Urdorf

Privat-Sheriff auf kriminellen Abwegen

Der Eingang des Bezirksgerichts Zürich (Archiv)

Der Eingang des Bezirksgerichts Zürich (Archiv)

Ein mehrfach vorbestrafter Sicherheitsangestellter aus Urdorf soll jetzt für 29 Monate ins Gefängnis. Zudem droht dem Nordafrikaner die Ausschaffung aus der Schweiz.

Mit dem heute 28-jährigen Angeklagten aus Urdorf stand eine zwiespältige Persönlichkeit vor Gericht. Einerseits gilt der langjährige Sicherheitsangestellte an seinem Arbeitsplatz in einem Club als zuverlässiger und fleissiger Mann.

Der mit einer Schweizer Polizeibeamtin verheiratete Nordafrikaner sorgt in seinem Job seit Jahren für Recht und Ordnung und geniesst auch an seinem Wohnort einen guten Ruf. Völlig anders sieht es in seinem Privatleben aus. Der 2007 eingewanderte Araber kommt da regelmässig mit dem Strafgesetz in Konflikt.

Der Gerichtsvorsitzende hielt ihm gleich fünf Vorstrafen wegen groben Verkehrsdelikten, Vergehens gegen das Waffengesetz, sexueller Belästigung sowie gewalttätigen Angriffs vor. Der letzte Vorwurf hatte ihm Ende 2012 eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten eingebracht.

«Sie haben bisher sämtliche Vorstrafen ignoriert und einfach weiter delinquiert», erklärte der Vorsitzende dazu. Klar wurde dabei, dass der Beschuldigte bisher immer mit bedingten Sanktionen davongekommen war.

Erneut zugeschlagen

Doch nun sollte es anders kommen. Die Staatsanwaltschaft IV verlangte diesmal für den Sicherheitsangestellten nicht nur eine unbedingte Freiheitsstrafe von 11 Monaten, sondern auch den Widerruf der 18-monatigen bedingten Vorstrafe.

Kein Wunder. So hatte sich der Privat-Sheriff im letzten Jahr während laufender Probezeit einige schwere Delikte geleistet. So am 22. März 2013, als er sich im Ausgang in den Zürcher Club Mascotte begab und dort einem angetrunkenen Gast wegen einer Bagatelle mehrere heftige Ohrfeigen verpasste.

Mit der Folge, dass der Geschädigte am Trommelfell verletzt wurde. Nur zwei Wochen später prügelte er in der Zürcher Innenstadt zusammen mit einem Freund einen Kosovo-Albaner spitalreif. Im September 2013 bedrohte er zudem einen Clubleiter und raste kurz vor Weihnachten mit 32 km/h zu viel über die Hardbrücke.

Vor Gericht wies der Beschuldigte die meisten Vorwürfe von sich. Die Ohrfeige stritt er ab, bei der Prügelei will er nur geschlichtet haben. Auch die Drohung stellte er in Abrede. Nur beim Verkehrsdelikt räumte er ein, etwas zu schnell gefahren zu sein. Sein Verteidiger verlangte deshalb vorwiegend Freisprüche.

Ohne Erfolg. Das Gericht kam aufgrund der glaubhaften Aussagen der Opfer vorwiegend zu Schuldsprüchen und verurteilte den Beschuldigten wegen Angriffs, versuchter Körperverletzung bei der Ohrfeige, Drohung sowie grober Verletzung von Verkehrsregeln zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von elf Monaten.

Für die Richter hatte der Täter seine letzte Chance verspielt. Deshalb widerriefen sie auch die bedingte Vorstrafe von 18 Monaten: Er muss insgesamt 29 Monate absitzen. Und es droht ihm bei Rechtskraft des Entscheides die Ausschaffung aus der Schweiz.

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