Rampenverkauf
Baselbieter Fischimporteur muss tonnenweise Fisch loswerden – und versucht sein Glück nun in Dietikon

Die Bayshore SA sitzt auf 125 Tonnen Fisch, kann sie im Baselbiet aber nicht mehr verkaufen. Mit der Hilfe eines Geschäftspartners darf sie ihre Waren in Dietikon an den Mann und die Frau bringen.

Sven Hoti
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«Unser Ziel ist es, nichts vernichten zu müssen», sagt CEO Toby Herrlich.

«Unser Ziel ist es, nichts vernichten zu müssen», sagt CEO Toby Herrlich.

Bild: zvg

Toby Herrlich und seine Ehefrau sitzen auf insgesamt 125 Tonnen Fisch. Das klingt nach viel, wäre aber unter normalen Umständen innert weniger Monate verkauft. Denn der Fischimporteur Bayshore SA aus Oberwil in Baselland verkauft seine Waren nicht in erster Linie an Privatkunden, sondern an die Industrie sowie Gastrobetriebe. Und weil letztere coronabedingt in den Winterschlaf gehen musste, fehlt ein wichtiger Absatzmarkt.

Um zu verhindern, dass Herrlichs tonnenweise Fisch vernichten müssen, bringen sie seit kurzem ihre Waren direkt per Rampenverkauf an den Mann oder die Frau. Schon fünf Tonnen konnten sie auf diese Weise verkaufen. Weil sie ihre Rampe im Baselbieter Pratteln jedoch nicht mehr für den Verkauf nutzen dürfen, mussten sie nach einer neuen Ausschau halten – und wurden in Dietikon fündig.

Dietiker Importeur eilte zu Hilfe

Diesen Samstag führen sie ihren ersten ausserkantonalen Rampenverkauf durch. Unterstützung haben sie von der Divina Food AG erhalten, einem Dietiker Importeur von italienischen Nahrungsmitteln. «Ich habe von 1999 bis 2005 dort gearbeitet. Der Geschäftsführer ist ein Freund von mir», erklärt Bayshore-CEO Herrlich. «Natürlich war ihm unsere Problematik bekannt. Er hat uns eine Rampe in Aussicht gestellt und wir einigten uns darauf, zusammen ein Co-Branding zu machen.»

Konkret heisst das, dass die beiden Unternehmen ihre Waren gemeinsam vertreiben werden. Der Verkauf wird am Samstag auf dem Gelände der Divina Food AG an der Lerzenstrasse 19 in der Silbern durchgeführt und dauert voraussichtlich von 10 bis 14 Uhr. Der Fisch wird in Kartons zu 5 bis 10 Kilogramm verkauft. Ansonsten müssten die Kunden nichts Spezielles beachten, sagt Herrlich. «Es hilft aber sicher, wenn sie sich im Vornherein Gedanken machen, was sie kaufen möchten.»

Infos zum Rampenverkauf in der Silbern

Wann?

Samstag, 13. Februar, um 10–14 Uhr 

Wo?

Divina Food AG, Lerzenstrasse 19, 8953 Dietikon 

Was und Wie?

Ganze Original-Gastrokartons à 5–10 Kilogramm gegen Barzahlung, direkt ab Rampe abzuholen (keine Reservation oder Voranmeldung möglich)

Weitere Infos finden Sie unter www.fischlaedeli.ch.

Besonders beliebte Fische seien Egli und Zander. «Typische ‹Schweizer› Fische», kommentiert Herrlich. «Das, was der Schweizer kennt, das hat er auch gern und das läuft am besten.» Ebenfalls auf grosses Interesse stiessen bisher die Knusperli-Varianten der beiden Fische. Egli-Knusperli seien allerdings bereits ausverkauft, so Herrlich.

Rampenverkauf zum ersten Mal als Drive-in

Zum ersten Mal überhaupt führt der Fischhändler den Rampenverkauf als Drive-in durch. Es sei ein Experiment, sagt Herrlich. «Wir wissen nicht, was uns erwartet, sind aber gut vorbereitet.» Zehn seiner Mitarbeitenden sowie fünf Angestellte der Divino Food AG sollen vor Ort für Ordnung sorgen und Info-Flyer verteilen.

Im Unterschied zu den bisherigen Rampenverkäufen könne mit dem Drive-in-Konzept die Verkehrssicherheit besser gewährleistet werden, meint Herrlich. Seine Rampe im Baselbiet darf der Fischhändler nämlich nicht mehr nutzen. Nachbarn und manche Kunden hatten wegen des erhöhten Verkehrsaufkommens reklamiert.

«Ich hoffe, dass wir in Dietikon zwischen 500 und 1000 Kilogramm Fisch verkaufen können. Drei bis vier Tonnen wären natürlich sehr gut.» Bis Ende Februar seien gleichenorts jeweils samstags weitere Rampenverkäufe geplant, verrät Herrlich. Wie es dann weitergehe, hänge von den weiteren Coronamassnahmen ab. Geplant seien zudem weitere Rampenverkäufe in anderen Kantonen, so Herrlich. Dafür suche er noch Personal.

Das Worst-Case-Szenario soll verhindert werden

Innerhalb dieses Jahres will Herrlich die gesamten 125 Tonnen Fisch verkaufen. Bisher hätten die meisten kritischen Lager «sicher an Land» gebracht werden können, sagt der Fischhändler. Im schlimmsten Fall würden die Restbestände als Biogas verwertet. «Natürlich wäre dies das Worst-Case-Szenario», sagt Herrlich. «Unser ambitioniertes Ziel ist es, nichts vernichten zu müssen.»