Limmattalbahn
Projektleiter «irritiert» über Pläne des Dietiker Stadtrats

Der Dietiker Stadtrat fordert im Bereich des Bahnhofsgebietes eine neue Linienführung der Limmattalbahn. Die aktuelle Varaiante ist für ihn unbefriedigend. Bei der Limmattalbahn AG ist man vom Vorgehen des Stadtrates überrascht.

Drucken
Teilen
Die Limmattalbahn soll keine Schlaufe mehr über den Kirchplatz machen (rote Linie), sondern von der neuen, vom Dietiker Stadtrat geforderten Haltestelle «Sommerau» über die Zürcherstrasse zur Haltestelle «Zentralstrasse» fahren (blaue Linie). Visualisierung/ZVG

Die Limmattalbahn soll keine Schlaufe mehr über den Kirchplatz machen (rote Linie), sondern von der neuen, vom Dietiker Stadtrat geforderten Haltestelle «Sommerau» über die Zürcherstrasse zur Haltestelle «Zentralstrasse» fahren (blaue Linie). Visualisierung/ZVG

Die Stadtbahn soll nicht wie bislang vorgesehen direkt vor dem Bahnhof halten, sondern an einer Haltestelle «Sommerau». Das verlangt die Exekutive in einer Stellungnahme zum Bauprojekt. Damit würde die Limmattalbahn nicht mehr eine Schlaufe über den Kirchplatz machen, sondern an der Zürcherstrasse weiter zur Haltestelle Zentralstrasse fahren.

Von der geforderten Änderung der Linienführung verspricht sich der Stadtrat verschiedene Verbesserungen bezüglich der Platzverhältnisse beim Bahnhof, der Entlastung des Zentrums und der städtebaulichen Aufwertung des Gebietes, wie Stadtpräsident Otto Müller am Mittwoch vor den Medien erklärte. «Wir haben bereits bei der Stellungnahme zum Vorprojekt einige Änderungen verlangt. Einiges davon wurde umgesetzt», so Müller. Der Stadtrat sei jedoch der Meinung, dass die Situation am Bahnhof gemäss vorliegendem Bauprojekt unbefriedigend sei.

Stadt bemängelt enge Verhältnisse

«Die direkte Bahnhofsanbindung ist mit vielen Kompromissen verbunden», sagte Müller. Welche Kompromisse er meinte, erläuterte Stadtplaner Jürg Bösch. «Die Platzverhältnisse am Bahnhof sind sehr eng, da die Stationen der Bremgarten-Dietikon-Bahn und jene der Limmattalbahn direkt nebeneinander liegen würden», so Bösch. Gerade für Velofahrer sei es unangenehm, direkt den hohen Haltekanten entlang zu fahren. «Wir behaupten jedoch nicht, dass die Haltestelle am Bahnhof, so wie sie geplant ist, nicht realisierbar wäre. Die Platzverhältnisse sind aber an der untersten Grenze», so Bösch.

Direkt mit der Forderung einer Haltestelle «Sommerau» ist ein weiterer Änderungsantrag des Stadtrates verbunden. «Die bereits bestehende Unterführung bei der Poststrasse müsste verbreitert und direkt mit den Perrons verbunden werden», so Müller.

Laut Bösch trägt der Ausbau der Unterführung dazu bei, die Passagierströme beim Bahnhof zu entflechten. «Es gäbe dann drei Unterführungen. Jene beim Bahnhof dient dazu, die Bushaltestellen zu erreichen. Die zweite Unterführung gewährleistet die Verbindung zur Bremgarten-Dietikon-Bahn und die dritte würde die Anbindung der Haltestelle ‹Sommerau› an den Bahnhof gewährleisten», so Bösch. Der Weg von rund 120 Metern zwischen der Haltestelle «Sommerau» und der Unterführung bei der Poststrasse sei zumutbar.

«Bessere Lösung für Entwicklung»

Aus Sicht des Stadtplaners bringt die vom Stadtrat geforderte neue Linienführung verschiedene Vorteile. «Die zusätzliche Durchschneidung des Kirchplatzes durch eine zweite Bahn würde entfallen. Mit der neuen Linienführung würde die Limmattalbahn auch Fahrzeit gewinnen», so Bösch. Zudem sei man schon seit einiger Zeit mit der Zentrumsentwicklung beschäftigt. «Eine Verbindung von der Haltestelle Zentralstrasse mit jener bei der ‹Sommerau› bietet die Chance, in diesem Bereich einen Effort zu machen», hielt Bösch fest.

Müller ist zudem überzeugt, dass der Stadtrat mit seiner Variante eine Lösung präsentiert, die bei Bevölkerung und Gewerbe auf breite Zustimmung stosse. «Überdies ist die stadträtliche Variante die für die Stadtentwicklung bessere Lösung als jene, die derzeit vorliegt», so Müller. Er verwies aber auch darauf, dass der Stadtrat ganz klar hinter der Limmattalbahn stehe.

Neben den beiden Änderungsanträgen bezüglich Linienführung und Unterführung stellt der Stadtrat in seiner Stellungnahme eine dritte Forderung. So soll die geplante Seitenhaltestelle Birmensdorferstrasse als Mittelhaltestelle gestaltet werden.

Die drei Anträge sind zur Stellungnahme an das Parlament überwiesen worden. «Die geforderten Änderungen richten sich nicht an die Limmattalbahn AG», so Müller. Grund ist eine Motion, die der Ende 2012 zurückgetretene CVP-Gemeinderat Josef Wiederkehr einreichte. Der Stadtrat wurde darin unter anderem dazu aufgefordert, die Linienführung zu überdenken.

Die Exekutive wehrte sich gegen diese Forderung. Der Bezirksrat entschied jedoch, dass der Stadtrat das Parlament bezüglich der Planung der Limmattalbahn um eine Stellungnahme ersuchen muss. «Wir unterbreiten dem Parlament nun einen Antrag zur Stellungnahme zu verschiedenen Projektteilen, wie dem Haltestellenkonzept, der Linienführung oder Gestaltungsfragen», so Müller. Sollte das Parlament die Änderungsanträge des Stadtrates unterstützen, werde dieser die Projektänderungen bei der Limmattalbahn AG einreichen. «Der Beschluss des Parlamentes ist für den Stadtrat verpflichtend», sagte Müller.

Motionär Josef Wiederkehr begrüsst es sehr, dass der Stadtrat nun das Parlament und die Parteien zur Stellungnahme einlädt. «Das ist ein wichtiger Schritt, um eine gemeinsame Lösung zu finden», so Wiederkehr. Denn das Projekt müsse von der Bevölkerung mitgetragen werden. Auch den Antrag einer neuen Linienführung begrüsst Wiederkehr. «Es ist ein Antrag, den man eingehend prüfen soll», sagte er auf Anfrage.

Limmattalbahn AG ist überrascht

Bei der Limmattalbahn AG ist man hingegen «überrascht und etwas irritiert über das Vorgehen des Dietiker Stadtrates», wie Daniel Issler, Gesamtprojektleiter der Limmattalbahn AG, auf Anfrage sagte. Man habe die Linienführung in den letzten drei Jahren in intensiver Zusammenarbeit mit der Stadt Dietikon geplant.

Man werde aber weiterhin in Kontakt bleiben. «Uns ist es ein Anliegen, dass die Limmattalbahn gemeinsam mit den Gemeinden realisiert wird.» Bei der Volkswirtschaftsdirektion verwies man auf Anfrage auf die Antwort der Limmattalbahn AG.

Aktuelle Nachrichten