Interview
Projekt Limmattalbahn: «Wir wussten, das Projekt muss besser werden»

Erst im Einigungsverfahren hätten alle Beteiligten realisiert, dass die Limmattalbahn zwingend am Bahnhof Dietikon halten muss, sagt Stadtpräsident Otto Müller.

Bettina Hamilton-Irvine
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Stadtpräsident Otto Müller (FDP).

Stadtpräsident Otto Müller (FDP).

beat siegenthaler

Limmattaler Zeitung: Herr Müller, der Dietiker Stadtrat hat seine Einsprache zum Projekt Limmattalbahn zurückgezogen. Zuvor wollte die Mehrheit des Parlaments eine andere Linienführung, nun stehen doch praktisch alle wieder hinter der ursprünglichen Version, bei welcher der Bahnhof angefahren wird. Ein kleines Wunder?

Otto Müller: Wir haben im jetzt abgeschlossenen Masterplanverfahren Erkenntnisse gewonnen, die wir zuvor nicht hatten. So hat sich nun gezeigt, dass eine Linienführung über die Zürcherstrasse aus räumlichen Gründen schlicht nicht möglich ist. Zudem wäre die Kapazität des motorisierten Individualverkehrs dort nicht mehr genügend gewesen. Die Teilnehmer des Masterplanverfahrens haben realisiert, dass man den Bahnhof anbinden muss, dass man aber auch das Projekt optimieren muss. Deshalb haben wir den Fokus geöffnet und das Projekt als Ganzes angeschaut, nicht nur das Trassee als solches. Die Lösung ist kein Wunder, sondern das Resultat eines Prozesses, an dem sich alle beteiligt haben.

Nun kann man sich natürlich fragen, wieso man diese Optimierungen nicht schon von Anfang an in das Projekt eingebaut hat.

Das haben wir auch schon früher bemängelt. Die Limmattalbahn AG hat damals aber nur ihr eigenes Trassee angeschaut und wollte keine Häuser abbrechen lassen. Bereits in der Stellungnahme zum Vorprojekt haben wir darauf hingewiesen, dass wir eine Optimierung wollen. Weil wir diese nicht bekommen haben, legten wir Einsprache ein. Erst im Laufe des Prozesses wurde dann ganz klar, dass die Platzsituation am Bahnhof wirklich zu eng ist.

Das Parlament hat sich ursprünglich für die Linienführung entlang der Zürcherstrasse ausgesprochen. Wollte man mit der Einsprache vor allem das Parlament beruhigen?

Natürlich nicht. Wir wussten, dass das Projekt besser werden kann, besser werden muss. Damit kann man die Akzeptanz der Bahn noch einmal erhöhen. Wir haben in der Einsprache verlangt, dass man gewisse Punkte nochmals detailliert prüft, auf Stufe der Ingenieurpläne. Wir haben das Parlament aber selbstverständlich auch konsultiert – und es hat uns in diesem Prozess unterstützt, indem es uns den Auftrag gab, nochmals alle Optionen abzuklären.

Nun sind fast alle in den Prozess Involvierten glücklich mit dieser Lösung – aber nicht ganz alle. Die katholische Kirche, die am Bahnhofplatz direkt am Trassee diverse Liegenschaften besitzt, zieht ihre Einsprache nicht zurück. Gefährdet das die nun präsentierte Lösung und den weiteren Prozess nicht?

Das glaube ich nicht. Die katholische Kirche bemängelt ja primär, dass ihre Tiefgarage nicht mehr richtig zugänglich sei. Wir konnten nun aber nachweisen, dass dies nicht der Fall ist. Von der neuen Lösung mit den grosszügigeren Platzverhältnissen profitiert auch die katholische Kirche.

In den nächsten Wochen wird über das Projekt Limmattalbahn in den beiden Kantonsparlamenten in Zürich und im Aargau befunden. Mit welchem Gefühl blicken Sie diesen Debatten entgegen?

Mit einem sehr guten Gefühl. Ich erwarte eine sehr hohe Akzeptanz und eine komfortable Zustimmung in beiden Parlamenten.