Dietikon

«Qwan Ki Do ist nicht nur ein Kampfsport, es ist ein Lebensstil»

Zurzeit trainiert Urs Wehrli rund 40 Nachwuchskämpfer.

Zurzeit trainiert Urs Wehrli rund 40 Nachwuchskämpfer.

Mit 18 Jahren entdeckte Urs Wehrli in Dietikon die Kampfkunst Qwan Ki Do für sich.

Urs Wehrli begeisterte sich früh für das Kunstturnen. Doch da der Erfolg ausblieb, musste er das Hobby aufgeben. «Kunstturnen ist ein Leistungssport. Wer nicht schon in jungen Jahren gut genug ist, hat kaum eine Chance», sagt Wehrli, der in Dietikon aufwuchs. Stattdessen konzentrierte er sich auf die Musik.

Mit 18 Jahren spielte er ­Gitarre in einer Band, die nahe des Dietiker Bahnhofs probte. «Im gleichen Gebäude gab es eine Judo-Schule. Dort wurde auch ein Kurs für Qwan Ki Do von Giam Su Nazzareno Caretti angeboten.» Ein Freund habe ihn schliesslich dazu überredet, am Kurs teilzunehmen. So entdeckte er seine Leidenschaft für Qwan Ki Do. Und er fand darin einen guten Ersatz für das Kunstturnen.

Qwan Ki Do ist eine Kampfkunst, die auf chinesischen und vietnamesischen Kampfstilen basiert. «Wir sind Spezialisten für Halsscheren. Damit konnten vietnamesische Kämpfer früher berittene Gegner aus dem Sattel werfen», sagt der 45-Jährige. Zudem werde der Umgang mit traditionellen Holz- und Schnittwaffen trainiert. Wehrli hat sich auf den Langstock, Moc Can (kurze Stöcke), Ma Dao (Säbel) und den Speer spezialisiert.

Die Kampfkunst wurde von einem Vietnamesen entwickelt und nach Europa gebracht. «Der Meister kämpfte im Vietnamkrieg auf der Seite der Amerikaner, musste dann aber nach Frankreich fliehen», erklärt Wehrli. So habe sich die Kampfkunst in Europa verbreitet. In Rumänien könne man darin sogar einen Doktortitel erlangen. Nur in der Schweiz friste Qwan Ki Do noch ein Schattendasein.

Er ist der Leiter zweier Qwan-Ki-Do-Clubs

Wehrli lebt seit zehn Jahren in Ammerswil, wo er einen Club für Qwan Ki Do eröffnet hat. Und auch die Leitung des Dietiker Clubs hat er einige Jahre ­später von seinem ehe­maligen Lehrer übernommen. Zurzeit unterrichtet er rund 40 Schülerinnen und Schüler in Qwan Ki Do.

Da die Kampfkunst in der Schweiz nicht sehr bekannt ist, kann er nicht vom Unterrichten leben. «Ich arbeite als Servicetechniker im Audio- und Video-Bereich und muss deshalb oft spontane Termine wahrnehmen.» Nebenbei noch pünktlich bei den Kursen zu erscheinen, sei sehr schwierig. Er versuche aber, so oft wie möglich anwesend zu sein: «Es gehört dazu, das Wissen um die Kampfkunst an Nachwuchskämpfer weiterzugeben.» Zudem habe er gute Trainerkollegen, die ihn unterstützen. «Ohne sie wäre das alles nicht möglich.»

2011 wurde er Dritter an den Weltmeisterschaften

Qwan Ki Do sei nicht nur ein Kampfsport. Es gehöre mehr dazu: «Es ist ein Lebensstil.» So werde beispielsweise viel Wert auf moralische Tugenden wie Respekt, Ehrlichkeit, Bescheidenheit und gemeinsames Weiterkommen gelegt. Und auch die Lehre der Körperbeherrschung sei wichtig.

Doch die Kampfkunst hat auch eine sportliche Seite: Es gibt Meisterschaften, bei welchen sich die Kämpfer sportlich messen. Auch Wehrli hat oft an Wettkämpfen teilgenommen. An der Weltmeisterschaft 2011 in Marokko und an der Europameisterschaft 2013 in der Schweiz erreichte er den dritten Platz im Waffenkampf.

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Autor

Manuel Reisinger

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