Rauchern eine Alternative angeboten wird, begrüsse ich.» Auch optisch störten ihn die Zelte nicht, so Müller, so lange es nicht zu viele davon habe: «Der Kirchplatz soll nicht zum Zeltplatz werden.»

Essen und Rauchen in einem Raum

Auch vor der Dietiker Musikbar Zeus stand bis vor wenigen Tagen noch ein Festzelt – jedoch aus anderen Gründen. Kein Raucherzelt sei das gewesen, sondern eine Übergangslösung während des Umbaus, erklärt Pächter Stefan Schmucki. Doch er könnte sich gut vorstellen, ein kleineres Zelt für die Raucher aufzustellen, so Schmucki: «Man muss ja etwas machen, sonst hat man bald gar keinen Umsatz mehr.» Denn gerade die Betreiber der Bars litten sehr unter dem Rauchverbot, sagt er. «Mit der kalten Jahreszeit wird es noch schwieriger. Da ist das Rauchen draussen einfach nicht mehr gemütlich.»

Eine andere Lösung gefunden hat Ömer Kaya, Geschäftsführer des Restaurants Freihof in Oberengstringen: Er hat den vorderen Teil seines Restaurants, in welchem insgesamt rund 120 Gäste Platz finden, zum 40 Plätze grossen Fumoir erklärt, indem auch gegessen werden könne. Um die Vorschriften zu erfüllen, musste nachgeholfen werden: So verkleinert eine zusätzliche Wand den Raum, damit dieser die gesetzlich vorgeschriebene Maximalgrösse – ein Drittel der Ausschankfläche – nicht überschreitet. «Die Gäste sind sehr froh, dass sie bei uns im gleichen Raum essen und rauchen können», sagt Kaya: «Schliesslich gibt es nicht viele solche Lokale.»

«Das Fumoir wird rege benützt»

Ebenfalls ein neues Fumoir hat der Dietiker Musikpark A1. «Wir haben einen ganzen Floor zum Raucherraum umfunktioniert», sagt Andreas Rehmann, der für Administration zuständig ist. Vorher seien die Gäste zum Rauchen nach draussen gegangen – was man ihnen bei den kälteren Temperaturen jedoch nicht mehr zumuten wolle. «Das Fumoir wird rege benützt», sagt Rehmann.

Andere Limmattaler Lokale haben bereits früher Fumoirs bereitgestellt. So zum Beispiel das Oberengstringer Pub Fortysix, die Geroldswiler Hostellerie, die Dietiker Lounge Zino oder das Hotel Sommerau in Dietikon.