Er lebt schon länger von der AHV und ist gesundheitlich angeschlagen: der Schweizer, der an Mittwoch zusammen mit seinem Anwalt Hadrian Meister am Bezirksgericht Dietikon erschien. Sie hatten Einsprache gegen einen Strafbefehl erhoben, welchen die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis am 13. März ausgestellt hatte: eine Busse von 2500 Franken und eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 100 Franken.

Grund: Der Rentner soll vor etwas mehr als einem Jahr in einem Limmattaler Bordell eine Rumänin ohne Bewilligung beschäftigt haben. Zudem habe er ihren rechtswidrigen Aufenthalt gefördert, indem er ihr am Domizil des Bordells, wo er selber wohnt, Unterkunft gewährte.

Gleich zu Verhandlungsbeginn forderte der Verteidiger, dass diese in Abwesenheit des Beschuldigten durchgeführt wird, wegen dessen Gesundheitszustand. Er litt gerade an Durchfall. Einzelrichter Bruno Amacker folgte diesem Antrag, zumal der Beschuldigte schon in der Untersuchung seine Aussagen gemacht hatte. Dort gab er unter anderem an, Geschäftsführer des Bordells zu sein.

Das Alibi: ein Besuch beim Zahnarzt in Ungarn

«Er war bei der Einvernahme nicht in der Lage, verlässliche Angaben zu machen», sagte der Verteidiger dann in seinem Plädoyer. Denn im Handelsregister-Eintrag der GmbH, die das fragliche Bordell führt, erscheint der Mann gar nicht. Dafür ist seine von ihm getrennt lebende Ehefrau als Geschäftsführerin eingetragen.

Aber ohnehin sei der Mann zum Zeitpunkt, als die Dame ohne Bewilligung im Bordell gearbeitet haben soll, gar nicht vor Ort gewesen, sondern in Ungarn bei einem Zahnarzt, dessen Eingriff dann zu Komplikationen geführt habe. Dafür, dass er eine gewisse Verantwortung innehatte, gab es aber auch Argumente.

In Personal- und Bewilligungsfragen soll hingegen zum fraglichen Zeitpunkt eine andere Osteuropäerin als zeitweilige Geschäftsführerin fungiert haben, was diese in einem Schreiben an die Staatsanwaltschaft auch so bestätigte. Es ist also kompliziert. Erschwerend kam hinzu, dass die fragliche Prostituierte in diversen anderen Bordellen arbeitete.

Das Gericht sprach den Mann vom Vorwurf der Förderung illegalen Aufenthalts frei: Es war nicht bewiesen, dass er der Prostituierten Unterkunft gewährt hatte respektive dass sie dort schlief. In der Untersuchung hatte sie zudem glaubhaft angegeben, bei ihrem damaligen Freund in der Stadt Zürich gewohnt zu haben.

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«Schwarzarbeit fördert illegale Migration»

Für den Vorwurf, sie illegal beschäftigt zu haben, wurde der Schweizer aber schuldig gesprochen, zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 50 Franken und einer unbedingten Busse von 500 Franken. Damit wurden die Busse und die Geldstrafe stark reduziert. Das Gericht kam zum Schluss, dass es sich um eine vergessene Anmeldung handelte; einen Ausrutscher.

«Aber Schwarzarbeit wird heute zu Recht hart geahndet, weil sie der Volkswirtschaft schadet und die illegale Migration fördert», so Richter Amacker. Verteidiger Meister zeigte sich zufrieden. Eine Vorstrafe, die der Mann wegen eines ähnlichen Straftatbestands hatte, lag derart weit zurück, dass sie nicht mehr strafschärfend berücksichtigt werden durfte. Wie das mit der Bewilligung gemäss Ausländergesetz funktioniert, weiss er also.