Touristen aus mehreren asiatischen Ländern meiden derzeit Europa als Feriendestination. Während die Tourismusregion Zürich in diesem Jahr von den steigenden Besucherzahlen aus den arabischen und europäischen Ländern profitiert, sind die Zahlen der Gäste aus Russland, China, Japan und Indien massiv rückläufig. Im Vergleich zum Vorjahr logierten bis zu diesem Zeitpunkt rund 13 Prozent weniger Russen und Chinesen in der Region Zürich, bei den Indern sind es knapp 8 Prozent, bei den Japanern ungefähr 6 Prozent. Laut «Tourismus Zürich» ist die Ursache für die fehlenden Touristen aus den besagten Nationen ihre Angst vor Terroranschlägen. Bei den Gästen aus China spielen zusätzlich erschwerte Visumsbedingungen eine Rolle. Seit letzten November müssen chinesische Touristen einen biometrischen Pass bei der Einreise in die Schweiz vorweisen.

Diese Umstände wirken sich problematisch auf die Hotelbranche im Limmattal aus. Vom aktuellen Boom arabische Touristen in der Schweiz spüren die Hotels in Dietikon und Geroldswil kaum etwas. Vor allem in den Sommermonaten sind sie angewiesen auf Gruppenreisen aus China und Indien, doch in diesem Jahr bleiben die Betten leer.

Stornierungen nach Anschlägen

«Wir haben einen massiven Rückgang in den Buchungen gemerkt», sagt Kai Ritter, Geschäftsleiter des Hotels Conti in Dietikon. Im Sommer empfange man eigentlich immer Reisende aus China und Indien. Bei den chinesischen Gästen seien die Besucherzahlen um 20 Prozent gesunken. Leicht rückläufig sei auch die Anzahl der indischen Reisenden. Im Vergleich zum letzten Jahr haben bis zu fünf Prozent weniger Inderinnen und Inder im Hotel Conti logiert. Dass dies im Zusammenhang mit der Angst vor Terror steht, hält Ritter für wahrscheinlich. «Nach den Anschlägen der letzten Wochen wurden viele Buchungen wieder storniert», sagt er.

Auch das Hotel Geroldswil verzeichnete in diesem Jahr einen Rückgang an Buchungen, hauptsächlich für die Sommermonate Juli und August. Ebenso habe es vermehrt kurzfristige Stornierungen gegeben. «Sicher ist die Angst vor Terror ein Faktor, ich denke aber, dass auch der starke Schweizer Franken eine Rolle spielt», sagt Roberto Carpentieri, Geschäftsführer des Hotels Geroldswil. Ob Gäste bestimmter Nationalitäten besonders häufig ausbleiben, kann Carpentieri nicht sagen.

Terror gleich um die Ecke

Das Hotel Sommerau-Ticino in Dietikon kämpft dieses Jahr ebenso mit leeren Zimmern. Vor allem die chinesischen Gäste fehlen. «In den Sommermonaten Juli und August empfangen wir hauptsächlich Gruppenreisen aus China», sagt Thomas Brunnschweiler, Empfangchef des Sommerau-Ticino. Bis zu hundert Reisegruppen logierten in den letzten Jahren während der Monate Juli und August im Sommerau-Ticino. «Diesen Sommer sind die Buchungen der Gruppenreisen aus China praktisch alle ausgeblieben», so Brunnschweiler. Dies habe zu einem Umsatzverlust im sechsstelligen Bereich geführt.

Neben den erschwerten Einreisebedingungen für chinesische Touristen vermutet auch Brunnschweiler einen Zusammenhang mit der Angst vor Terroranschlägen. «China ist ein grosses Land, dagegen wirken europäische Distanzen sehr klein. Wenn es in Deutschland einen Anschlag gibt, ist das aus chinesischer Sicht gleich um die Ecke», sagt er. Dass dies den Ausschlag gäbe, sich für eine andere Feriendestination zu entscheiden, sei plausibel.