Dietikon

Qiulin Luo: Der Sternekoch verrät die drei Geheimnisse seines Erfolgs

Qiulin Luo an einem Tisch in seinem Teil des Restaurant Ochsen.

Qiulin Luo an einem Tisch in seinem Teil des Restaurant Ochsen.

Qiulin Luo sicherte dem Limmattal letzte Woche den zweiten Eintrag im «Gault Millau»-Führer. Die Liz durfte ihm in seiner Küche über die Schulter schauen.

Qiulin Luo hängt seine «Gault Millau»-Punkte nicht an die grosse Glocke. Sein chinesisches Restaurant ist im hinteren Teil des «Ochsen» in Dietikon untergebracht. Es sieht so aus, wie man es sich in einem Lokal dieses Namens eben vorstellt: wie in einer durchschnittlichen Schweizer Beiz. Nur die rote Tafel mit der weissen «13» für die Anzahl Punkte, die letzte Woche wieder bestätigt wurde, verrät, wie gut hier gegessen wird. Luo hat an einem der dicht beieinanderstehenden Tische Platz genommen und atmet durch. Vor wenigen Minuten haben die letzten Mittagsgäste das Restaurant verlassen. Der Meister ist bereit, die Besucher in die Geheimnisse seiner Kochkunst einzuführen.

Doch halt: Das Telefon klingelt. Luo geht ran und nimmt eine Reservation für acht Personen entgegen, die bei ihm Geburtstag feiern wollen. Er habe sehr viele Reservationen, sagt er. Neben den vielen prominenten Gästen, die in seinem Restaurant ein und aus gehen, wissen mittlerweile auch die normalsterblichen Dietikerinnen und Dietiker, was sie an ihrem China-Koch haben. Er wohnt schon länger im Bezirkshauptort und hat vor eineinhalb Jahren auch seine Küche von Zürich hierher verlegt. «Wir haben immer mehr Gäste aus Dietikon und den umliegenden Gemeinden», stellt der Koch erfreut fest.

Das Paradegericht des Meisterkochs ist das knusprige Rindfleisch.

Das Paradegericht des Meisterkochs ist das knusprige Rindfleisch.

Luo steht auf und führt durch ein Hinterzimmer in die Küche, die er mit dem Koch des «Ochsen» teilt. Sein Reich umfasst eine Ablage mit Spülbecken sowie einen schmalen Gang, an dessen Ende sich ein Wok und eine Fritteuse befinden. Auf diesen zwei einfachen Geräten bereitet Luo alle seine Gerichte zu. Ein erstes Geheimnis seiner Kunst: In der Küche ist Luo eher Handwerker als Ingenieur.

Für die chinesische Küche reiche diese Ausstattung völlig aus, hält Luo fest. «Viel Feuer ist das Wichtigste», sagt er und deutet auf den grossen Brenner unter dem Wok – sein zweites Geheimnis. Weil ein herkömmlicher Herd zu wenig Hitze erzeuge, sei es schwierig, seine Gerichte zu Hause nachzukochen. Den Beweis tritt Luo sofort an und macht sich daran, uns sein Parade-Gericht zuzubereiten: das knusprige Rindfleisch. Die Rindfleischstückchen wurden bereits drei Stunden in Weisswein, Eiweiss, Salz und Pfeffer mariniert. Nun giesst er mehre Löffel Öl in den Wok und schaltet den Brenner an. Die Fleischstücke dreht Luo nun in reichlich Maizena und legt sie nacheinander ins rauchend heisse Öl. Wenn dieser Schritt glückt, wird das Gericht später seinem Namen zur Ehre gereichen.

Luo hebt das Fleisch aus dem Wok und lässt es abtropfen. Der zweite Schritt ist die Sauce. Dazu brät er einige Löffel zerdrückten Knoblauch in Öl an, fügt Sambal Oelek, Ingwer und viel Zucker hinzu und rührt. Dann kommen asiatischer Essig, Sesamöl und Sojasauce hinein, bevor Luo das Fleisch wieder zur Sauce gibt, die durch den karamellisierten Zucker einen schönen rostbraunen Glanz erhalten hat.

