Weiningen
Projekt zum Ausbau des Seniorenzentrums Im Morgen steht – Taxen werden steigen

Das Seniorenzentrum für die fünf Gemeinden des rechten Limmattals muss erweitert und saniert werden. Ein im Limmattal bekanntes Stadtzürcher Architekturbüro hat sich nun gegen 26 Mitbewerber durchgesetzt. 2018 stimmt das Volk über das Projekt ab.

David Egger
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Seniorenzentrum Im Morgen Weiningen Erweiterung
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Sicht von oben: So kann man sich die Etappe 1 noch besser vorstellen (der Neubau ist orange eingekreist). Nordöstlich vom eingekreisten Neubau befindet sich der bereits bestehende Altbau, der mit dem Neubau über alle drei Geschosse verbunden wird.
Bei der Ausbau-Etappe 2, für die es noch keinen Zeitplan gibt, käme dann ein weiterer Teil hinzu (am östlichen Ende vom Gebäude der Etappe 1). Hier sehr gut zu sehen: Wer vom Altbau in den Neubau geht, befindet sich gleich in dessen Mitte.

Seniorenzentrum Im Morgen Weiningen Erweiterung

Niedermann Sigg Schwendener Architekten AG (Nusus)

Niedermann Sigg Schwendener Architekten AG heissen die Gewinner des Studienauftrags zur Erweiterung des Seniorenzentrums im Morgen in Weiningen. Das Büro ist auch unter dem Kurznamen Nusus bekannt. Es hat fünf andere Mitbewerber ausgestochen, die ebenfalls eine Studie einreichen durften, nachdem sie in der Präqualifikation aus 27 Kandidaten ausgewählt wurden. Am 21. Juni hatten sich die Jury und der Fachvorstand des Zweckverbands für das Nusus-Projekt entschieden. Dieser Entscheid wurde nun mit der Vernissage im Unterengstringer Gemeindesaal Büel öffentlich. «Die Studie überzeugte aus architektonischer Sicht, vor allem aber aus betriebspraktischen Überlegungen heraus», teilte der Zweckverband im Vorfeld der Vernissage von Dienstagabend mit. Dem Zweckverband gehören die fünf Trägergemeinden Oberengstringen, Unterengstringen, Weiningen, Geroldswil und Oetwil an.

Der Ausbau um 78 neue Pflegeplätze wird rund 27 Millionen Franken kosten – das ist die Obergrenze für die Planer. Weitere elf Millionen Franken wird die Sanierung des Altbaus kosten, in deren Rahmen sich die dortige Anzahl Pflegeplätze etwas reduziert. Ist dann etwa 2022 alles fertig, beträgt die Anzahl Pflegeplätze total 150. Heute sind es 90 Plätze.

«Die Sieger des Studienauftrags haben unsere internen Abläufe am besten verstanden.» René Brüggemann, Leiter Seniorenzentrum Im Morgen

«Die Sieger des Studienauftrags haben unsere internen Abläufe am besten verstanden.» René Brüggemann, Leiter Seniorenzentrum Im Morgen

David Egger

Demenz-Abteilung im Erdgeschoss

Während sich im Erdgeschoss des Neubaus zwei Halbstationen für Demenz-Patienten befinden, kommen in den beiden Geschossen darüber die normalen Pflegeabteilungen zu liegen. Sobald der Neubau fertig ist, zügeln die Bewohner dort ein, damit die Altbau-Sanierung starten kann.
Die sechs Lösungsansätze im Studienauftrag waren für die Jury zwar allesamt interessant, doch konnte sich das Büro Nusus in ihren Augen deutlich von der Konkurrenz absetzen.

Vor allem im Hinblick auf die Betriebsabläufe überzeugte das Projekt die Jury, schliesslich wird eine möglichst hohe Effizienz der Dienstleistungen – zum Beispiel Pflege und Küche – angestrebt. Denn jeder Laufmeter, den die Angestellten unnötigerweise zurücklegen müssen, schlägt sich am Schluss in den Kosten nieder. Besonders praktisch beim Nusus-Projekt: Wenn man sich vom Alt- in den Neubau begibt, befindet man sich in dessen Herzstück, von wo aus alle Zimmer gut erreichbar sind. Die Bewohner können zudem im Gebäude Rundgänge um ihren Licht bringenden Innenhof in beiden Teilen des Neubaus geniessen. Dies gilt dann auch für den dritten Gebäudeteil, der in ferner Zukunft als Erweiterungsetappe 2 dazugebaut werden kann. Vor diesem Hintergrund ist auch das Fazit des Zentrumsleiters René Brüggemann zu sehen: «Die Sieger des Studienauftrags haben unsere internen Abläufe am besten verstanden.»

