Urdorf
Promis muntern am Glasperlenfestival Krebspatienten auf

Prominenz am Glasperlenfestival unterstützt kranke Kinder auf ihrem schweren Weg. Mit Glasperlen sollen die an Krebs erkrankten Kinder und Jugendlichen neuen Mut fassen.

Franziska Schädel
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Alexandra Helbling und Ernst Mosimann
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Am Glasperlenfestival in Urdorf drehte sich alles um Schmuck aus buntem Glas.
Das Mutperlenprojekt will krebskranken Kindern Freude bringen.
Ernst Mosimann mit Glaskoenigin und Glasprinzessin
Schluesselanhaenger fuer das Projekt Mutperle
Ernst Mosimann am Werk
Glaskuenstler praesentieren ihre Werke.
Glasperlenfestival in Urdorf

Alexandra Helbling und Ernst Mosimann

Franziska Schädel

Rote, blaue grüne Perlen. Runde Perlen. Barocke Perlen. Ketten, Colliers und Armbänder aus Perlen. Perlen in allen Formen und Farben. Liebhabern dieses filigranen Kunsthandwerks kamen am Wochenende am Glasperlenfestival in Urdorf voll auf Ihre Rechnung. Händler boten ihre Kunstwerke feil. In Vitrinen war antiker Glasschmuck zu bewundern. Models präsentierten die Schmuckstücke an einer Modeschau und aus Zwiesel in Deutschland waren die amtierende Glaskönigin und die Glasprinzessin zu Gast. Wer wollte, konnte sich selbst an die Produktion einer Glasperle wagen. Dazu brauchte es allerdings eine ruhige Hand und etwas Mut.
Mut brauchen auch an Krebs erkrankte Kinder und Jugendliche. Ihre Welt ist nicht die des Glitzerns und Glänzens von Schmuck und Mode. Und doch stand das Glasperlenfestival in Urdorf ganz in ihrem Zeichen. Prominente Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Sport hatten bereits im Vorfeld Mutperlen hergestellt, um Kinder auf ihrem schweren Weg zu unterstützen und aufzumuntern. Die Perlen werden Kinderspitälern für ihre kleinen Patientinnen und Patienten in der Schweiz durch den Verein Mutperlen und die Kinderkrebshilfe zur Verfügung gestellt.

Der Anker steht für den Beginn

Jede Perle hat eine ihre eigene Bedeutung. Da gibt es eine blaue Perle mit weissem Anker für den Beginn einer Behandlung, eine kleine rote Perle steht für den Stich in den Finger bei einer Blutentnahme. Es gibt den Chemo-Kasper und den Radio-Robby, den Froschkönig für die Notaufnahme und den Smiley für einen guten Tag.
Bei der Erstaufnahme in einer onkologischen Station erhalten die kleinen Patientinnen und Patienten eine lange Schnur, auf die sie das Hoffnungssymbol des Ankers, das Kinder Krebshilfe-Schnecklein und ihren Vornamen aus bunten Buchstabenperlen aufziehen. Je nach Therapie und Untersuchung kommen nach und nach die unterschiedlichsten Mutperlen dazu.
Iris Hörler, Gründerin und Präsidentin des Verein Mutperlen, wurde auf ein ähnliches Projekt in Amerika aufmerksam. Inzwischen beliefert der Verein fünf Kinderspitäler mit diesen Mutmachern. Über 10 000 Perlen werden jährlich von Glaskünstlerinnen und Glaskünstlern aus der ganzen Schweiz unentgeltlich produziert. «Ich stosse überall auf offene Türen und fast jede Woche kommen neue Vereinsmitglieder dazu, die bereit sind, Perlen für unser Projekt herzustellen.
Die Liste der Menschen, die sich im Projekt Mutperlen engagieren, liest sich wie das Who-is-who der Schweizer Prominenz aus Kultur, Sport und Politik. Für Sandra Rottensteiner, Gemeindepräsidentin von Urdorf, ist es berührend, dass ihre Perlen zu Mutperlen für krebskranke Kinder werden. «Sie sollen mit guten Wünschen auf den Weg zu den Kindern gehen», sagt sie. Ihre rot-weissen Perlen bekommen die Kinder, wenn sie Fieber haben. Für die Gemeindepräsidentin eine sinnige Analogie: «Die Perlen sind im Feuer entstanden. Für mich ist Fieber auch Feuer. Ein Feuer, welches den Kampf im Körper gewinnen und gegen ein Infektionsrisiko erfolgreich kämpfen soll.»

Auch Johner färbte eine Perle

Auch für die Zürcher Kantonsratspräsidentin Brigitta Johner ist es eine wunderbare Idee, das Glasperlenfestival mit dem Projekt Mutperlen zu kombinieren. «Die Mutperlen sind kleine Kunstwerke und jede ist ein Unikat, so wie auch jedes Kind einen eigenen Charakter, eine individuelle Persönlichkeit hat.» Die Mutperle von Brigitta Johner ist farbig und feurig. Sie soll, so die Politikerin, in dunklen Zeiten Farbe ins Leben zu bringen. Ernst Mosimann, Organisator seines dritten, und wie er betont letzten Glasperlenfestivals, ist zufällig auf den Verein Mutperlen gestossen und kam auf die Idee, Prominente ins Boot zu holen. «Es ist mir nie ums Geld gegangen, sondern um Herzlichkeit», sagt der Glaskünstler aus Urdorf.

Wanderausstellung ist geplant

Ernst Mosimann bereits eine neue Idee, wie man die Mutperlen der Prominenten sonst noch verwenden könnte: Ein Stein mit den Namen und den Perlen der Prominenten soll auf eine Wanderausstellung in den beteiligten Spitälern gehen und den kranken Kindern die Botschaft vermitteln: Ihr seid nicht allein.