Frau Lüthi, ist es legitim, dass in manchen Fällen für eine Person ein Lift in ein Schulhaus eingebaut wird, der mehrere hunderttausend Franken kosten kann?

Esther Lüthi: Jedes Kind hat das Recht, in die Schule zu gehen. Ein gehbehindertes Kind soll in die Regelschule gehen können wie alle anderen Kinder auch. Das gehört zur Inklusion und ist üblich. Die meisten Schulhäuser sind heute ohnehin behindertengerecht. Wenn ein Schulhaus totalsaniert wird, dann ist die Gemeinde verpflichtet, behindertengerechte Anpassungen vorzunehmen. Dies sieht das kantonale Baugesetz in Zürich so vor. Die Schulgemeinde muss also dafür sorgen, dass jedes Kind in die Schule gehen kann und seinen Möglichkeiten entsprechend gefördert wird. Das heisst, dass auch der Zugang zu den Schulräumen gewährleistet sein muss. Sofern keine Alternative angeboten werden kann, müsste allenfalls kurzfristig ein Treppenlift oder eine Rampe eingebaut werden. Eine andere Notlösung ist der Schulbesuch in einem anderen Schulhaus.

Kann das nicht zum Problem werden, da die gehbehinderten Kinder dann aus ihrem sozialem Umfeld gerissen werden?

Die Schul- und Klasseneinteilung ist Sache der Schulpflege. Aus einer Klasse in eine andere zu kommen, kann leider allen anderen Kindern auch passieren. Man versucht dies sicherlich, wo möglich, zu vermeiden, aber niemand hat das Anrecht auf ein bestimmtes Schulhaus. Die Kinder haben das Recht, in die Schule zu gehen. Die Schulpflege ist verpflichtet, dem Kind eine adäquate Ausbildung zu gewährleisten.

Inwieweit sollen Schulen Eltern einbinden, um den Transport von einem Schulzimmer in das andere zu gewährleisten?

Dafür ist die Schulassistenz zuständig. Meines Wissens sind die Schulen für die Organisation und Finanzierung der Schulassistenz verantwortlich.

Es geht also darum, dass die Kinder eigenständig sind und ohne Hilfe von einem Ort zum anderen gelangen?

Ja, das Zauberwort heisst Inklusion. Dabei geht es auch um das Umdenken in unserer Gesellschaft.