Bergdietiker, die für ihre Geldgeschäfte den Schalter einer Raiffeisenbank brauchen, müssen ab dem 1. November den Weg nach Dietikon oder Schlieren auf sich nehmen. Dass mit der Schliessung der kleinen Filiale an der Bergstrasse aber auch der Bancomatbetrieb eingestellt wird, wird die Kunden sicher besonders schmerzen. Der Bankautomat war für die Bergdietiker der schnellste und unkomplizierteste Weg, sich mit Bargeld zu versorgen.

Gemeindeammann Gerhart Isler gab zu der Nachricht nur ein knappes Statement ab. Das sei eine private Firma. Die Gemeinde habe auf deren Entscheidungen keinen Einfluss. «Aber wenn die Umsätze nicht mehr stimmen, kann man diesen Schritt absolut nachvollziehen. An manchen Tagen sollen nur zwei oder drei Kunden den Schalter genutzt haben», so Isler. Die Limmattaler Zeitung wollte von Valerio Rizzo, Vorsitzender der Bankleitung Raiffeisenbank an der Limmat, wissen, welche Gründe zu dieser Entscheidung geführt haben.

Herr Rizzo, wann haben Sie die Bergdietiker Kunden und die Gemeinde von der Schliessung informiert?

Valerio Rizzo: Die Kunden und die Gemeinde wurden Ende September schriftlich informiert.

Warum muss die Filiale schliessen?

Die Kundenwünsche und -bedürfnisse sind stark im Wandel. Analysen der Kundenkontakte an unseren Bankschaltern zeigen auf, dass sich die Schalterfrequenzen an all unseren Standorten in den letzten Jahren rückläufig entwickelt haben. Bargeldlose Zahlungsmittel werden immer stärker genutzt und Zahlungsaufträge vermehrt via E-Banking ortsunabhängig abgewickelt. Der Bankschalter als Bargeldbezugsort verliert an Bedeutung. Auf der anderen Seite nimmt der Beratungsbedarf aufgrund neuer Produkte und Dienstleistungen laufend zu. Diese Entwicklung zeigt sich bei der Geschäftsstelle in Bergdietikon besonders ausgeprägt, die bereits jetzt nur reduziert geöffnet hat.

Wurden in der letzten Zeit noch weitere Raiffeisenbank-Filialen im Kanton Zürich geschlossen?

Die Raiffeisenbank an der Limmat Genossenschaft hat keine Filialen im Kanton Zürich geschlossen. Wir haben im Jahre 2012 sogar eine neue Filiale in Schlieren eröffnet.

In Ihrer Medienmitteilung zur Schliessung der Geschäftsstelle schreiben Sie auch von der wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre. Können Sie das präzisieren?

Wir haben das Geschäftsstellennetz an die Kundenbedürfnisse im gesamten Geschäftskreis angepasst. Mit der Optimierung des Geschäftsstellennetzes wollen wir unsere Dienstleistungen in den restlichen Geschäftsstellen (Dietikon, Schlieren) konzentrieren und somit auch langfristig attraktive Konditionen für unsere Mitglieder und Kunden vor Ort sicherstellen.

Können Sie Zahlen zu den abgenommenen Schalterfrequenzen nennen?

In den letzten fünf Jahren haben die Schalterfrequenzen um etwa 30 Prozent abgenommen.

Wie wird es mit der Angestellten der Bergdietiker Filiale weitergehen?

Der Verwaltungsrat und die Bankleitung freuen sich, die langjährige Mitarbeiterin in Schlieren weiter beschäftigen zu können.

Die Bank bietet ortsunabhängige Beratungen an. Gilt das auch für Bergdietikon oder nur für die Geschäftsstellen in Dietikon und Schlieren?

Unsere Kunden können auch ausserhalb der Schalteröffnungszeiten Beratungstermine vereinbaren. Sie können zu uns auf die Geschäftsstellen Dietikon oder Schlieren kommen. Auf Wunsch gehen wir auch zu ihnen nach Hause.

Sind die Hausbesuche ein neues Angebot?

Nein, das Angebot galt auch bisher schon.

Welche Schritte unternehmen Sie, um keine Kunden an die anderen Dietiker und Schlieremer Banken zu verlieren?

Dank der Konzentration auf die zwei Standorte Dietikon und Schlieren können unsere Berater den Fokus noch stärker auf die Kundenbetreuung richten.

Was passiert mit dem Bergdietiker Filial-Gebäude?

Die Räumlichkeiten gehören der Bank. Was genau daraus werden soll, ist noch nicht bekannt. Darüber haben wir noch nicht entschieden. Wir wollen Schritt für Schritt vorgehen.