Präsidiumswechsel mit Misstönen

Grossauflauf gestern an der Kirchgemeindeversammlung – Michele Aggiato führt neu die Kirchenpflege der Urdorfer Katholiken.

David Egger
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69 Kirchenmitglieder nahmen gestern im katholischen Pfarreizentrum Urdorf Platz. Dank Masken und Präsenzliste war gleichwohl allen Coronaregeln Genüge getan. Mit 16 Minuten Verspätung eröffnete Christian Tomasi die Versammlung.

Tomasi wohnt nicht mehr in Urdorf, sondern im Aargau, ist aber nach wie vor Vizepräsident und seit diesem Sommer auch Interimspräsident der Kirchenpflege. Das passt nicht allen. Und es ist bei weitem nicht die einzige Kritik. Aber die Gräben, die in der Kirche für Streit sorgen, liegen tiefer. Sie reichen bis in die Kirchenpflege. Im Juni trat deren Präsident Robert Eigenmann zurück, nachdem er und die anderen Kirchenpfleger sich nicht mehr auf einen Weg einigen konnten – trotz der Zuhilfenahme von externen Beratern.

So besuchte Eigenmann gestern die Versammlung nicht als Kirchenpflegepräsident, sondern als Mitglied einer Gruppe besorgter Urdorfer Katholiken. Deren Wortführer: Werner Gutknecht, seines Zeichens alt Gemeindepräsident.

Die Anträge der besorgten Katholiken gingen unter

Gutknecht beantragte zu Beginn der Versammlung, die Traktandenliste zu ändern. Zudem wollte er gleich die besorgte Gruppe vorstellen. «Wir sind weder Rebellen noch Revoluzzer. Wir sind engagierte Katholiken und möchten mithelfen, dass in dieser Pfarrei mit der Zeit wieder ein Klima entsteht, in dem man miteinander umgehen kann», sagte er. Prompt kam aus der Versammlung der Ordnungsantrag, dass Gutknecht nur über die Traktanden reden dürfe. Die Versammlung nahm den Ordnungsantrag an und stellte sich danach mit 33 zu 25 Stimmen hinter die Kirchenpflege. Bei den Traktanden blieb damit alles wie gehabt.

Nachdem die Rechnung 2019, die mit einem Plus von 32000 Franken schloss, klar ­angenommen wurde, stellte ­Kirchengutsverwalterin Dian Edathinakam das Budget 2021 vor. Minus 31000 Franken. Zu optimistisch, fand Gutknecht. Er beantragte ein Nein zum Budget. Der Antrag scheiterte.

Eindeutig stimmte die Versammlung zu, die 60 Jahre alte Umgebung der Kirche zu erneuern, insbesondere den oberen und den untern Vorplatz sowie die Aussentreppe, wo das Hangwasser durchdrückt.

Zwei Vakanzen in der Kirchenpflege waren zu besetzen. Neben Robert Eigenmann trat Aktuarin Nicole Schmitz zurück. Wegen ihres Berufs in der Medizin. Sie bleibt der Kirche Urdorf als Lektorin erhalten.

Michele Aggiato und Judith Tanner wurden als neue Kirchenpfleger gewählt. Aggiato ist in Dietikon aufgewachsen, wohnt seit 2012 in Urdorf und hat seit diesem Jahr auch das Urdorfer Bürgerrecht. Manche kennen den dreifachen Vater, weil er in Spreitenbach und Geroldswil ­Jugendchöre geleitet hat. Er arbeitet im globalen Marketing des Thermomix-Herstellers Vorwerk in Wollerau. Tanner wohnt seit 24 Jahren in Urdorf, hat ebenfalls drei Kinder und arbeitete jahrzehntelang im Finanz- und Bankenwesen. Sie war früher unter anderem auch schon Finanzchefin des Eislaufclubs Urdorf. Seit zwei Jahren ist sie pensioniert. Sie wird aller Voraussicht nach neue Aktuarin der Kirchenpflege. Aggiato wählte die Versammlung gestern als Kirchenpflegepräsidenten.

«Ich glaube, da ist Hass entstanden früher»

Unter dem Traktandum Verschiedenes kam es zur Chropfleerete. Eigenmann nannte das, was zu seinem Rücktritt nach 14 Jahren in der Kirchenpflege führte, eine «Meuterei». Auch Pfarrer Max Kroiss und Priester Isaac Osei-Tutu, die der Versammlung fernblieben, bekamen ihr Fett weg. Kroiss und Eigenmann hatten offenbar Streit, und Kroiss mischt sich nach der Meinung mancher in zu vieles ein. Manche haben Mühe, Osei-Tutus Predigten zu verstehen, andere lieben diese. Insbesondere die jüngeren Katholiken stellten sich hinter die Geistlichen. Eigenmann wurde kritisiert, weil er einst einen Vater auf den Lärm von dessen Kindern in der Kirche angesprochen haben soll. Alte Gräben.

«Wir müssen uns lösen von der Historie. Ich glaube, früher ist Hass entstanden. Kirche hat nichts mit Hass zu tun. Schaut in die Zukunft, lebt Euren Glauben und seid offen für Menschen, die anders sind. Und die Basis für die Zukunft haben wir heute gelegt mit den Wahlen», sagte Nicole Schmitz.