Die unsicheren Konjunkturaussichten und die Währungskrise schaden der Schweizer Wirtschaft, besonders im Exportsektor. Lohnerhöhungen sind auch im Limmattal deshalb wohl nur im bescheidenen Ausmass zu erwarten. Während in Verwaltung und Gesundheitswesen das Lohnniveau wegen des Teuerungsausgleichs meist generell leicht ansteigt, sind in der Privatwirtschaft fast ausschliesslich individuelle Lohnanpassungen vorgesehen.

Nachteile auf ausländischem Markt


Beim Dienstleistungsunternehmen Zühlke verzichtet man gemäss Philipp Sutter, CEO der Zühlke Engineering AG, im Jahr 2012 auf generelle Lohnerhöhungen. «Bei uns gibt es individuelle Lohnanpassungen, die abhängig von der Karrierestufe und der Entwicklung jedes einzelnen Mitarbeiters sind.» Die Auftragslage sei zwar momentan im In-, wie auch im Ausland noch sehr gut, vermeldet Reinhard. Der tiefe Eurokurs habe aber zur Folge, dass Anbieter aus dem Euro-Raum einen Kostenvorteil von 20 Prozent aufweisen würden. «Wir sind sicher mehr denn je gefordert, Spitzenleistungen zu erbringen», sagt Sutter.

Bei der Confisserie Sprüngli in Dietikon wird die Lohnsumme insgesamt um 1 Prozent erhöht. Nutzniesser seien dabei in erster Linie Arbeitnehmer aus dem unteren Lohnsegment, erklärt CEO und Direktor Stanislas Scherrer. Auch hier soll aber die Verteilung dieses zusätzlichen Lohnes von der Individualleistung der Arbeitskräfte abhängig gemacht werden: «Es wird also auch im unteren Segment einige geben, die leer ausgehen.» Als Hersteller von frischen Produkten sei die Auftragslage kein aussagekräftiger Gradmesser für die wirtschaftliche Entwicklung im nächsten Jahr, so Scherrer. «Umsatzmässig bewegen wir uns jedoch auf etwa dem selben Niveau wie im Vorjahr, aber die Konjunkturlage geht auch an uns nicht spurlos vorüber. Wir stellen uns auf ein schwieriges 2012 ein.»

Eurokurs senkt Preisniveau

Der schwache Euro bedeutet auch für das national ausgerichtete Gewerbe nicht zwingend einen Vorteil, wie Diethilde Stein, Leiterin Kommunikation beim Stahlunternehmen Pestalozzi + Co AG, erklärt: «Als nationales Handelsunternehmen spüren wir die Auswirkungen der Währungskrise hauptsächlich im Einkauf. Da wir aber die Währungsvorteile an unsere Kunden weitergeben, wird dadurch kein zusätzlicher Gewinn erzielt.» Die Lohnanpassungen würden zwar erst nach dem zweiten Quartal erfolgen, so Stein, doch so wie die Situation gegenwärtig beurteilt werde, «wird der Spielraum für Lohnerhöhungen sehr gering sein.»

Harzige Debatten in Baubranche

In der Baubranche wird die Lohndebatte zurzeit durch harzige Verhandlungen zwischen den Gewerkschaften (Unia und Syna) und dem Baumeisterverband um einen Gesamtarbeitsvertrag geprägt. Ergebnisse scheinen nach Josef Wiederkehr, Bauunternehmer und Präsident des Schweizerischen Gerüstbau-Unternehmer-Verbandes (SGUV), nicht in Sicht: «Für das neue Jahr droht ein vertragsloser Zustand. Das wäre bedauerlich, denn dies schadet allen.»

Im Gegensatz zum Baumeisterverband habe man sich im Gerüstbau mit den Gewerkschaften bereits auf einen neuen Gesamtarbeitsvertrag einigen können, so Wiederkehr. Zwar würden die Lohnverhandlungen dort erst anstehen, doch bei der Firma Josef Wiederkehr AG und den ihr angeschlossenen Gerüstbaufirmen würden die Löhne mit Sicherheit erhöht. «Da wir im Jahr 2012 von einer negativen Teuerung ausgehen, sprechen wir nicht von einem Teuerungsausgleich, sondern von einer Reallohnerhöhung», wie er erklärt. Im Allgemeinen sähen die Auftragsbestände mindestens für die erste Hälfte des 2012 noch immer gut aus, erklärt Wiederkehr. Angesichts der Konjunkturlage bestehe jedoch eine grosse Unsicherheit über die weitere Entwicklung. «Ausserdem sind die Margen im Bauhauptgewerbe schlecht. Nur wenige Firmen erwirtschaften einen ausreichenden Ertrag.»

Kantonale Vorgaben umgesetzt

Die 0,5 Prozent Lohnerhöhung als Teuerungsausgleich, welche der Regierungsrat für das Jahr 2012 als Regelung für den Kanton Zürich beschlossen hat, übernehmen vor allem Arbeitgeber aus dem Verwaltungs- und Gesundheitssektor.

Beim Spital Limmattal seien ausserdem individuelle Lohnerhöhungen im Rahmen der bevorstehenden Beförderungsrunde Mitte Jahr vorgesehen, wie Nadja Tamler, PR-Verantwortliche des Spitals Limmattal sagt.

Ebenfalls zu einer generellen Lohnerhöhung um 0,5 Prozent kommt es in den Verwaltungen der Städte Schlieren und Dietikon. Während letztere darüber hinaus gar individuelle Lohnerhöhungen von 0,6 Prozent vorsieht, hat Schlieren nach Martin Studer, dem Geschäftsleiter der Stadt, «kein Budget» für solche zusätzlichen Anpassungen.

Die Gemeindeverwaltung Urdorf hat die kantonale Regelung des Teuerungsausgleichs hingegen nicht übernommen. Man beschränkt sich dort, gemäss Martin Büchi, dem Bereichsleiter der Verwaltung, auf individuelle Lohnerhöhungen: «Uns sind die Leistungen der einzelnen Personen wichtig. Dafür werden Frauen wie Männern immer die gleichen Löhne ausgezahlt.»