Wenn man Luo beim Anrichten zusieht, wird klar, dass er das Kochen zu den schönen Künsten zählt: sein drittes Geheimnis. Auf einem Teller formt er aus Schnittlauchhalmen, einem geschnitzten Stück Karotte sowie dünnen Gurkenstreifen einen Teich mit Schwan und Schilf. Hier werden sich die zwei Frühlingsrollen, die Luo als Vorspeise serviert, sicher wohlfühlen. Sorgfältig färbt er nun die Spitzen einer aus Kohlrabi geschnitzten Blume rot ein und drapiert sie zusammen mit weiterem Gemüse zum Rindfleisch auf den Teller. Seine Dekorationen würden sich bei verschiedenen Aspekten der chinesischen Kultur bedienen, sagt Luo, der in Schanghai chinesische Literatur studiert hatte, bevor er sich dazu entschied, sich dem Kochen zuzuwenden. «Dank meinem Studium kenne ich die chinesische Kultur sehr gut», sagt Luo, «das hilft mir auch beim Kochen.»

Der Hunger kann warten: Limmattaler-Restaurants sorgen für Gourmet-Freuden

Die Dietiker Restaurants „Luo“ und Krone sahnten beide je 13 „Gault Millau“-Punkte ab. Ein Online-Aufruf brachte weitere Restaurants und Geheimtipps zutage, die allesamt hoch im Kurs stehen.

Restaurant-Empfehlungen der Gruppe «Fans vom Limmattal».

Restaurant-Empfehlungen der Gruppe «Fans vom Limmattal».

«Gault Millau»-Punkte sind, neben den Michelin-Sternen, quasi ein Ritterschlag in der Gastroszene. Und wie im letzten Jahr wurden diese heuer auch wieder in Dietikon verteilt: Das China-Restaurant «Lou» und die Taverne zur Krone bekamen je zwei Punkte (wir berichteten). Aber sind das die einzigen Gourmet-Tempel im Limmattal? Mitnichten. In der Facebook-Gruppe «Fans vom Limmattal» starteten wir einen Aufruf, um weitere Restaurants erwähnen zu dürfen, die ebenso punkten.

Edle Küche

Die Resonanz war gross. Viel Lob erhielt dabei der Gasthof Herrenberg in Bergdietikon. Limmattaler-Fan Martin Müller findet in der «Oase im Grünen» (mit Forellen aus dem eigenen Teich) nicht nur das Essen toll, sondern auch die Aussicht. Ebenfalls für viel Begeisterung sorgte das Restaurant Winzerhaus in Weiningen. Keine Frage, das dortige Weinsortiment sowie die traditionelle und saisonale Küche locken an. Und wenn diese auf der Sonnenterasse genossen werden, freut das auch Sonja Keller, wie sie online schrieb.

Leidenschaftliche Gerichte

Selbstverständlich wurde in den Kommentaren auch das Schlieremer Stüürmeierhuus prominent erwähnt. Barbara Angelsberger meint dazu, dass die ganze Idee dahinter einfach „super» sei. Doch die «gutbürgerlichen» Gerichte, wie sie die Wirtschaft selbst nennt, bekommen in Schlieren Konkurrenz vom Restaurant Mezze, das libanesische Speisen serviert. Josefina Della Spada schwärmt online von der dortigen Leidenschaft sowie der gelebten Authentizität.

Mediterran oder asiatisch?

Als Geheimtipp wird das Schlieremer Restaurant SAX von Claudio Lorenzet beschrieben: Dessen Koch Manuel sei ein Virtuose seines Fachs und erinnere an einen Stierkämpfer, der auf mediterrane Küche setzt. Auch die asiatische Küche wir bedacht. So schreibt Josef Gius Wiederkehr, dass das Restaurant Old Town in Dietikon mit seinen chinesischen und malaiischen Spezialitäten besonders durch eine sympathische Gastgeberfamilie besteche.

Restaurant-Empfehlungen der Limmattaler auf Facebook.

Restaurant-Empfehlungen der Limmattaler auf Facebook.

Ciao Italia

Aber nichts geht im Limmattal über die italienische Küche – jedenfalls für viele, die ihre Tipps veröffentlichten. So verfüge die Sonne in Urdorf laut Barbara Angelsberger über eine Küche mit «höheren Ansprüchen» und eine familiäre Bedienung. Besonders deren Pizzas seien toll, lobt Marion Holzer. In Urdorf hingegen soll das Restaurant Il Gabbiano besonders leckere Pizzen zubereiten.

Dass die Geschmäcker verschieden sind, gilt hier ganz besonders – viele weitere Lokale könnten hier genannt werden. Wäre da nicht User Claudio Lorenzet, der ganz bestimmt weiss, wo am besten gespeist wird: «Die allerbeste Küche ist die unserer Mütter - unvergleichlich, unvergesslich und einfach gut!»

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