Pro Senectute
Projekt «Wohnen für Hilfe»: Studenten wohnen bei Senioren

Anstatt jeden Monat Miete zu bezahlen, mäht Matthias Sommer den Rasen oder geht einkaufen. Er macht im Projekt der Pro Senectute im Kanton Zürich mit. Dieses bringt unter dem Namen «Wohnen für Hilfe» Senioren und Studenten zusammen.

Alfred Borter
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«Mit unserer Partnerschaft hatten wir einfach Glück», erklären die 73-jährige ehemalige Lehrerin Verena Demuth und der 24-jährige Student Matthias Sommer.

«Mit unserer Partnerschaft hatten wir einfach Glück», erklären die 73-jährige ehemalige Lehrerin Verena Demuth und der 24-jährige Student Matthias Sommer.

Sie strahlen beide, die 73-jährige ehemalige Lehrerin Verena Demuth und der 24-jährige Student Matthias Sommer. Beide machen im Projekt der Pro Senectute Kanton Zürich mit, das sich «Wohnen für Hilfe» nennt.

Der deutsche Student wohnt seit dem letzten Herbst im Haus der Rentnerin, und zwar ohne, dass er Miete zahlen muss. Im Vertrag ist festgehalten, dass er sich dafür mit einer Arbeitsleistung revanchieren muss. «Das ist ein absoluter Glücksfall für mich», erklärt Sommer, der sein Bachelor-Studium in Soziologie und Politik schon hinter sich hat und jetzt an der Universität Zürich den Master macht.

«Die Preise für das Wohnen in Zürich sind so hoch, das hätte ich mir nicht leisten können.» Dass er jetzt im Zürcher Oberland wohnt und nicht in Zürich selber, stört ihn nicht. Die Bahnverbindung nach Oerlikon, wo die meisten Studienveranstaltungen stattfinden, ist gut.

Spannender Austausch

Aber besonders wichtig ist natürlich, dass sich die Hausbesitzerin und er gut verstehen. Das bestätigt Verena Demuth. Die Wohnpartnerschaft mit Matthias Sommer sei spannend. Sie diskutiere gerne mit ihm und lasse sich erklären, was er im Studium gerade mache. Und er freut sich, wenn sie ihm über ihre ausgedehnten Reisen nach Indien und andere Länder berichtet. Und die Seniorin sagt, sie sei froh, dass er etwas Leben ins Haus bringe, das nach dem Tod ihres Ehemanns etwas leer geworden sei.

Als sie ein Inserat gesehen habe, in dem für das Projekt Wohnen für Hilfe Seniorinnen und Senioren gesucht worden seien, habe sie sich gemeldet. «Das ist eine gute Sache», ist sie sich sicher. Froh ist sie, dass ihr Wohnpartner ein selbstständiger junger Mann ist. «Der erste Student, der mir als möglicher Wohnpartner genannt worden ist, kam mir recht hilflos vor», erwähnt sie. Sie hätte es zwar auch mit ihm probiert, aber dann sei der erlösende Anruf der Projektkoordinatorin gekommen: «Ich habe den idealen Partner für Sie.» Und so sei es dann auch gewesen. Sie geniesse es, einen Wohnpartner im Haus zu haben, der jünger sei als ihre eigenen Kinder und älter als die Enkel. «Das gibt ganz interessante Gesprächsthemen.»

«Mit unserer Partnerschaft hatten wir einfach Glück»

Froh sei sie , wenn er hin und wieder den Rasen mähe. Und dass er die Katze füttere, wenn sie nicht da sei. Weitere Dienstleistungen habe sie eigentlich nicht nötig, vielleicht später einmal, wenn sie nicht mehr Auto fahren könne. Aber nett findet sie es, dass er sich bereit erklärte, im Chor Cantape in Uster mitzusingen. «Eine Männerstimme mehr war sehr erwünscht.»

Und er findet es toll, dass er im Vokalensemble auch neue Leute kennen gelernt hat, ausserhalb der studentischen Kreise, in denen er sich tagsüber bewegt. Er hofft, im Haus von Verena Demuth bleiben zu können, bis er das Masterstudium plangemäss im kommenden Jahr abschliesst.

Beide sind vom Projekt Wohnen für Hilfe sehr überzeugt. «Ich höre oft von Freundinnen, die sagen, da sollten wir auch mitmachen, doch dann scheuen sie doch davor zurück», sagt Verena Demuth. Das findet sie schade. Natürlich sei ein gewisses Risiko dabei, sagt sie, aber eine generationenübergreifende Wohnpartnerschaft biete die Chance, andere Menschen und neue Ideen kennen zu lernen. Beide erklären übereinstimmend: «Mit unserer Partnerschaft hatten wir einfach Glück.»