Die Finanzierung der Zukunft: Mit der Bettenzahl steigen auch die Grund- und Betreuungstaxen um etwa 50 Franken

Mit dem neuen Gemeindegesetz ist auch der Zweckverband Seniorenzentrum Im Morgen in Weiningen verpflichtet, einen eigenen Haushalt zu bilden. Per 1. Januar 2019 ist es so weit. Ab dann muss er sich grundsätzlich selber finanzieren – über seine Erträge, also die Grund- und Betreuungstaxen. Sie betragen heute täglich pro Person 115 plus 30 Franken (berechnet für Einzelzimmer – diese sind am häufigsten). Die Delegierten und Gemeinderäte haben von der Zentrumsleitung einen Businessplan verlangt. Die Firma Pricewaterhousecoopers überprüfte und bestätigte den Plan. Er sieht eine Erhöhung von Grund- und Betreuungstaxen um total 50 bis 55 Franken vor, sodass die beiden Taxen zusammen statt 145 Franken täglich neu zwischen 195 und 200 Franken ausmachen werden.

So sollen Bauten künftig selbst finanziert werden können. Heute hat das Seniorenzentrum Im Morgen die tiefsten Grund- und Betreuungstaxen im Bezirk. Nur auf Pflegestufe 0 (die Stufen gehen bis 12) werden sie von jenen in Schlieren unterboten. Speziell ist in Weiningen auch, dass die Betreuungstaxen für alle Bewohner gleich sind, ungeachtet der Pflegestufe. Zentrumsleiter René Brüggemann ist überzeugt, dass Weiningen auch nach der Erhöhung günstige Preise haben wird. «Auch andere Seniorenzentren werden ihre Taxen bis 2022 erhöhen müssen», sagt er. Zum Vergleich: Im modernen Urdorfer Alterszentrum Weihermatt, dessen Taxen 2013 nach der Sanierung auch erhöht wurden, betragen Grund- und Betreuungstaxen im Einzelzimmer heute 205 Franken. Zu den Grund- und Betreuungstaxen hinzu kommen jeweils die Pflegetaxen. Diese basieren aber auf übergeordneten Vorgaben von Bund und Kantonen. (deg)

Die Überlegungen der Jury

Dem Laien macht zum Beispiel ein Gespräch mit einem Jurymitglied, so etwa dem Vorsitzenden Peter Mohr aus Oetwil, oder auch die Lektüre des 40-seitigen Juryberichts die getroffene Auswahl verständlich. Die Zusammenfassung: Bei einem Projekt hätten die Gänge einem Labyrinth geglichen und die Etappe 2 wäre so nahe an den Altbau platziert worden, dass man dessen Balkone genausogut hätte zumauern können. Bei mehreren anderen Projekten wären Pflege- und Demenz-Abteilung nicht sauber getrennt gewesen, was den Betrieb erschweren würde. Bei den restlichen Projekten hätten zudem lange Wege für die Angestellten und die Neubaubewohner resultiert.

Einziges grosses Manko beim Nusus-Projekt: Die Verbindung zwischen Alt- und Neubau wurde aus ästhetischen Gründen eingeschossig eingeplant. Da für die Pflege aber nur eine Verbindung über alle drei Geschosse infrage kommt, werden die Architekten dies noch wie verlangt ändern, wie an der Vernissage zu erfahren war.

Das Architekturbüros Nusus baut nicht zum ersten Mal im Limmattal: Aus seiner Feder stammen auch die Seniorenresidenz und das Pflegeheim Ruggacker in Dietikon, realisiert von 2008 bis 2012. Diese Referenz dürfte das Büro bei der Präqualifikation ins Spiel gebracht haben. Mit weiteren Projekten etwa in der Stadt Zürich, Hausen am Albis und Rupperswil AG hat das Büro gezeigt, dass es sowohl mit städtischen als auch mit ländlicheren Umgebungen zurechtkommt.

