Dietikon
Projektwoche in «Wolfsmattikon»: So üben Schüler das richtige Leben

Das Schulareal Wolfsmatt wird eine Woche lang zu einem eigenständigen Dorf: Wolfsmattikon. Der fiktive Ort bietet den Kindern einen Rahmen, um für eine Woche in die Berufswelt einzutauchen und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

Anina Gepp
Merken
Drucken
Teilen
Zusammen mit den Bäckermeistern kreieren die Kinder Süssigkeiten
14 Bilder
Täglich wird frisches Brot und Kuchen gebacken
In der Bäckerstube wird fleissig abgewaschen
In der Disko ist der Drink Orang-Utan der Renner
Im Gericht werden echte Fälle des Pausenhofs gelöst
Im Nagelstudio kann man sich neue Krallen verpassen lassen
Die Veloputzer sorgen für blitzblanke Fahrräder
Die Kindergartenkinder malen Warnschilder für die entstehenden neuen Einfamilienhäuser auf dem Pausenplatz
Auf der Post kann jeder Bewohner an andere Kinder im Dorf versenden
26 Ärzte sorgen für das Wohl der Dorfbewohner
Im Spital werden die Patienten verarztet
Projektwoche im Schulhaus Wolfsmatt
Am Pokertisch wird keine Miene verzogen
Auch die Haare kann man sich für ein paar Wolfsmattler stylen lassen

Zusammen mit den Bäckermeistern kreieren die Kinder Süssigkeiten

Anina Gepp

Normalerweise gehört das Schulhaus Wolfsmatt zur Stadt Dietikon. Anfang Woche jedoch verwandelte sich das ganze Areal der Unterstufenschule und wurde zur eigenständigen Gemeinde Wolfsmattikon. Die rund 400 Schülerinnen und Schüler üben im Rahmen der Projektwoche das richtige Leben. Jedes Kind hat dabei eine Arbeit, verdient Geld und lernt, damit zu haushalten – auch Steuern müssen bezahlt werden.

Ziel der fünf Tage sei es, die Vernetzung eines Dorflebens aufzuzeigen und zu veranschaulichen, wie abhängig man voneinander ist, sagt Schulleiterin Helen Pianezzi. Anders als bei einer Mathematikaufgabe sei nicht nur das Resultat falsch, wenn nicht richtig gerechnet werde. Sondern es fehle tatsächlich Geld in der Kasse der Bäckerei, des Coiffeurs oder der Bank. Genauer genommen fehlen Wolfsmattler – so nennt sich die Währung im fiktiven Dorf.

Budget für Freizeitaktivitäten

Die Kinder sind Feuer und Flamme. Während zwei Drittel der Schüler ihrer Arbeit nachgehen, hat der Rest der Dorfbewohner jeweils frei. Das Angebot für die Gestaltung der Freizeit ist gross: Ob man nun im Café Loup ein Stück vom frischgebackenen Kuchen essen möchte, im Beautysalon frisiert werden will oder sich die neuste Vorstellung im Kino Streifi ansieht, ist jedem selbst überlassen. Nur darf das Vergnügen nicht mehr als die 10 Wolfmattler kosten, die jedem Bewohner täglich zur Verfügung stehen.

Während die einen entspannen, sind die anderen Kinder fleissig am Arbeiten. Im Spital beispielsweise sind gleich 26 Ärzte eingespannt, die für das Wohl der Wolfsmattikoner sorgen. Wer ein gesundheitliches Problem hat, wendet sich am Empfang an Altina. Die Schülerin beäugt die Patienten mit strengem Auge und lässt sie ein Formular ausfüllen. Einige Dorfbewohner seien aber nicht nur im Spital wegen eines Hör- oder Sehtests, sagt die Schülerin.

Gerade eben sei ein echter Notfall eingeliefert worden. Einer der Bäcker habe sich in der Küche in den Finger geschnitten. Altina möchte auch tatsächlich später einmal Kinderärztin werden. «Ich finde es super, dass ich hier schon einmal üben kann», sagt sie.

Damit Wolfsmattikon noch grösser wird, haben sich inzwischen Bauarbeiter auf dem Pausenplatz eingefunden. Die Kindergartenkinder bauen sechs neue Einfamilienhäuser. Die schön gekleideten Wolfsmattiker Models, die gerade eine Modenschau präsentieren, interessiert das aber nur wenig. Sie stöckeln elegant am Geschehen vorbei und geniessen die Komplimente, die sie für ihre modischen Outfits bekommen.

In der Disco «Orang-Utan» trinken

Obwohl es mitten am Tag ist, herrscht auch in der Disco bereits reger Betrieb. Wer hier reingelassen werden will, muss jedoch zuerst an Türsteher Florian vorbei. Der Schüler lässt nur diejenigen herein, die einen Stempel haben. Im Inneren des Partylokals werden süsse Drinks ausgeschenkt. Am beliebtesten ist der «Orang-Utan», ein orangefarbiges Limonadengetränk.

Damit die Dorfbewohner laufend informiert sind, was in Wolfsmattikon gerade passiert, sind dauernd Reporter unterwegs. Die Journalistinnen Samira und Mithusana haben sogar einen eigenen Presseausweis, den sie stolz vorweisen, bevor sie Informationen verlangen. Von ihren Geschichten berichten sie zurück auf der Redaktion dem Moderationsteam. Dieses stellt dann einen passenden Beitrag zusammen, schneidet diesen und sendet ihn über den ganzen Pausenhof.

Doch auch die Zeitung darf nicht fehlen: Die Redakteure der «Wolfi-News» hauen fleissig in die Tasten. Gerti hat soeben eine heisse Story aufgedeckt. Ein Junge aus dem Dorf sei auf dem Heimweg überfallen worden, sagt er ganz leise. Die Geschichte sei noch streng geheim.

Die Idee, dass im Rahmen der Projektwoche ein Dorfleben inszeniert wird, ist nicht ganz neu. Vor acht Jahren sei Wolfsmattikon schon einmal zum Leben erweckt worden, so Pianezzi. Damals sei das Projekt so gut bei den Kindern angekommen, dass sich die ehemaligen Schüler noch immer daran erinnern.

Obwohl die Woche für die beteiligten Lehrpersonen und die zahlreichen mithelfenden Eltern anstrengend sei, lohne sich der Aufwand, so die Schulleiterin. So manch ein verborgenes Talent, das in einem Schüler schlummerte, sei schon zutage gekommen. Zudem seien Teamarbeit und Verlässlichkeit Themen, die im Fokus stünden. Die sehr lebensnahe Situation während der Projektwoche gebe den Kindern die Möglichkeit, sich spielerisch an das Berufsleben heranzutasten.