Es ist vor halb neun Uhr morgens im Skills Park in Winterthur. Die 68 Schülerinnen und Schüler der Oberstufe Urdorf laufen energiegeladen durch den dunklen Flur. Die Urdorfer besuchen Europas grösste Multisporthalle für einen sogenannten Gorilla-Workshop.

Organisiert wurde der Vormittag mit Kursen rund um Bewegung- und Ernährungsthemen von der Zürcher Schtifti Foundation. Im Primaten-Kostüm erscheint niemand, aber immerhin bildet ein Gorilla-Gesicht das T-Shirt-Motiv der sechs Workshop-Leiterinnen und -Leiter.

Unter dem Motto «Spiel, Spass und Sport» verbringen die Jugendlichen zwischen 13 und 14 Jahren den Dienstagvormittag in der hölzernen Halle. «Es rumpelt mächtig dort hinten», sagt eine Lehrerin. Die Akustik des Raums zwingt den jungen Leiter, lauter zu reden. «Wir sind hier, um mit euch Rambazamba zu machen», sagt einer.

«Wer will Capoeira ausprobieren?», fragt er. Viele Mädchen und ein Junge strecken die Hände auf. «Also, aufstehen und los!» Die erste Gruppe bildet sich, es fehlen noch das Skateboarden, der Breakdance und das FreestyleSoccer. Ein Knabe äussert seine Begeisterung über den Skateboarding-Kurs. «Super! Aber kein Knochenbruch!», ruft die Klassenlehrerin.

Während die Schüler ungeläufige Sportarten ausprobieren, sitzen die Lehrerinnen Sophie Wellauer, Manuela Spori, Andrea Fecker und Rita Welti gemeinsam mit Projektleiterin Lucy Jager in der Cafeteria. Jager stellt eine Webplattform mit dem Gorilla-Schulprogramm vor. Darauf zu finden sind ausgearbeitete Lektionen zu Themen wie Bewegung, Ernährung und nachhaltigen Konsum für den Schullalltag.

Mit dem Material sollen die Lehrerinnen Frisbee oder Longboarden beibringen oder die Klassen über Food-Waste informieren können. «Das Programm ist bei den 70 Schulen, die es anwenden, sehr beliebt», sagt Jager. Besonders nützlich seien die Lernvideos und die frei wählbaren Schwierigkeitsstufen, die den Lernenden und Lehrenden eine gewisse Freiheit erlauben.

Ein bewegter Tag

Im Erdgeschoss rollen Knaben und Mädchen hin und her. Der Skateboarding-Kurs soll den Schülern mehr Gespür für den eigenen Körper verleihen. Es sind eher die Jungs, die sich am Skateboard versuchen, aber die 14-jährige Leonie lässt sich davon nicht einschüchtern: «Ich fand es megacool, Skateboard zu fahren. Wichtig war es vor allem, das Gleichgewicht zu behalten. Die kleinen Rampen waren für mich eher schwierig», sagt sie. Nur einige ihrer Kollegen trauen sich zu, schnelle Kurven auf dem wellenartigen Holzboden zu machen.

Anders sieht es beim Breakdance-Kurs aus. Der graue Raum erinnert an ein Crossfit-Fitnessstudio. Hier können die Schüler mit geeigneter Hintergrundmusik neue Moves ausprobieren. «Es gefällt mir, ein bisschen herumzutanzen und eine Choreografie einzuüben», sagt der 14-jährige Max.

Ein Geschoss weiter oben spielen die Schüler mit der eigenen Flexibilität. Die gelassene Stimmung in der Capoeira-Stunde ist als Lachen und Gekicher hörbar. Aufgelockert schwingt der Instruktor seine Arme und Beine hin und her. Die Skating-ähnlichen Bewegungen sehen bei den Anfängern etwas roboterhaft aus.

Anders im Kunstrasenfeld nebenbei – auf dem Fussballplatz fallen Bälle aus allen Ecken. Etwa zwei Dutzend Jungs und drei Mädchen probieren sich mit verschiedenen Tricks aus. Sie versuchen, einen Ball auf dem Nacken zu halten und dabei Liegestützen zu machen, was sich als eine schwierige Aufgabe erweist. Aber Fussball ist und bleibt spielerisch, die Schüler rennen trotz misslungener Übung mit einem Lächeln hin und her.

Zum Abschluss tischt das Gorilla-Team in der Kantine ein gesundes Buffet auf. Aber bevor die Schüler nach den Bananen und dem Müesli greifen können, beantworten sie einige Fragen rund um das Thema Ernährung.

Der Magen knurrt, aber sie bleiben entspannt – soweit dies bei einer grossen Gruppe von Jugendlichen möglich bleibt. Die Schülerinnen und Schüler scheinen die Worte der Leitergruppe ernst genommen zu haben: «Ihr sollt Spass haben, heute ist euer Tag!»