Fahrweid

Projektstopp beendet: Die Kosten steigen aber um 6,2 Millionen Franken

Ende Januar 2019 haben sich Weiningen und Geroldswil entschieden, dien Kanalisationsarbeiten in der Fahrweid, die viel teurer sind als angenommen, fortzusetzen.

Die Kanalisationserneuerung in der Fahrweid wurde zu tief budgetiert. Die Bauherrinnen, die Gemeinden Weiningen und Geroldswil, wollen nun das für die Kostenschätzung beauftragte Ingenieurbüro zur Rechenschaft ziehen.

Eigentlich hätten im Januar die Arbeiten für die Erneuerung der Kanalisation in der Fahrweid starten sollen. Damit würden die Abwasserprobleme im Gebiet bald der Vergangenheit angehören. Doch das Projekt geriet ins Stocken wegen der zu hohen Kosten. Offerten zeigten, dass die Entwässerung der Fahrweid nicht wie angenommen rund 11,2 Millionen Franken kostet, sondern wesentlich höher ist. Um die Gründe für den höheren Betrag ausfindig zu machen, wurde das Vorhaben gestoppt (die Limmattaler Zeitung berichtete). Nun soll es aber weitergehen.

Die Gemeinderäte der am Projekt beteiligten Gemeinden Weiningen und Geroldswil haben zusammen mit der ebenso in die Planung und Umsetzung involvierten Limeco einen Zusatzkredit von 6,2 Millionen Franken bewilligt. Die Kanalisationserneuerung beläuft sich somit auf insgesamt rund 17,4 Millionen Franken. Der Anteil zulasten Weiningen beträgt rund 8,3 Millionen Franken, derjenige von Geroldswil rund 3,4 Millionen Franken. Die Limeco steuert insgesamt rund 5,7 Millionen Franken bei.

Weniger Strassen aufreissen

Nicht nur die Mehrkosten sind jetzt bekannt, sondern auch die Gründe dafür. «Die Kostendifferenz ist zum grössten Teil im Bereich des Microtunneling-Verfahrens entstanden», sagt der Weininger Gemeindepräsident Mario Okle (parteilos). Damit meint er die Bauweise, bei der Kanalisationsarbeiten im grabenlosen Rohrvortrieb durchgeführt werden. Der Vorteil: Nicht alle Strassen müssen aufgerissen werden, wodurch Immissionen und Verkehrsbehinderungen in Grenzen gehalten werden können.

Doch davon scheint das mit der Kostenaufstellung betraute Ingenieurbüro nicht allzu viel Ahnung gehabt zu haben: «Die Ingenieure haben keinen guten Job gemacht. Das Genehmigungsprojekt mit der groben Kostenschätzung für das Microtunneling-Verfahren war ungenügend», sagt der Geroldswiler Gemeindepräsident Michael Deplazes (parteilos). Der Beizug eines neutralen Ingenieurbüros habe ergeben, dass die Projektierungstiefe für das Microtunneling-Verfahren zu niedrig gewählt worden und somit der Detaillierungsgrad zu vage gewesen sei. «Insbesondere sind geologische Gutachten nicht in die Kostenschätzung eingeflossen», sagt Deplazes. Es sei doch wichtig abzuklären, wie der Boden beschaffen sei, wenn man im Untergrund Arbeiten vornehmen wolle.

Enttäuscht und überrascht

Deplazes ist enttäuscht und überrascht, dass elementare Grundlagen nicht beachtet wurden. «Wir zahlen nicht wenig Geld für diese Dienstleistung, da ist eigentlich davon auszugehen, dass die Arbeit gut verrichtet wird.» Die beiden Gemeindepräsidenten erwarten nun, dass die Ingenieure die Konsequenzen tragen. «Durch die Aufarbeitung der Fehler sind Mehrkosten entstanden, etwa für zusätzliche Sitzungen, die Verzögerung der Bauarbeiten oder die Zweitmeinung des neutralen Ingenieurbüros. Dafür sollten die fehlbaren Ingenieure aufkommen», sagt Okle. Man sei derzeit im Gespräch mit dem Büro, um sich zu einigen.

Zwingende Aufgabe

Dass der hohe Zusatzkredit nun ohne Zuspruch der Stimmberechtigten der beiden Gemeinden grünes Licht von den Gemeinderäten erhielt, sei nichts Ungewöhnliches, so die beiden Gemeindepräsidenten. «Die Entwässerung ist eine zwingende Aufgabe der Gemeinden. Das Projekt wurde bereits an der Urne von den Stimmberechtigten angenommen. Da daran nichts geändert wurde, haben die Gemeinderäte den Zusatzkredit bestimmt», sagt Okle. Zudem hätte eine erneute Urnenabstimmung das Projekt noch mehr verzögert. Zu erwähnen sei aber auch, dass die Kosten gebühren- und nicht steuerfinanziert seien, fügt Deplazes an.

Da die Kosten im Abwasserbereich generell gestiegen sind, muss die Bevölkerung beider Gemeinden in naher Zukunft mit einer Gebührenerhöhung des Abwassers rechnen. «Wir beantragen eine solche Erhöhung an einer kommenden Gemeindeversammlung», sagt Deplazes. Er betont aber, dass diese nicht in Verbindung mit den Zusatzkosten in der Fahrweid stehe. Das unterstreicht auch Okle. Er sagt: «Wir wissen noch nicht, wie stark die Gebühren in Weiningen steigen, aber klar ist, dass es eine Erhöhung geben wird.»

In der Fahrweid dürfte es nicht mehr lange dauern bis die Bauarbeiten für das neue Kanalisationssystem beginnen. Als Erstes sind die Au- und Fahrweidstrasse an der Reihe. Man müsse nur noch die fünftägige Stimmrechtsrekursfrist auf die Gemeinderatsbeschlüsse abwarten, sagt Okle. «Wenn kein Rekurs eintrifft, kann man nächste oder übernächste Woche bereits loslegen.»

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Autor

Sibylle Egloff

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