«Ich war an einer Feier, bei der das sechsjährige Geburtstagskind auf einmal in der Ecke sass und weinte», sagt Nicole Presta. Um sie herum lief die Überraschungsparty, die sich das Mädchen wünschte. Steckenpferde, Girlanden, eine Torte: Alles war bereit. Doch auch scheinbar wunschlos glückliche Kinder haben Erwartungen. Werden diese, besonders an einem solchen Tag, nicht erfüllt, kann das Ganze schnell in einem kleinen Drama enden. Die Eltern kommen dabei immer mehr unter Druck. Denn die Erwartungen scheinen sich in den vergangenen Jahren vervielfacht zu haben. So kam Presta zu ihrem Hobby: Sie organisiert Partys für Kinder.

Presta kann sich noch gut an die Geburtstage in ihrer Kindheit erinnern. Zu diesen Zeiten waren Schoggi-Kuchen, das Reise-nach-Jerusalem-Spiel, Sirup und Luftballone noch der Standard. Mittlerweile sieht es aber anders aus: Einhorn- oder Piratenparty, Hüpfburgen, Prinzessinnentorten, aufwendige Einladungen, Animatoren und Ponyreiten sind im Trend. Fast ebenso wichtig wie das Thema der Party und die Unterhaltung, ist das Geschenk für die eingeladenen Kinder am Ende des Tages: der sogenannte Goodie-Bag. «Das gehört für die kleinen Gäste mittlerweile beinahe selbstverständlich dazu», sagt Presta.

Dieser Druck verlangt den Eltern einiges an Zeit, Geld und Nerven ab. Was für viele purer Stress ist, macht Presta Spass. In der Schweiz gibt es noch nicht viele Kinder-Party-Organisatoren: Anders ist es in Deutschland oder den USA, dort sind sie bereits bekannter. «Was diese jedoch von mir unterscheidet, ist, dass sie die Kindergeburtstage oft auf den Motiven gängiger Disney-Figuren aufbauen», sagt Presta.

Handmade statt Disney-made

Sie wolle den Kindern etwas Individuelles, Personalisiertes bieten, das sie selbst hergestellt hat. Dafür hat sie im Februar ihre Partykids-Website aufgeschaltet. Auf dieser können die Eltern ankreuzen, ob sie das Premium-Package – das heisst die gesamte Partyorganisation inklusive Fotograf und Dankeskärtchen – oder nur die Teilorganisation, in Form von Dekoration, Kinderschminken oder Ähnlichem wünschen. Bisweilen gelangen die Eltern auch mit aussergewöhnlichen Wünschen an die Party-Organisatorin. «Eine Mutter wollte, dass ich einen Glacé-Stand organisiere.» Da dieser rund 1000 Franken gekostet hätte, erfand sie eine Alternative und bastelte aus Karton einen Stand. Trotz Kreativität und Offenheit für alle möglichen Wünsche gibt es Grenzen: «Für Kinder unter vier Jahren empfehle ich keine riesige Party», sagt Presta. Auch bei gruseligen Sachen sei sie nicht sicher, ob sie das machen wolle. Abgeschnittene, blutunterlaufene Finger aus Gebäckteig seien bisher das Maximum. Die Wünsche gingen bislang aber eher in Richtung Prinzessinnen, Einhörner oder Ritter.

Einfaches Rezept für Geburtstage

Manchmal hört man den Vorwurf, dass solche Partys Kinder nur verwöhnen und es unmöglich sei, sich jedes Jahr zu steigern. «Doch meist sind es die Eltern, die sich einen zu grossen Druck machen», sagt Presta. Kindern könne man gut erklären, dass es auch einmal eine kleinere Party gebe. Falls sich das Hobby dereinst auch in finanzieller Hinsicht so richtig lohnt, würde Presta ihren Brotjob als Texterin gerne dagegen eintauschen.

Bis dahin geht es wohl aber noch eine Weile: Im Moment ist sie mit dem kommenden Geburtstag ihrer Tochter beschäftigt. Dieses Mal gibt es eine Prinzessinnenparty, inklusive Zauberer, der auf Glas gehen kann. Er soll für leuchtende Kinderaugen sorgen. Schliesslich ist aber klar, dass es für einen guten Kindergeburtstag eigentlich nur wenig braucht: «Spiele, Geschenke und etwas Süsses», sagt Presta.