Stiftung Hohenegg

Psychiater engagiert sich ehrenamtlich für sozial schwache Patienten

Psychiater Daniel Hell wechselt in die Stiftung Hohenegg und arbeitet ehrenamtlich.

Psychiater Daniel Hell wechselt in die Stiftung Hohenegg und arbeitet ehrenamtlich.

Der langjährige Psychiater Daniel Hell hat die Leitung des Kompetenzzentrums Depression und Angst der Klinik Hohenegg in Meilen abgegeben. Der 70-Jährige wechselt in die Stiftung Hohenegg und arbeitet künftig ohne Lohnbezug.

Seit Anfang Jahr ist die Stiftung Hohenegg um ein Angebot reicher: Sie bietet gemeinnützigen Institutionen wie den Sozialwerken von Pfarrer Sieber, Caritas oder anderen diakonischen Werken, die sich für sozial benachteiligte psychisch Kranke engagieren, kostenlose Beratung an. In Einzelfällen können ausgewählte Patienten dieser Institutionen auch Therapie in Anspruch nehmen. «Damit besinnt sich die Stiftung auf ihre Wurzeln», sagt Daniel Hell. Diese würden in der gemeinnützigen Tätigkeit liegen. Der 70-jährige Psychiater und Psychotherapeut realisiert und betreut das neue Angebot. Zuvor leitete er während sechs Jahren das Kompetenzzentrum Depression und Angst der Privatklinik Hohenegg. Diese gehört der Stiftung.

Vor knapp zwei Wochen hat Hell die Leitung des Zentrums abgegeben und ist in den Stiftungsrat gewechselt. «Ich wollte mich wieder stärker sozialpsychiatrisch engagieren», sagt Daniel Hell, der unter anderem fast 20 Jahre lang ärztlicher Direktor der psychiatrischen Universitätsklinik Zürich war und als Professor an der Universität Zürich lehrte. Die Tätigkeit als Leiter des Kompetenzzentrums für Angst und Depression fand Hell zwar interessant. «Ich konnte sehr intensiv und differenziert mit der Klientel arbeiten.» Dennoch habe er das breite Spektrum an Patienten, das er in seinen früheren Tätigkeiten meist hatte, vermisst. «Mein Herz schlägt eben auch für sozial schwächere Menschen.»

Mit seiner Idee der kostenlosen Unterstützung von gemeinnützigen Institutionen und deren psychisch kranken Patienten stiess Hell beim Stiftungsrat auf offene Ohren. Die Mitglieder hätten stets Mühe damit bekundet, dass die Klinik seit 2005 nur noch einem Teil der Bevölkerung offensteht, erzählt er. Seit dann behandelt die Privatklinik nur noch zusatzversicherte Patienten oder Selbstzahler, weil der Kanton keine Subventionen mehr zahlt. Zuvor war die Institution auf der Spitalliste und stand damit allen Bevölkerungsschichten offen.

An dem neuen Angebot beteiligen sich Daniel Hell und die Klinik gemeinsam. Hell arbeitet mehrheitlich ehrenamtlich, abgesehen von einer Entschädigung von der Klinik. Diese stellt zusätzlich die Infrastruktur wie Büro, Informatik und Sekretariat gratis zur Verfügung für die ausgewählten Patienten der Institutionen, die der Psychiater betreuen wird.

Der ehemalige Zentrumsleiter hat bereits mit seiner neuen Arbeit angefangen. Der Übergang von der alten zur neuen Tätigkeit sei fliessend verlaufen. Er habe noch im letzten Jahr mit einzelnen Stiftungen Kontakt aufgenommen. «Erste reagierten sehr erfreut.» In erster Linie wird Hell, der auch diverse Bücher und Artikel publiziert hat, die Mitarbeitenden bei konkreten Problemen mit Patienten beraten. Dies kann in Form von Supervisionen oder Fallbesprechungen geschehen. Der direkte Kontakt mit Patienten ist auf Wunsch der Institutionen möglich und erfolgt in Abklärungen und Kurztherapien.

Zuvor stellen die Institutionen bei der Stiftung Hohenegg ein Gesuch um Unterstützung. Hell entscheidet, ob diesem entsprochen wird. «Wenn ich aber eine Not sehe, werde ich helfen.» Der 70-Jährige rechnet mit einem 40-Prozent-Pensum. Daneben betreut er einzelne reguläre Patienten, hält Fachvorträge und ist als Autor tätig. Mit dem ehrenamtlichen Engagement wolle er etwas zurückgeben, sagt Daniel Hell: «Ich hatte viel Glück im Leben.»

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