Und damit zurück in die Zukunft: Der nächste grosse Schritt steht im August an. Dann entscheidet die Delegiertenversammlung des Zweckverbands über den Kredit für die Ausarbeitung des Vorprojekts. Um dessen Kredithöhe abzuschätzen, ist es jetzt noch etwas zu früh. Der Fachvorstand des Zweckverbands trifft sich kommende Woche zu einer Sitzung mit den Architekten, wo es unter anderem auch um das Honorar gehen wird.

Die Politik der Vergangenheit: 2008 erteilte das Volk der Trägergemeinden dem Projekt Alba Vinea eine deutliche Absage

Am 1. Juni 2008 schickten alle fünf Gemeinden des rechten Limmattals das Projekt Alba Vinea bachab, das 56 Wohnungen für betreutes Wohnen im Alter sowie die Sanierung des bestehenden Heims vorsah. Alles zusammen hätte gemäss damaligen Schätzungen rund 29,5 Millionen Franken kosten sollen. Unter den Gegnern waren auch alle fünf Rechnungsprüfungskommissionen der Trägergemeinden Oetwil, Geroldswil, Weiningen, Unter- und Oberengstringen. Unter anderem wurden fehlende Wirtschaftlichkeit und zu hohe Mietzinsen kritisiert. Mit rund 77 Prozent fiel die Ablehnung in Oberengstringen am deutlichsten aus, während man dem Projekt in der Standortgemeinde Weiningen am wohlgesinntesten war (56 Prozent Nein-Anteil).

Total resultierte ein Nein-Anteil von 64 Prozent. 2009 stoppten zudem die beiden Engstringer Gemeinderäte mit ihrem Nein ein reines Sanierungsprojekt. 2013 wurde dann ein neues Betriebskonzept verabschiedet, aus dem erneut klar wurde, dass ein Ausbau nötig ist. Auf dieser Basis wurde eine Baukommission eingesetzt. 2014 sprach die Delegiertenversammlung des Zweckverbandes einen Kredit von 350 000 Franken für die weitere Planung mit Sanierungskonzept, Machbarkeitsstudie und Wirtschaftlichkeitsprüfung. Im Januar 2017 wurde dann der Studienauftrag zum neuen Erweiterungs- und Sanierungsprojekt ausgeschrieben, dessen Resultat nun vorliegt. Die Notwendigkeit einer Erweiterung zeigt sich auch in der definitiven Warteliste des Seniorenzentrums Im Morgen: Sie umfasst heute wie auch schon vor zehn Jahren rund hundert Personen. Definitive Warteliste heisst: Diese Personen würden einziehen, sobald ein Platz frei wird. (deg)

2018 gilt ein anderes Stimmprozedere als noch 2008

Das ausgearbeitete Vorprojekt wird dann zeigen, wie viel Erweiterung und Sanierung genau kosten. Demokratisch gesehen steht die neuerliche Abstimmung unter ganz anderen Vorzeichen als jene im Jahr 2008. Denn 2009 – als auch der Name von «Alters- und Pflegeheim» in «Seniorenzentrum» geändert wurde – wurden aufgrund kantonaler Vorgaben auch die Abstimmungsregeln angepasst. Bei der Abstimmung 2018 müssen nicht alle fünf Gemeinden einzeln für sich Ja sagen. Stattdessen gilt der Ja-Anteil über das gesamte rechte Limmattal gesehen plus die Anzahl zustimmender Gemeinden. Mindestens drei müssen es sein, damit der Baukredit als bewilligt gilt. Diesbezüglich funktioniert das rechte Limmattal neu also wie die Eidgenossenschaft mit Volks- und Ständemehr. Die Stände wären in diesem Fall die fünf Gemeinden.

Zudem werden die fünf Gemeinden bei der Baukreditabstimmung nicht darüber befinden, ob die Gemeinden dem Seniorenzentrum einen entsprechenden Betrag zur Verfügung stellen, sondern darüber, ob das Seniorenzentrum den Geldbetrag ausgeben darf. Das Geld würde sich der Zweckverband voraussichtlich extern beschaffen, was bei der heutigen Tiefzinslage zu attraktiven Konditionen möglich sein sollte.

Der Jurybericht in voller Länge

Zur Verfügung gestellt