Dietikon

Projekte beanspruchen im Gebiet Müsli 1,5 Hektaren dauerhaft

So grün war man sich das Dietiker Gebiet Müsli jahrelang gewohnt. Und so hätten es auch viele bewahren wollen.

So grün war man sich das Dietiker Gebiet Müsli jahrelang gewohnt. Und so hätten es auch viele bewahren wollen.

Der Regierungsrat beantwortet die Anfrage zum Limmattalbahn-Depot und weiteren Bauten im Dietiker Gebiet Müsli.

Ende 2022 soll zwischen Zürich-Altstetten und dem Bahnhof Killwangen-Spreitenbach die gesamte Limmattalbahn-Strecke in Betrieb genommen werden. Für das nächtliche Abstellen der Fahrzeuge und den Kleinunterhalt erstellt die Limmattalbahn AG ein neues Depot. Im politischen Prozess hatte die Standortwahl über Jahre für Diskussionen gesorgt. Zum einen weil Kulturland dem Depot Platz machen muss, zum anderen weil sich so manche gewünscht hätten, dass Spreitenbach dafür Land hergeben muss – und nicht Dietikon.

Der politische Prozess zur Standortwahl ist schon längst abgeschlossen. Zurzeit sorgt die Bauphase für Diskussionen. Der Schlieremer Kantonsrat Manuel Kampus (Grüne) hatte im Oktober eine Anfrage zur Landbeanspruchung im Dietiker Gebiet Müsli eingereicht. Er wollte vom Regierungsrat
unter anderem wissen, ob im Müsli neben dem Limmattalbahn-Depot noch weitere Anlagen und Gebäude erstellt werden. Zudem fragte er, wie viel Fruchtfolgefläche nun verloren geht. Der Regierungsrat hat die Anfrage von Kampus inzwischen beantwortet.

Zunächst hält die Regierung fest, dass neben dem Limmattalbahn-Depot auch der mit dem Bahnprojekt verbundene Umbau der Mutschellenstrasse sowie eine neue Strassenabwasserbehandlungsanlage im Gebiet Müsli Flächen beanspruche.

500 Quadratmeter für die neue Strasse

«Die im Zusammenhang mit der Tieferlegung der Mutschellenstrasse zu erstellende Rampe kommt grösstenteils im Bereich der ehemaligen Kehrichtdeponie zu liegen, wodurch kaum Fruchtfolgeflächen beansprucht werden», schreibt der Regierungsrat. Damit begrenze sich der Verlust an Fruchtfolgeflächen auf rund 500 Quadratmeter. Es wäre günstiger gewesen, ganz auf Fruchtfolgeflächen auszuweichen, schreibt die Regierung zudem.

Abgestimmt auf das Strassenprojekt ist die Strassenabwasserbehandlungsanlage. Sie soll innerhalb des Einmünders in die Mutschellenstrasse gebaut werden.

2500 Quadratmeter für die Strassenabwasseranlage

Dieser Standort ergab sich daraus, dass eine solche Strassenabwasseranlage auf dem tiefstmögliche Geländeniveau erstellt werden muss. Die Anlage beansprucht 2500 Quadratmeter Fruchtfolgefläche. Diese Anlage war nicht Teil der Plangenehmigungsverfügung, mit der das Bundesamt für Verkehr (BAV) im April 2017 das Gesamtprojekt Limmattalbahn bewilligt hatte. So heisst es in der Regierungsratsantwort auf die Anfrage von Kampus, dass das Bundesamt für Verkehr die Strassenabwasserbehandlungsanlage im Juni 2019 mit einer separaten Verfügung bewilligt habe.
Weiter kommt die Regierung in ihrer Antwort auf die gesamte Flächenbeanspruchung zu sprechen: Sie schreibt, dass das Limmattalbahn-Depot, das Strassenprojekt und die Abwasseranlage im Gebiet Müsli Fruchtfolgeflächen im Umfang von rund 1,5 Hektaren dauerhaft beanspruchen. Diese Fläche muss kompensiert werden; so ist es im kantonalen Richtplan festgelegt. Entsprechend wird im Gebiet Bifang in der Gemeinde Maschwanden im Bezirk Affoltern eine Fläche von rund 1,5 Hektaren rekultiviert; das entsprechende Kompensationsprojekt ist auch schon bewilligt.

Kantonsrat Kampus hielt in seiner Anfrage zudem fest, dass im Gebiet Müsli zurzeit Fruchtfolgeflächen genutzt werden, um Humus zu deponieren. Er wollte daher auch wissen, zu welchem Zeitpunkt die Landeigentümerin und Verpächterin des Gebiets – die Stadt Dietikon – über allfällige Planänderungen informiert worden sei. Zudem fragte er, wie und wann die betroffenen Landwirtschaftsbetriebe informiert wurden; diese können schliesslich auch die vom Humusdepot beanspruchten Flächen nicht nutzen. Die Stadt Dietikon sei «frühzeitig» informiert worden, schreibt der Regierungsrat dazu.

Bei den Landerwerbsverhandlungen von Anfang 2018 bis Mitte 2019 sei die Beanspruchung der Installationsflächen mit den Betroffenen erörtert worden. Zudem habe man diese Beanspruchung auch in einem enteignungsrechtlichen Vergleich von Ende Juni 2019 festgehalten. Ganz konkret wurde es dann an einer Sitzung Mitte Juli 2019: Dort wurden die Stadt Dietikon und die betroffenen Landwirtschaftsbetriebe über die konkret vorgesehene Nutzung der nur temporär beanspruchten Flächen informiert.

Ein weiterer Hektar wird temporär beansprucht

Kampus fragte weiter, welche Ämter und Fachstellen für die Bewilligung des Humusdepots hinzugezogen worden seien und wer diese schliesslich bewilligt habe. Hierzu schreibt der Regierungsrat, dass das Bundesamt für Verkehr das Gesamtprojekt Limmattalbahn unter Anhörung der Kantone bewilligt habe. Im Rahmen dieses Verfahrens habe auch die Fachstelle Bodenschutz des Kantons Zürich verschiedene Anträge gestellt. «Diese betrafen in erster Linie den Umgang mit dem anfallenden Bodenmaterial.» Das Bundesamt habe diese kantonalen Begehren in seine Plangenehmigungsverfügung aufgenommen. Total würde ein Hektar Fruchtfolgefläche temporär beansprucht. «Die Beanspruchung ist befristet. Zurzeit wird hier abgetragener Boden für die spätere Verwertung zwischengelagert. Die Bodenfruchtbarkeit der betroffenen Fläche wird nach Abschluss der Arbeiten wiederhergestellt.»

Weiter hatte Kampus gefragt, wieso den Bauern für das beanspruchte Land kein Realersatz angeboten wurde. Die Antwort: Weil die Limmattalbahn AG über keine eigenen Fruchtfolgeflächen verfügt und weil «die Enteignung anderer Landwirte zu diesem Zweck als nicht zielführend angesehen wurde».

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