Limmattal
Projekt Velobahn ist angedacht - nur der Zeitplan fehlt

Im Kanton Zürich soll das Velo als Verkehrsmittel für Distanzen von 5 bis 15 Kilometern gefördert werden. Der Regierungsrat lässt derzeit eine Studie für eine Veloschnellroute erarbeiten - auch im Limmattal.

Katja Landolt
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Velobahnen bräuchten ein eigenes Trassee.

Velobahnen bräuchten ein eigenes Trassee.

Keystone

Dazu werden derzeit für das Limmattal und Winterthur Projektarbeiten für sogenannte Velobahnen erarbeitet; auf separaten Trassees geführte, umweg- und barrierefreie Velowege, die möglichst direkt, steigungsarm und konfliktfrei mit Fussgängern und Strassenverkehr sind. Das schreibt der Regierungsrat in einer Antwort auf die Interpellation der grünen Kantonsräte Andreas Wolf (Dietikon) und Res Marti (Zürich).
Antwort zu schwammig
Wolf schätzt die Pläne des Kantons für den Bau von Velobahnen als «relativ konkret» ein. Über das Wann lässt sich hingegen nur spekulieren: Die Studie sei in Arbeit, schreibt der Regierungsrat in seiner Antwort. Konkreter wird er aber nicht: «Ein Zeitpunkt für die Umsetzung wird sich aus der Studie ergeben.»
Wolf ist diese Antwort zu schwammig formuliert: «Ich bin enttäuscht, dass der Regierungsrat keinen konkreten Zeitplan kommuniziert.» Aus seiner Sicht drängt die Zeit, könnte doch der auf das Jahr 2017 geplante Baustart der Limmattalbahn mit dem der Velobahn gekoppelt werden. Dafür müsste aber die Planung rasch überarbeitet werden: Heute ist angedacht, dass entlang der Strecke der Limmattalbahn grösstenteils auch Velowege gebaut werden. Diese sollen zwar teilweise separat geführt werden, jedoch an vielen Orten durch Kreuzungen und andere Hindernisse unterbrochen sein.
Wolf würde es begrüssen, wenn anstatt einer Velospur direkt eine Velobahn mit separatem Trassee gebaut würde: «Die Chance, die sich beim Bau der Limmattalbahn ergibt, sollte besser genutzt werden.» Er glaubt, dass eine spätere Umsetzung kontraproduktiv wäre: «Wenn man den Pendlern mit der Limmattalbahn ein gutes öV-Netz vor der Haustür anbietet, findet das Umsteigen auf das Velo zu einem späteren Zeitpunkt kaum mehr statt.» Wolf ist aber überzeugt, dass der Bedarf an Velobahnen in den nächsten Jahren noch stark zunehmen wird - nicht zuletzt wegen des anhaltenden Elektrovelo-Booms.
«Auf Limmattalbahn abgestimmt»
Auf die Frage der Kantonsräte, weshalb die «schnelle Radroute in West-Ost-Richtung» nicht im Massnahmen- und Umsetzungsplan des Agglomerationsprogramms enthalten sei, hält der Regierungsrat fest, dass zum Zeitpunkt der Eingabe des Agglomerationsprogramms im Frühjahr 2012 noch keine ausreichend genauen Planungsgrundlagen vorlagen.
Weiter wollten Wolf und Marti wissen, weshalb im Umsetzungsplan des Agglomerationsprogramms Limmattal gut die Hälfte der Massnahmen im Bereich Fuss- und Veloverkehr Priorität B hätten, während im Bereich MIV (motorisierter Individualverkehr) alle ausser einer Massnahme Priorität A verdienen würden. Dazu schreibt der Regierungsrat, die MIV-Massnahmen würden sich auf den gesamten Strassenraum beziehen und auch Elemente für den Langsamverkehr und den öV umfassen. «Sie sind abgestimmt auf den Bau der Limmattalbahn und müssen sich deshalb in der Priorisierung und im Zeitplan danach ausrichten», so der Regierungsrat.
Als Vorbild für Velobahnen oder Velo-Highways gilt die dänische Hauptstadt Kopenhagen. Rund 35 bis 55 Prozent der Einwohner - je nach Quelle - fahren heute mit dem Velo zur Arbeit oder an die Uni. Und die Stadt baut ihr Velo-Netz weiter aus: Im Grossraum Kopenhagen sind 26 Velo-Highways mit einer Gesamtlänge von 300 Kilometern geplant. (ksc)