Ornithologie

«Projekt Gartenrotschwanz»: Dieser Dietiker setzt sich für Vögel in der Stadt ein

Boris Droz mit der Juni-Ausgabe der Zeitschrift «Nos Oiseaux», die über das Projekt berichtet hat.

Boris Droz mit der Juni-Ausgabe der Zeitschrift «Nos Oiseaux», die über das Projekt berichtet hat.

Der Dietiker Boris Droz hat ein Projekt lanciert, das dem Gartenrotschwanz bessere Lebensbedingungen bietet. Zusammen mit Kollegen hat er ein Konzept erarbeitet und wurdedafür mit einem Preis für Naturschutzprojekte ausgezeichnet.

Wie kann die Lebensqualität des Gartenrotschwanzes in städtischen Gebieten verbessert werden? Diese Frage beschäftigte den Dietiker Boris Droz während der letzten dreizehn Jahre. Zusammen mit seinen Kollegen aus der Gartenrotschwanzgruppe (Gràfb) in La Chaux-de-Fonds, wo die Dichte der Gartenrotschwänze schweizweit am grössten ist, erarbeitete er nun ein Konzept.

Dafür wurden Droz und sein Team von der Pro Natura mit dem Elisabeth und Oscar Breugger-Preis für beispielhafte Naturschutzprojekte ausgezeichnet. Mit dem Preisgeld von 50 000 Franken sollen nun konkrete Massnahmen in La Chaux-de-Fonds umgesetzt werden.

Dass der Gartenrotschwanz im Zentrum des ausgezeichneten Projektes steht, ist kein Zufall. Laut Pro Natura hat diese Vogelart in den letzten 70 Jahren einen starken Bestandesrückgang erlebt. Doch nicht nur der Gartenrotschwanz leidet unter dieser Entwicklung, insgesamt 40 Prozent der Tierwelt in der Schweiz stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten der Pro Natura.

Grund dafür sei die mangelnde Erhaltung von Lebensräumen, die sich durch eine grosse Naturvielfalt auszeichnen und die Grundlage bilden für das Überleben verschiedener Tiere. Bemühungen, wie solche des Projekts der Gartenrotschwanzgruppe, die das Wohl des Vogels im Fokus haben, wirken sich somit auch positiv auf andere Tier- und Pflanzenarten aus: «Wenn man etwas für den Gartenrotschwanz macht, macht man etwas für alle», sagt Droz.

Ein Frühaufsteher

Der Chemiker Droz hegte bereits als kleiner Junge eine Begeisterung für Vögel. Das Wissen über sie sowie das Erkennen von Vogelstimmen hat er sich selber beigebracht: «Man lernt es, indem man es einfach macht. Einfach rausgehen, einen Vogel suchen und ihm beim Singen zuhören», sagt er.

Was als Hobby begann, wurde vor zwölf Jahren zu einem Gemeinschaftsprojekt. Die Gartenrotschwanzgruppe widmet sich der Beobachtung dieser Vogelart. Sie gehört zu den Frühaufstehern. Als einer der Ersten versucht der Gartenrotschwanz, am Morgen ein Weibchen zu beeindrucken. «Deswegen waren wir jeweils viermal im Jahr bereits von vier bis sechs Uhr morgens unterwegs», sagt Droz.

Dabei lief die Gruppe aber nicht planlos durch La Chaux-de-Fonds, in der Hoffnung, einen Gartenrotschwanz anzutreffen. Auf einer Karte wählten sich die Hobbyornithologen zwei Gebiete innerhalb der Stadt aus, wobei eines eine hohe und eines eine tiefe Siedlungsdichte aufweist. «Wir wollten herausfinden, ob und wo der Gartenrotschwanz präsent ist», so Droz.

Zehn Jahre lang traf sich die Gruppe regelmässig. Bis dahin war sie zu einigen Schlussfolgerungen gekommen. Am liebsten halte sich der Gartenrotschwanz dort auf, wo viele grosse Bäume mit weiten Kronen vorhanden seien, sagt Droz. Das sei zwar eine der wichtigsten Erkenntnisse, aber nicht die einzige.

Neben den grossen Bäumen sind auch vielfältige Gärten beliebt. «So ist beispielsweise ein Garten, in dem es hohes und tief geschnittenes Gras hat, auch gut für den Gartenrotschwanz», sagt Droz. Bei ihren Beobachtungen sammelten sie Daten. Um zu weiteren Erkenntnissen zu kommen, bedurfte es einer grundlegenden Analyse. Durch die Unterstützung der Universität Lausanne, der Pro Natura sowie weiterer Partner wie der Nos Oiseaux, BirdLife Suisse und der Vogelwarte Sempach wurde es möglich, aus dem Gemeinschaftsprojekt ein Forschungsprojekt zu machen.

Die Schlüsse, welche Droz und sein Team aus der Forschungsanalyse zogen, ermöglichten den Schritt aus der Theorie in die Praxis. Die Faktoren, die die Lebensqualität des Gartenrotschwanzes verbessern, sollten in einem Massnahmenkatalog münden, der konkret in der Stadt La Chaux-de-Fonds umgesetzt werden kann: «Es ging uns darum, zu zeigen, welche realistischen Möglichkeiten bestehen, um die Naturvielfalt in der Stadt zu verbessern», so Droz. Diese Massnahmen waren der Grundbaustein für das Konzept, mit dem sich die Gruppe für den Elisabeth und Oscar Beugger-Preis der Pro Natura bewarb.

Ein grünes Netz

Laut Droz besteht ein Ziel darin, Einfluss auf die Stadtplanung zu nehmen. Eine Massnahme wäre es, Bäume an geeigneten Orten zu pflanzen. Eine weitere sei das Schaffen eines «grünen Netzes», durch die Verbindung und Vergrösserung vielfältiger grüner Zonen. Auch Privatpersonen können in ihren Gärten Änderungen vornehmen, die einen Beitrag an die Naturvielfalt leisten.

Mit diesen Strategien sei schlussendlich nicht nur dem Gartenrotschwanz gedient, sagt Droz. Denn durch mehr Grün fordere man auch die Lebensqualität der Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1