Denn mehr besass Ralph, in dessen Figur Galizia an diesem Abend schlüpfte, auch nicht mehr. Irene Brioschi vom Theater Dietikon war schon vor dem Auftritt des komischen Musikers von seiner Show überzeugt. «Philip Galizia ist nicht zum ersten Mal bei uns im Stadtkeller. Ich verspreche, ihr werdet euch bestens unterhalten fühlen», sagte sie.

Ralph, von seiner Frau verlassen und nach einer Schlägerei mit dem Chef arbeitslos, tritt seine Reise an. Er stellt sich mit seinem Kontrabass und dem Schild «Gratis zum Mitnehmen» auf die Strasse. Viele Autos fahren an ihm vorbei, bis plötzlich doch noch jemand anhält. Der Mann im Lieferwagen führt ein Brockenhaus ganz in der Nähe.

Der Aufenthalt im Brockenhaus ist von kurzer Dauer. Ralph imitierte die Sirene des Polizeiautos auf seinem Bass, dass es dem Publikum im Stadtkeller in den Ohren schmerzte. Weil Ralph es sich auf der Rampe vor dem Brockenhaus gemütlich macht, wird er von der Polizei für einen Verbrecher gehalten und zum Verhör mitgenommen.

Ralphs Abenteuer führt dennoch bald weiter durch die Schweiz. Er besingt all die Momente und Begegnungen, die er erlebte, und begleitete sie auf seinem Bass. Die Mischung aus Humor, Erzählung und Musik kam in Dietikon an. In regelmässigen Abständen ging ein lautes Lachen durch das Publikum. Angekommen in Solothurn, wird Ralph für einen verlorengegangenen Götti gehalten, der als weltberühmter Bassist auf einer Beerdigung spielen soll.

Gratis gibt es nichts

Ralph begibt sich in die Kirche, spricht der Trauerfamilie sein Beileid aus und versucht dem Können eines weltberühmten Musikers gerecht zu werden.

Ralph treibt es weiter ins Wallis. Mit der hübschen Gerda fährt er bis ins hinterste Seitental des Kantons. Hier soll er einer Schar von Frauen bei ihrem Trommelworkshop helfen. «Es war das Paradies. Wir haben gelebt wie die Indianer», schwärmte Ralph. Eine Woche lang war er der Hahn in Korb. Doch als sich Ralph später in Brig in ein Restaurant setzt, überraschen ihn zahlreiche Reporter. Wer er sei und warum er sich mit einem Gratis-Schild auf die Strasse stelle, wollen sie von ihm wissen. Sogar zu einer Talkshow wird Ralph eingeladen.

Da wird ihm klar: Gratis gibt es nichts. Mit seiner erlangten Berühmtheit wollte jeder aus seinem «Experiment» Profit schlagen. «Dennoch lebe ich heute noch mit dieser Einstellung», sagte Ralph. «Wie das ist? Nun, manchmal schwieriger und manchmal einfacher.»

Dass Brioschis Versprechen zu Beginn des Abends kein leeres war, bestätigte das Publikum mit tosendem Applaus. «Das Programm war witzig und philosophisch zugleich. Es war nicht nur amüsant, sondern hatte auch den nötigen Tiefgang», sagte Marianne Hauser aus Muri. Ihr Mann, Bruno Hauser, stimmte ihr zu. «Wir werden Philipp Galizia wohl nicht zum letzten Mal gesehen haben», sagte er.