Geroldswil
Pures «Limmatgold» an der Classic Night der Limmattaler Kulturparty

Zwar wagte die Musik oft den Sprung zur U-Musik - dies aber äusserst gekonnt: Formationen wie «Le Donne Virtuose» sorgten an der beliebten Classic Night im Rahmen der Limmattaler Kulturparty für einen kurzweiligen Abend.

Daniel Diriwächter
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Kulturparty in Geroldswil
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Werner Stulz, der künstlerische Leiter der 5. Limmattaler Kulturparty
Ean Gidman aus Deutschland
Beinahe ein Heimspiel für das Streichquartett «Le Donne Virtuose»

Kulturparty in Geroldswil

Limmattaler Zeitung

Die Stimmung war toll, auch wenn Petrus etwas launisch war. Der Wetter-Heilige liess an der Classic Night einzelne Sonnenstrahlen zu, allerdings sorgte ein kühler Wind für Herbststimmung. So trugen die Angestellten des Hotels Geroldswil im Minutentakt Stapel mit Wolldecken unter den imposanten Baldachin auf den Dorfplatz.

Das zahlreich erschienene Publikum liess sich davon nicht beirren und genoss den zweiten Abend der 5. Limmattaler Kulturparty mit exquisitem Dinner. Unter ihnen war auch Gemeindepräsidentin Ursula Hofstetter, die zudem als Vorsitzende des Kulturvereins Spektrum für den Event verantwortlich war.

Die Gemeinschaft pflegen

«Es ist eine Kunst, diese beiden Ämter miteinander zu vereinbaren», sagte Hofstetter. Sie werde aber durch ihren tollen Vorstand in jeder Hinsicht unterstützt. Die Classic Night wurde bereits vor acht Jahren ins Leben gerufen und 2008 in die von Spektrum organisierte «Kulturparty» eingebunden.

Seither verwandelt sich der Dorfplatz einmal im Jahr an fünf Tagen in eine Open-Air-Bühne. «Für uns ist es wichtig, die Gemeinschaft im Dorf zu pflegen», so Hofstetter. Raffinierte Lichteffekte bewiesen, wie gekonnt der Anlass gestaltet worden war. Wobei die Bezeichnung «Classic» rein musikalisch etwas strapaziert wurde.

Zum Auftakt ertönten zarte Klänge der Gruppe GG Strings aus Geroldswil. Zu «An der schönen blauen Donau» träumte sich das Publikum an ruhige Wasser. Bis auf die beiden jungen Mädchen, die just in diesem Moment mit scheppernden Trottinetts ihre Runden auf dem Dorfplatz drehten. Die Formation der Limmattaler Kammermusik Kreis spielte aber mit Bravour gegen die Störenfriede an und schwärmte nach dem Auftritt von der tollen Stimmung.

Nach der im Sauseschritt servierten Kirschen-Tarte zum Dessert spielte der englische Saxofonist Ean Gidman auf der im faszinierenden Lichtspiel strahlenden Bühne. Eine Virtuose seines Fachs: Albinoni oder Händel mit einem Blasinstrument zu spielen, erfordert Talent und entsprach dem Geschmack des Publikums. Ein frenetischer Applaus war das verdiente Resultat. Der künstlerische Leiter Werner Stulz, der alle Darbietungen mit Freude überwachte, zeigte sich ebenfalls begeistert. «Wahre Talente sind immer sehr professionell», schwärmte er.

Zwischen E- und U-Musik

Zum Finale brillierte das Streichquartett «Le Donne Virtuose». Die vier Geigerinnen, von denen Eva-Maria Burkard aus Dietikon stammt, perfektionierten die Balance zwischen E- und U-Musik. Die Damen demonstrierten überzeugend, dass sie Feuer in den Saiten und Musik im Blut haben. So verlief der zweite Abend der Limmattaler Kulturparty wohltuend anders als die derzeit in Zürich oft aufgeführte Wagner-Manie. Vielleicht fehlte Richard Wagner einfach ein Saxofon? Die Classic Night darf daher getrost als «Limmatgold» bezeichnet werden.