Plötzlich erlischt das Licht der Strassenlaternen. Doch statt Angst herrscht unter den anwesenden Kindern beim Schulhaus Schlüechti in Weiningen nur Vorfreude. Denn sie wissen, dass der Räbeliechtliumzug jetzt beginnt. Geführt von der Tambourengruppe der Kreismusik Limmattal bahnte sich der Tross seinen Weg durchs Dorf.

Sie nehmen damit an einem Anlass mit einer langen Tradition teil – die aber schwer zurückzuverfolgen ist. Ab den 1920er-Jahren wurden in ländlichen Gebieten des Zürcher Oberlands Lichterumzüge beobachtet. Die Tradition hängt mit dem Ende der Erntezeit zusammen. Die Rebe ist zum einen eine der zuletzt geernteten Feldfrüchte und war im Mittelalter zudem ein Grundnahrungsmittel. Heute kennt man Räbeliechtliumzüge vor allem in den Kantonen Zürich, Aargau, Basel, Solothurn und Bern. Das bedeutsamste Fest mit Räbenlichtern ist die seit 1908 durchgeführte «Räbechilbi Richterswil».

Ähnliche Traditionen sind die im deutschsprachigen Raum verbreiteten Lichterumzüge zum Anlass des Sankt-Martins-Tags, die im thurgauischen Weinfelden zelebrierte Bochselnacht, bei der Kinder mit verzierten Runkelrüben durchs Dorf ziehen, sowie das vor allem in Deutschland verbreitete Rübengeistern. Letzteres weist mit seinen grimmig verzierten Rüben auf eine Verwandtschaft jener Traditionen zu Halloween hin. (flo/huz)