Es war ein kalkuliertes Verschwinden: Als die Rockband Radiohead vor rund einer Woche auf sämtlichen Online-Kanälen von Facebook bis Instagram ihre Profile löschten, waren Fans in heller Aufruhr – und die Medien sofort zur Stelle. 48 Stunden später meldeten sich die englischen Musiker wieder zurück. Das Löschen entpuppte sich als Werbe-Gag. Es genügt heutzutage nicht mehr, bloss Präsenz in den sozialen Medien zu markieren. Man muss auch mit ihnen umgehen können, damit ein maximaler Effekt erreicht wird.

Dank Social Media sind bekannte Persönlichkeiten heute nicht mehr unnahbare Ikonen, sondern geben sich persönlich. Dabei beschäftigen grosse Namen teils sogar eigene Assistenten, um ihr geschäftiges Leben online zu präsentieren. Auch viele Schweizer Prominente sind in den sozialen Medien anzutreffen, darunter auch bekannte Namen aus dem Limmattal.

Die Urdorferin Zaklina Djuricic, besser bekannt als Bachelorette, verteilt derzeit nicht nur Rosen, sondern auch fleissig Bilder auf Instagram: Ihre über 1000 Follower wollen schliesslich Nachschub. «Die Zahl meiner Fans auf Instagram ist seit der Sendung definitiv stark angestiegen», so Djuricic. Sie freue sich über die vielen positiven Nachrichten von Zuschauern, aber Schattenseiten gäbe es auch: «Das Schlimmste waren pornografische Bilder, die mir irgendwelche Männer zugestellt haben. Solche Leute blockiere ich einfach.» Mit solchen Reaktionen müsse man aber wohl leben, wenn man in der Öffentlichkeit steht, sagt sie.

Auch auf Instagram zu finden ist beispielsweise die ursprünglich aus Dietikon stammende Schauspielerin Sofia Milos («Tatort»): Rund 8000 Fans folgen ihren Schnappschüssen aus Hollywood. Ihr Schauspielkollege Pasquale Aleardi hingegen, ebenfalls aus Dietikon und bekannt als Kommissar Dupin (ARD), bringt es gerade mal auf 219 Abonnenten: Bei rund 50 Einträgen kein Wunder; nur eine regelmässige Bewirtschaftung hält die Fans bei der Stange.

Wer nicht ständig seine Schokoladenseite zeigen will, ist bei Twitter besser aufgehoben. Der Mikroblogging-Dienst (nur 140 Zeichen sind pro Nachricht möglich) trifft den Nerv der Zeit. Kommuniziert wird dort mit Ansagen, Kürzeln oder Statements. Grosse Namen aus dem Limmattal scheinen aber nicht gerne zu zwitschern. Moderatorin und Schauspielerin Viola Tami etwa, wohnhaft in Oetwil, hat ein Twitter-Profil. Dieses gilt eher ihren diversen Projekten, trotzdem sind über 2000 Follower davon begeistert. Musiker Mr. Da-Nos, der seine Hits in Dietikon produziert, twittert vor fast 4500 Interessierten. Persönliche Worte sind aber auch bei ihm Mangelware – zumindest öffentlich.

Praktisch für Wohnungssuche

Auf Facebook, dem sozialen Medium mit den mit Abstand am meisten Nutzern, ist viel Limmattaler Prominenz zu finden. Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart veröffentlicht dort die Daten seiner Lesungen und Auftritte, bei 225 Likes kann er sein Publikum aber noch vergrössern. Fast 600 Interessierte zählt der Produzent Maurizio Pozzi aus Geroldswil mit seinem «PozziMusik»-Profil. Angesagter sind Sportler: Marco Schönbächler und Florence Schelling zählen beide rund 7000 Anhänger.

Auch Rosenkavalierin Zaklina Djuricic ist auf Facebook vertreten und schätzt es, dass sie dort mit Freunden und Bekannten in Kontakt bleiben kann, die sie nicht oft sehe. Generell hält sie soziale Medien für praktisch, beispielsweise wenn man einen Job oder eine neue Wohnung suche. «Das wird in meinem Fall bald soweit sein», so die Bachelorette, in deren Facebookprofil bereits «in einer Beziehung» vermerkt ist.

Auffallend ist, dass viele prominente Zeitgenossen ein Profil dafür nutzen, um ihre Arbeit und ihre Anliegen zu bewerben. Privates bleibt meist auch privat. «Profile auf Facebook oder Instagram können Türen öffnen», weiss auch die Bachelorette. Sicher schätzen viele Persönlichkeiten die Nähe zu den Fans. Aber wenn mit wenigen Worten oder einem Bild mehr erreicht werden kann als mit einer aufwendigen Werbekampagne, dann sind solche Kanäle ein willkommenes Werkzeug für die Karriere. Und sollte auch das nichts bringen, bleibt immerhin noch die Möglichkeit, ganz von der Bildfläche zu verschwinden – so oder so.