Die These ist beunruhigend: In einem Artikel über Verbindungen der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in die Schweiz schreibt die «Weltwoche», mittlerweile seien sieben Fälle von Dschihadisten aus dem Umfeld der Winterthurer An-Nur-Moschee bekannt. Und weiter: «Trotzdem sollte man das Augenmerk nicht allein auf Winterthur richten. Neben der Genferseeregion und dem Tessin gibt es Konzentrationen von extremistischen Islamisten und Dschihad-Sympathisanten unter anderem im Zürcher Glattal und Limmattal.»

Während die «Weltwoche» das Glattal in der Folge nicht weiter erwähnt, schildert sie ausführlich, was es mit der «Konzentration im Limmattal» auf sich haben soll. Gemäss dem Artikel des Wochenblatts handelt es sich bei der «Konzentration» um genau eine Person, die Wesam A. genannt wird. Der Iraker sei 2004 als Asylsuchender in die Schweiz gekommen. Er habe zunächst in einem Haus beim Winterthurer Bahnhof gewohnt, dem gleichen Haus, in dem auch der umstrittene Winterthurer Imam A. E. lebte. Später sei Wesam A. nach Schlieren gezogen, um sich danach in Baden einzumieten.

2014 wurde er zusammen mit dem Iraker Mohammed O. und einem weiteren Iraker verhaftet. Vergangenen Oktober hat die Bundesanwaltschaft laut «Weltwoche» Anklage wegen Beteiligung beziehungsweise Unterstützung einer kriminellen Organisation eingereicht. Sie wirft dem Trio vor, einen Terroranschlag geplant zu haben, wie die «Weltwoche» weiter meldet. Wesam A. habe dabei als Schlepper und Gehilfe gedient. So sollte er einen Terroristen aus dem Nahen Osten in die Schweiz einschleusen. Im März 2014 sei er, wie es unter Berufung auf Entscheide des Bundesstrafgerichts weiter heisst, in die Türkei gereist, um einen kleinen Datenträger vom IS in Empfang zu nehmen und in die Schweiz zu bringen. Belegt sei, dass die Reise stattgefunden habe. Der USB-Stick, auf dem sich Anweisungen für einen Terroranschlag befunden haben sollen, sei jedoch nie gefunden worden.

Auf Anfrage der «Limmattaler Zeitung» wollte die Bundesanwaltschaft (BA) zu dem Fall nicht näher Stellung nehmen. «Wir können jedoch bestätigen, dass die Bundesanwaltschaft zurzeit 33 Strafverfahren mit Bezug zu islamischem Terror führt», so BA-Sprecherin Nathalie Gruth. «Dabei ermitteln wir in erster Linie wegen Unterstützung einer kriminellen Organisation, aber auch wegen Verstosses gegen das IS-Gesetz.»

Weiterhin erhöhte Polizeipräsenz

Auf die Frage, was es mit den angeblichen «Konzentrationen» von radikalisierten Islamisten und Dschihad-Anhängern im Raum Zürich auf sich hat, will auch die Kantonspolizei Zürich nicht näher eingehen. Der Bund sei zuständig. Nur so viel gibt Kapo-Sprecherin Carmen Surber bekannt: «Die Kantonspolizei Zürich überprüft die Sicherheitslage im Kanton laufend. Wir stehen in engem Kontakt mit anderen Polizeikorps und dem Bund.» Nach den Terroranschlägen in Paris vom 13. November verstärkte die Kapo ihre Präsenz an neuralgischen Punkten wie dem Hauptbahnhof Zürich, dem Flughafen Zürich und dem Bahnhof Winterthur. Diese erhöhte Polizeipräsenz bleibt laut Surber vorerst aufrechterhalten. Ob es seither vermehrt Festnahmen in Zusammenhang mit der Gefahr terroristischer Aktionen gab, behält die Kapo «aus polizeitaktischen Gründen» für sich.

Nicht verstärkt habe die Kapo die Aktivitäten ihrer Fachstelle Brückenbauer. Diese pflegt Kontakte zu anderen Kulturkreisen und ist der Kapo-Präventionsabteilung angegliedert. «Wir sehen keinen Handlungsbedarf, die bestehende Praxis zu ändern», so Surber. (mts)