Dietikon

Quartett «idée manu» – ungewöhnliche Takte fordern das Gehör

Die Formation «ideé manu» setzt bei der Interpretation der Musik von Boris Blacher ganz auf Improvisation.

Die Formation «ideé manu» setzt bei der Interpretation der Musik von Boris Blacher ganz auf Improvisation.

Das Quartett «idée manu» präsentierte neu interpretierte Musik von Boris Blacher. Sie haben auf der Kasperlibühne in Dietikon die Uraufführung ihres neuen Programms gefeiert.

Gleich mit zwei Premieren wartet die Kasperlibühne in Dietikon auf. Zum einen ist es das erste Mal, dass Monika Schmucki ein Konzert organisiert. Zum anderen feiern die auftretenden Musiker von «idée manu» an diesem Samstag die Uraufführung ihres neuen Programms.

Das Quartett bestehend Pianistin Manuela Keller, Posaunist Nick Gutersohn, E-Bassist Jan Schegel und Schlagzeuger Marco Käppeli widmet sich der Klaviermusik von Boris Blacher. Zwischen 1945 und 1975 war er einer der meistgespielten deutschen Komponisten. «Klatschen Sie nicht mit, sonst fliegen wir aus dem Stück», warnt Käppeli das Publikum schon vorab - wenn auch mit einem Augenzwinkern. Und doch sollte er damit recht behalten.

Denn Blachers Musik ist eigenwillig und ungewöhnlich. Kaum kommt das Gefühl auf, sich an einen Takt gewöhnt zu haben, ist er auch schon wieder verflogen und einem neuen gewichen. «Es gibt tatsächlich keinen Takt, der durchgehend ist», sagt Keller. Blacher habe sowohl Acht-Achtel-Takte als auch Sieben-, Sechs-, oder Fünf-Achtel-Takte komponiert.

Seh- und Hörerlebnis

«Idée manu» spielt Blachers Musik aber nicht einfach ab Blatt. Jedes Stück sei neu interpretiert und komponiert worden, so Keller. Nur der Anfang und das Ende der Stücke stehe fix, alles, was dazwischen passiere, sei reines Improvisieren der vier verschiedenen Instrumente.

Die Musik von «idée manu» ist Musik, die man nicht nur hören, sondern auch live sehen muss. Ansonsten könnte der geordnete Lärm, wie Keller die lauten Passagen der Kompositionen beschreibt, wohl schnell als chaotisch und zu extrem bezeichnet werden. Bassist Jan Schegel bedient sich beispielsweise eines Stücks Korken, mit dem er über die Saiten streicht. Das erzeugt ein quietschendes, fast unangenehmes Geräusch. Mehrere Minuten lang gibt er ein Solo zum Besten, lässt seine Hände den Hals seines Basses hinauf und wieder hinabwandern. Dabei ist er mit krummem Rücken über seinen Bass gebückt und steht dazu teilweise nur auf einem Bein. Die Schweissperlen auf seiner Stirn sind nun deutlich erkennbar.

Eigenwillige, aber mitreissend

Nach und nach steigen die anderen Musiker wieder ins Spiel ein. Der Saxofonist Nick Gutersohn setzt ein, indem er die Aufsätze für sein Saxofon im Takt aufeinander schlagen lässt. Dann beginnt auch Marco Käppeli, mit feinen Pinseln über sein Schlagzeug zu streichen. Und schliesslich komplettiert Keller mit ihrem Klavierspiel das Stück.
Nach einer guten Stunde beendet das Quartett sein Spiel. «Wir sind uns bewusst, dass die Musik sehr anspruchsvoll ist.

Deshalb könnte man gar nicht viel länger konzentriert zuhören», so Keller. Das Publikum diskutiert im Anschluss an das Konzert das soeben Gehörte und bezeichnet es einstimmig als sehr eigenwillig aber dennoch mitreissend, spannend und speziell. Peter Vollenweider aus Bergdietikon haben vor allem die Improvisationskünste von «idée manu» fasziniert. «Diese Musiker sind Profis und könnten jegliche Art von Musik spielen», sagt er.

Monika Schmucki freut sich ebenfalls über das Konzert. Dennoch bleibe es wohl vorerst bei dieser Aufführung. «Es ist doch ein grosser Aufwand, die Bühne jedes Mal umzubauen. Ich möchte aber auch nicht ausschliessen, wieder einmal ein Konzert zu veranstalten», sagt Schmucki.

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